Türkspor gegen Bövinghausen live: Das halten Dortmunds Klubs von Livestreams

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Fernsehkameras im Dortmunder Amateurfußball sind eine Seltenheit. Die Ruhr Nachrichten wollen das ändern. Aber was halten die Verantwortlichen und Trainer davon? Wir haben nachgefragt.

Dortmund

, 14.08.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist Ende Juli. Die Vorbereitung auf die neue Saison im Dortmunder Amateurfußball nimmt so langsam Fahrt auf. Für Westfalenligist TuS Bövinghausen steht das erste Testspiel an. Zu Gast ist Oberligist Westfalia Herne. Mit dabei ist auch ein Team der Ruhr Nachrichten, denn: Die Partie wird live im Internet übertragen.

Meterweise Kabel, mehrere Kameras, Field-Reporter und Experten-Interviews. Was man sonst nur aus dem Profi-Bereich kennt, kommt an diesem Tag auch auf dem Sportplatz in Bövinghausen zum Einsatz. Für Profis ist die Live-Übertragung eines Fußballspiels Teil des Geschäfts und absolute Normalität. Im Amateurbereich findet Vergleichbares nur in seltenen Einzelfällen statt - bislang.

Pokal-Halbfinale im TV

„Eine Live-Übertragung kann für die Spieler und Verantwortlichen auch eine Form der Wertschätzung sein. Deshalb finde ich das eine wirklich gute Sache“, sagt Mike Kollenda. Und der Vorsitzende von Brackel 61 weiß, wovon er spricht.

Nicht nur, dass sein Verein gerade eigenhändig eine ganze Dokumentation über die erste Mannschaft dreht, den Umgang mit Kameras also kennt, beim Kreispokal-Halbfinale gegen Bezirksligist Mengede 20/80 musste Kollenda vor Kurzem dem WDR für einen TV-Beitrag Rede und Antwort stehen.

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„Sich selber nachher auf dem Bildschirm zu sehen ist natürlich schon komisch. Das ist irgendwie auch eine Ausnahmesituation, aber ich hatte keine schwitzigen Hände“, so der Vorsitzende.

Eine Ausnahmesituation - das ist die Übertragung eines Fußballspiels im Amateurfußball seit jeher. Dabei ist das Interesse der Beteiligten an einer vermehrten Berichterstattung in Bewegtbildern durchaus groß. So auch bei Dominik Grobe, dem Trainer der DJK TuS Körne: „Ich fände es klasse, wenn vermehrt Spiele gestreamt werden würden. Es hätte sowohl Vorteile für Trainer und Spieler als auch für die Fans. Die Aufmerksamkeit würde deutlich steigen.“

Der eigenen Mannschaft aus dem Urlaub zuschauen

Zudem würde es beispielsweise die Spielanalyse für die Mannschaften deutlich erleichtern. Bestimmte Situationen könnten mit den Spielern besprochen und diskutiert werden. „Das würde zu einer gänzlich anderen Wahrnehmung der Spiele führen“, ist sich Grobe sicher.

Er selbst habe sogar schon aus dem Urlaub einmal ein Spiel seiner Mannschaft im Stream verfolgt. „In solchen Fällen ist das wirklich von Vorteil. Ich bin deshalb ein großer Freund davon“, so Grobe.

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Ähnlich positiv äußert sich auch Sascha Rammel vom Landesligisten Kirchhörder SC. Er sieht sogar noch einen weiteren Vorteil: „Die Trainer hätten mit den Live-Übertragungen natürlich auch die Möglichkeit, sich kommende Gegner anzuschauen. Die Vorbereitung auf ein Spiel würde sich verändern. Für uns Trainer hätte es vermutlich nur positive Aspekte.“

Möglicherweise weniger Zuschauer am Platz

Im Grunde also alles optimal, oder? Könnte man meinen, aber: „Ich kann es zwar jetzt kaum einschätzen, allerdings könnte ich mir schon vorstellen, dass manche Menschen dann lieber auf dem Sofa bleiben und von dort ein Spiel schauen, als wirklich zum Platz zu kommen. Und das könnte für den einen oder anderen Verein natürlich schon Schwierigkeiten bedeuten“, gibt Brünninghausens Spielertrainer Florian Gondrum zu Bedenken.

Für ihn selber komme das aber nicht in Frage. „Ich muss einfach am Platz stehen und mich dann auch mal mit ein paar Leuten unterhalten. Das gehört dazu“, unterstreicht Gondrum.

Positive Auswirkungen auf Spieler

Ein ernsthaftes Problem befürchtet Mike Kollenda hingegen nicht. Die Menschen, die ein Spiel im Amateurfußball sehen wollen, würden letztlich auch zum Platz kommen. „Ich glaube nicht, dass die Zuschauerzahlen darunter leiden. Dafür kommen viele Leute auch einfach zu gerne wegen des Drumherums zum Platz.“

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Auf die Spieler hat eine Live-Übertragung derweil vor allem positive Auswirkungen. Da sind sich die Befragten einig. Bei Brackel 61 habe man aber beispielsweise die Erfahrung gemacht, „dass die Spieler zu Beginn unseres Doku-Drehs häufig in die Kamera geguckt und erstmal die Frisur überprüft haben“, erklärt Mike Kollenda grinsend.

Nächste Live-Übertragung folgt

Also möglicherweise doch nachhaltige Probleme bei der Konzentration? „Keinesfalls“, betont Dominik Grobe. Es werde zwar bei Live-Übertragungen schon häufiger in den Spiegel geschaut „aber sobald die Jungs auf dem Platz sind, wird nicht mehr darauf geachtet, ob da eine Kamera steht oder nicht.“

Laut Sascha Rammel sei für die Spieler ein Fußballspiel vor laufenden Kameras ein absolutes „Bonbon“ und der Sportliche Leiter des VfL Kemminghausen Tuna Kayabasi sieht noch einen weiteren positiven Aspekt: „Ich glaube, dass die Spieler sogar noch motivierter sind, wenn sie wissen, dass das Spiel live übertragen wird. Ich würde das auf jeden Fall befürworten.“

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Und nun zurück nach Bövinghausen. Dort stieß die Übertragung des Testspiel-Duells auf großes Interesse. Letztlich gewann der TuS mit 3:0 - und das vor den Augen Tausender Zuschauer vor dem Bildschirm.

Der nächste Livestream steht auch schon in den Startlöchern. Am Sonntag (16. August, ab 17.45 Uhr) übertragen die Ruhr Nachrichten live das Testspiel Türkspor Dortmund gegen den TuS Bövinghausen- mit meterweise Kabel, mehreren Kameras, Field-Reporter und Experten-Interviews. Ein wenig Bundesliga-Feeling im Dortmunder Amateurfußball.

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