Mit Papa-Power an Bord zur olympischen Goldmedaille

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Malte Jakschik und sein Deutschland-Achter wollten im Sommer bei Olympia in Tokio „ein richtiges Faß aufmachen“. Dann kam Corona - für den 27-Jährigen hatte das auch eine positive Seite.

Dortmund, Castrop

, 02.10.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Malte Jakschik ist ein leidenschaftlicher Tüftler. Hier schraubt er am Auto herum, dort entwickelt er ein Bewässerungssystem für den heimischen Balkonkasten. So verwundert es nicht, dass sich der 27-Jährige auch für das Jahr 2020 einen Plan gebastelt hatte. Und der sah so aus: Jahresanfang Masterarbeit in Maschinenbau abgeben – kurz darauf erstmals Papa werden – im Sommer bei den Olympischen Spielen mit dem Deutschland-Achter die Goldmedaille gewinnen – und dann das Leben nach dem Leistungssport einläuten. Es kam anders...

„Ein verrücktes Jahr“

„Es ist bisher wirklich ein verrücktes Jahr“, resümiert der gebürtige Dattelner, der für den Ruderverein Rauxel antritt, die bisherigen Monate. Das mit Masterarbeit und Söhnchen Emil hat wunderbar geklappt, aber die sportlichen Ziele sind durch die Olympia-Verschiebung komplett hinten heruntergefallen. Seit 2014 ist Malte Jakschik eine feste Größe im nationalen Paradeboot, drei WM-Titel und sechs goldene EM-Medaillen in Serie sowie Olympia-Silber in Rio stehen auf seiner beeindruckenden Agenda.

An Ruderleistungszentrum Dortmund bereiten sich Malte Jakschik und Kollegen auf die Europameisterschaft in Poznan vor.

An Ruderleistungszentrum Dortmund bereiten sich Malte Jakschik und Kollegen auf die Europameisterschaft in Poznan vor. © Hense

Tokio 2020 sollte der Höhepunkt seiner ruderischen Laufbahn werden. „Und wir waren in den ersten Trainingslagern Anfang des Jahres alle richtig gut drauf, wir wollten im Sommer noch mal ein richtig großes Fass aufmachen. Aber unsere Pläne wurden von jetzt auf gleich umgeworfen“, erinnert sich der Familienvater an die Anfänge von Corona und am Ende die Verschiebung der Spiele auf 2021.

Hals über Kopf

Hals über Kopf verließ die Riemen-Nationalmannschaft Anfang März das Trainingslager in Portugal, und als sich der Daumen in Tokio nach unten senkte, war erst einmal Konfusion im Lager der starken Männer. „Mittags kam die Nachricht, aber schon abends waren wir uns im Team alle einig, dass wir gemeinsam noch ein Jahr dranhängen“, erzählt der Modellathlet, der als Kind eher klein und schmächtig war und seine Gitarre dem Sport vorzog – bis ihn ein Schnupperkurs beim RV Rauxel begeistert ins Boot brachte. Eine Entscheidung, die der 1,94 Meter lange Riemen-Recke nie bereut hat.

Die Ehefrau sagt Ja

Jakschik beriet sich im Sommer also mit seiner Frau, ebenfalls einstmals Ruderin, und gemeinsam beschlossen sie: Papa Malte hängt noch ein Jahr Leistungssport dran. Die Corona-Zeit verbrachte das Team Deutschland-Achter im „Homeoffice“, will heißen: Das Ruder-Ergometer glühte in heimischen Wohnzimmern, auf Balkonen, in Gärten oder – wie bei Malte Jakschik – auf einem Parkplatz vor dem Haus im Dortmunder Kreuzviertel. „Die Nachbarn haben anfangs etwas verdutzt geguckt, aber ich wollte nicht in der Wohnung trainieren, der Lärm hätte Emil aufgeweckt. Außerdem hätte ich zwei Mal am Tag durchwischen müssen, man schwitzt ja doch ganz schön“, erzählt der Maschinenbau-Ingenieur mit einem Grinsen.

Schöne Zeit mit Emil

Nebeneffekt der Heimarbeit: Die sportlichen Ziele für 2020 mussten er und seine Ruderkollegen zwar komplett über Bord werfen, aber „ich hatte dafür zuhause eine total schöne Zeit, konnte sehen, wie Emil die Welt entdeckt. Das hat für vieles entschädigt und mich sehr bereichert“.

Jetzt gibt es 2020 aber nach langem Hin und Her doch noch ein Ruderziel: Vom 9. bis 11. Oktober werden in Poznan (Polen) die EM-Titel vergeben, und der Deutschland-Achter ist Titelverteidiger. Malte Jakschik, wie sein Zweier-Partner Richard Schmidt mit Papa-Power an Bord, motiviert: „Wir sind Titelverteidiger, da ist die Zielsetzung klar, auch wenn alle gerade nicht wissen, wo sie stehen.“ Am richtigen Erfolgs-Rezept tüftelt der Ruderer aus dem Revier gerade...

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