Lüner Teams bei den Hallenfußball-Stadtmeisterschaften unerwünscht? Sie wollten, dass wir scheitern

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Die Lüner Klubs sprechen über ihre Erfahrungen bei der Dortmunder Hallenfußball-Stadtmeisterschaft. Einige spüren die deutliche Abneigung der heimischen Fußballfans.

Lünen, Dortmund

, 25.12.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die grellen, grünen Sieger-Shirts wirkten etwas fehl am Platz. Es wirkte beinahe, als seien sie eher für den Final-Gegner des in einem starken Rot spielenden Lüner SV vorbereitet gewesen – schließlich trug der BSV Schüren ein sehr ähnliches Grün.

Das war 2017. Der Lüner SV war gerade Dortmunder Hallenstadtmeister geworden. Es war die Premiere der Lüner Mannschaften bei den Dortmunder Titelkämpfen. Lautstarke Buhrufe und „Wir sind alles Dortmunder Jungs“-Sprechchöre der 5000 Zuschauer begleiteten die LSV-Jubelstürme.

Mannschaften aus Lünen sind in Dortmund nicht willkommen

Durch den überraschenden Triumph der Rot-Weißen wurde maximal unterstrichen, was sich bereits im Vorfeld angedeutet hatte: Mannschaften aus Lünen sind bei den Dortmunder Hallenstadtmeisterschaften nicht willkommen.

Fast drei Jahre später ist die Nachbarstadt mit mehreren Teams noch immer Teil der Titelkämpfe in Dortmund – der LSV bleibt dabei der einzige Mitfavorit aus der Lippestadt. Der Westfalenligist bekam wie beschrieben als Erstes und am deutlichsten die Ablehnung der Dortmunder Fußballszene zu spüren.

Damals mittendrin: Daniel Mikuljanac, der das entscheidende 1:0 im Endspiel erzielte.

Buh-Rufe für den LSV

Angefangen hätten die Anfeindungen erst in der Endrunde, erinnert sich Mikuljanac. Als die Lüner dort erstmals kurz vor dem Ausscheiden stand, „hat das langsam angefangen“, sagt er. Schlimmer wurde es, als es in Richtung Finale ging.

„Da hat man schon gespürt: Jetzt wollen die Fans nicht, dass wir das Ding holen. Dass sie uns nicht gemocht haben, haben sie uns gezeigt“, sagt Mikuljanac. Noch zu gut erinnert er sich an die Buhrufe, an den Boykott der Siegerehrung durch einen Großteil der Fans.

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Doch auf dem Feld nehme man solche Provokationen nur gedämpft wahr, sagt der 24-Jährige. Schlimmer sei es auf der Tribüne. Von dort aus verfolgte der verletzte Mikuljanac die Titelkämpfe ebenfalls schon. Ganz unangenehm sei es für ihn dort in der Vorrunde des vergangenen Turniers gewesen. Da scheiterte der LSV schon in der ersten Runde.

„Da wollten sie schon, dass wir direkt scheitern“, so Mikuljanac, der von einem „kläglichen Versuch“ spricht. Er relativiert aber: „Ich denke, wenn Aplerbeck in der Vorrunde ausscheiden würde, würde auch die ganze Halle ausrasten.“

Im Publikum wurde er angepöbelt, wenn er sich über ein Tor seiner Mannschaft gefreut hat. „Als Spieler spricht dich keiner an und sagt: Verpiss dich nach Lünen“, sagt der Allrounder. Auf dem Feld sei das anders – dort spiele man gegen Freunde.

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Doch nicht nur der einzige Lüner Verein mit realistischen Titelchancen muss mit Anfeindungen zurechtkommen. Dennis Gerleve erlebte mit dem BV Lünen ein entspanntes erstes Jahr in der Halle Wellinghofen. „Da war alles top“, so Gerleve.

Das änderte sich im vergangenen Jahr in der Halle Brackel. „Da war es nicht so toll. Die Atmosphäre war extrem negativ uns gegenüber, warum auch immer“, sagt Gerleve. An der sportlichen Gefahr wird es nicht gelegen haben: Gerleve trainiert einen B-Ligisten.

Brambauer ohne Probleme

Gerleve, der mit dem TuS Eving als Spieler schon Vize-Stadtmeister wurde, sagt: „Wir haben uns ja nichts zu Schulden kommen lassen.“ Also ging er auf Ursachenforschung, suchte das Gespräch in den Hallen.

„Das hat wohl viel damit zu tun, dass sie es für sich exklusiv haben wollen. Das ist denen ein Dorn im Auge“, so der 35-Jährige über die Ablehnung der Zuschauer. In Absprache mit seinen Spielern hat sich der BV Lünen aber zu einer erneuten Teilnahme entschieden. „Da muss man die Ohren auf Durchzug stellen“, sagt Gerleve.

Weniger drastische Erfahrungen hat bislang der BV Brambauer bei seinen Teilnahmen in Dortmund gemacht. „Sicherlich ist das mit der Wut der Fans erst dann entstanden, als der LSV direkt den Titel geholt hat“, sagt Brambauers spielender Co-Trainer Dennis Köse, der in der Halle das alleinige Kommando hat.

Für ihn macht die Stimmung gegen die Lüner Teams „ein bisschen den Reiz aus. Das schadet keinem“, so Köse.

Der Defensiv-Routinier sagt: „Wir selbst konnten da nie irgendwelche negativen Sachen feststellen. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass wir keine große Gefahr für irgendein Team darstellen und denen unbedingt den Titel klauen.“ Bislang war für den BVB spätestens in der Zwischenrunde Schluss.

Die Negativerlebnisse betreffen also nicht alle Lüner Teilnehmer. Nicht verwunderlich also, dass sich in diesem Jahr drei weitere Mannschaften dazu entschlossen haben, in Dortmund an den Start zu gehen.

Mehr Lüner Teams, weniger Anfeindungen?

Die SG Gahmen, der FC Brambauer und BW Alstedde machen aus dem bisherigen Quartett – neben LSV, BVB und BV05 ging bislang der VfB Lünen an den Start – ein Septett.

„Wir nehmen teil, weil es eine sehr gute Gelegenheit ist, unseren Verein zu präsentieren und natürlich, weil es ein sehr gutes Turnier ist“, sagt Alsteddes Trainer Tim Hermes. Mögliche Anfeindungen „sind uns vollkommen egal“, so Hermes, der selbst bei RW Oberhausen in der Regionalliga spielt.

Daniel Mikuljanac glaubt übrigens, dass die Anfeindungen weniger werden, desto mehr Lüner Teams in Dortmund auflaufen. Nur der SV Preußen Lünen nimmt weiterhin in Dortmund nicht teil.

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