Olaf Schäfer legt nach der Bövinghausen-Kritik nach: Jetzt geht er ins Detail

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Olaf Schäfer hat Kritik geerntet, nachdem er gefordert hatte, die Fußball-Saison abzubrechen. Vor allem vom TuS Bövinghausen. Jetzt erklärt Schäfer noch detaillierter, warum er den Abbruch fordert.

Dortmund

, 03.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Olaf Schäfer, Vorsitzender des Fußball-Landesligisten SV Brackel 06, hat eine klare Haltung. „Ein Impfstoff ist ja noch nicht kurzfristig in Sicht. Deshalb sehe ich keinen Sinn darin zu versuchen, die Saison abzuschließen. Die sollen lieber die Spielzeit jetzt komplett abbrechen. Das wäre für mich die beste Lösung“, sagte der Vorsitzende des SVB in der vergangenen Woche.

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Ajan Dzaferoski, Vorsitzender des Fußball-Westfalenligisten TuS Bövinghausen, konnte mit Schäfers Aussage gar nichts anfangen. „Wenn er (Olaf Schäfer, Anm. d. Red.) das meint, dann ist er für mich kein Fußballer. Was sollen die Leute denn bis zum Sommer nächstes Jahr machen? Däumchen drehen? Wenn er das so sieht, dann ist er fehl am Platz“, so die harten Worte Dzaferoskis.

Großverein gegen einen Ein-Team-Klub

Dzaferoskis Worte sind bei Schäfer angekommen. Brackels Vorsitzender möchte gar nicht groß auf die Aussage eingehen, weil sich beide Klubs nicht vergleichen ließen. Auf der einen Seite sei der SV Brackel, der 20 Jugendmannschaften und drei Seniorenteams an den Start bringt. Und auf der anderen Seite der TuS Bövinghausen, der genau eine Mannschaft gemeldet hat. Die erste Senioren-Mannschaft in der Westfalenliga.

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Für Schäfer ist es wichtig, noch einmal deutlich zu machen, was ein Klub mit der hohen Anzahl an Mannschaften während der aktuellen Corona-Pandemie bisher leisten musste und in der Zukunft noch alles leisten muss. „Auf unserer Sportanlage trainieren 20 Jugend- und drei Seniorenmannschaften von Montag bis Freitag. Hier trainieren teilweise gleichzeitig vier Jugend-Teams. Die Verantwortung für den Vorstand und die Trainer ist mega groß“, sagt Schäfer.

Ajan Dzaferoski hatte Olaf Schäfers Vorschlag kritisiert.

Ajan Dzaferoski hatte Olaf Schäfers Vorschlag kritisiert. © Stephan Schuetze

Er denkt da an all die Hygieneregeln, die eingehalten werden müssen. Für ihn hat die Gesundheit oberste Priorität. Das bewies er schon in der Vorbereitung während des eigenen Sommerturniers, als er die Maskenpflicht auf dem Platz einführte und unzählige Mitglieder bewegen konnte, dazu beizutragen, dass die Hygiene-Regeln von allen eingehalten werden.

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Er erhielt damals auch Lob vom Kreisvorsitzenden Jürgen Grondziewski. „Die haben alles vorbildlich umgesetzt. Unterschiedliche Ein- und Ausgangsbereiche, abgesperrte Zonen. Das war wirklich top“, sagte Grondziewski. Das Turnier fand damals bei schönstem Wetter statt. Jetzt folgen die dunklen und nassen Monate.

„Und das wird doch zum Problem. Bisher haben wir die Spieler darum gebeten, doch zuhause zu duschen. Das können wir von den Teams bei Regen oder kaltem Wetter gar nicht mehr verlangen. Wir wollen doch nicht, dass jemand mit nassen Haaren nach Hause fährt und krank wird“, sagt Schäfer.

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Dadurch, dass die Kabinen stärker frequentiert werden, entstehe das nächste Problem. „Wir müssen nach jedem Spiel die Kabinen säubern und desinfizieren. Das kann ich doch nicht unseren Trainern auch noch abverlangen. Die passen doch schon auf, dass die Teams die Hygieneregeln alle einhalten“, sagt Schäfer.

Klub müsste Putzkraft einstellen

Die logische Konsequenz wäre, dass der Klub jemanden dafür bezahlen müsste, die Kabinen samstags und sonntags währen der Begegnungen zu säubern und zu desinfizieren. Und bei 23 Mannschaften im Einsatz seien das schon einige Partien am Wochenende.

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Schäfer stellt sich hier die finanzielle Frage. Wer soll das alles bezahlen? Der Klub komme schon für die gesamten Desinfektionsmittel auf, müsste zusätzlich eine Putzkraft einstellen. Auf der anderen Seite fallen Einnahmen weg. „Es kommen doch kaum noch Zuschauer. Die Leute meiden aufgrund der Pandemie die Plätze. Und die Sponsoren laufen uns auch nicht die Bude ein. Das ist doch verständlich, die haben aktuell ihre eigenen Probleme. Vor allem in der Gastronomie“, sagt Schäfer.

Trainingstermine fallen weg

Er sieht auch Probleme darin, dass immer wieder Spiele ausfallen. Dadurch müssen Spiele unter der Woche nachgeholt werden, Trainingszeiten fallen dadurch weg. „Ich kann verstehen, wenn unser Lieblingssport mit der Meisterschaft möglichst weiterlaufen soll, nur ich sehe das nicht aus den genannten Punkten zur jetzigen Zeit“, sagt Schäfer, „ Wir haben eine Fürsorgepflicht für den großen Fußballverein mit seinen vielen Mannschaften.“

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Deshalb plädiert er dafür, die Saison abzubrechen, möchte aber den Trainingsbetrieb so schnell wie möglich wieder am Laufen haben. Schäfer möchte, dass die Kinder und Jugendlichen ihrem Hobby nachkommen und ihre sozialen Kontakte aufrecht erhalten. Er hält es einfach nicht für angebracht, die Saison auf Biegen und Brechen durchzuziehen.

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