Olympia-Kaderathleten haben Amateurfußballern etwas voraus

Olympia

Jeder Amateurkicker würde bei dem aktuellen Wetter wohl gerne wieder auf den Platz – darf er aber nicht. Die Fußballer müssen sich noch etwas gedulden, im Gegensatz zu einer anderen Gruppe.

Dortmund

, 09.04.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Für den Mittel- und Langstreckenläufer Elias Schreml (r.) kehrt in den nächsten Wochen wieder etwas Normalität ein.

Für den Mittel- und Langstreckenläufer Elias Schreml (r.) kehrt in den nächsten Wochen wieder etwas Normalität ein. © Schulze

Sportlern – unabhängig welche Sportart sie betreiben – stellt sich gerade die Frage nach dem Ort, an dem sie trainieren können. Fußballplätze, sämtliche Sporthallen und Schwimmbäder – alle sind gesperrt.

Die dem Olympia- und Perspektivkader (OK/PK) des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und dem Spitzenkader des Deutschen Behindertensportverbandes angehörenden Dortmunder Athleten waren von der Sperrung der heimischen Sportstätten am meisten betroffen.

Strenge Auflagen

Denn ihre Vorbereitungen auf die, inzwischen in das Jahr 2021 verschobenen Olympischen Spiele, wurden empfindlich beeinträchtigt. Umso größer war die Freude, als ein Schreiben des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales unter strengen Auflagen eine Ausnahmeregelung zulässt.

Weniger davon betroffen war das deutsche Meisterpaar im Eistanz Katharina Müller und Tim Dieck (ERC Westfalen), das zur Zeit ohnehin in Moskau trainiert, nun aber bei Dortmund-Aufenthalten auf heimatlichem Eis seine Kreise drehen kann.

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Die erfolgsgewohnten Dortmunder Olympiaboote der Ruderer mit dem Flaggschiff, dem „Achter“, an der Spitze, können nun endlich wieder ihre Ruderblätter in das Wasser des Dortmund-Ems-Kanals eintauchen Vor allem sie saßen „auf dem Trockenen“ und mussten mit alternativem Training ihre Form konservieren.

Stephan Wittky: „Trainer an Land kann Training im Wasser nicht ersetzen“

„Unsere Athleten mussten „an Land“ nach vorgegebenen Plänen trainieren, aber das konnte ein Training im Wasser nicht ersetzen“, macht Stephan Wittky, Cheftrainer der Schwimmer der SG Dortmund deutlich. Für seine Schützlinge bringt die Ausnahmeregelung zunächst nichts, denn seine Kaderathleten sind dem Bundesstützpunkt Essen zugeordnet.

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„Aus Essen haben wir von der Ausnahmeregelung noch nichts gehört. Wir werden nun rasch mit der Stadt Dortmund verhandeln, damit wir wieder im Südbad trainieren können. Das ist für uns enorm wichtig.“ Dem Perspektivkader des deutschen Leichtathletik-Verbandes sind die Langsprinter Torben Junker und Manuel Sanders und die Langstreckler Mohamed Mohumed und Elias Schreml von der LG Olympia zugeordnet.

Thomas Kremer: „Torben und Manuel haben nichts von ihrer guten Form eingebüßt“

Trainer Thomas Kremer war mit den 400-Meter-Spezialisten oft im Rombergpark und im Niederhofener Wald zu finden, musste seine Schützlinge jedoch „aus der Ferne“ betreuen und steuern, nachdem nach einer ernsten Ermahnung durch die Polizei mit Bußgeldandrohung, die sonst übliche Nähe zu den Athleten nicht mehr zuließ.

Trotzdem stellte er fest: „Torben und Manuel haben nichts von ihrer guten Form eingebüßt. Wir konnten auch „von Weitem“ an Schwachstellen arbeiten und Torben konnte seine Verletzung endgültig auskurieren.“ Dennoch ist er froh, wieder im Stadion Rote Erde und bei schlechtem Wetter in der Körnighalle arbeiten zu können, obwohl es viel organisatorisches Talent und schriftlichen Aufwand erfordert, wenn die Dokumentations-Vorschriften eingehalten werden wollen.

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Vor ähnlichen Problemen steht Trainer Pierre Ayadi. „Dass immer nur zwei Personen anwesend sein dürfen, macht die Arbeit sehr schwierig, denn das heißt ja, dass nur ein Athlet und ein Trainer gleichzeitig im Stadion oder in der Halle sein dürfen“, beschreibt er die Situation. Da das Internat bis zum Ende der Schulferien noch geschlossen ist, befinden sich Mohumed und Schreml noch bei ihren Familien in Willich und Hamm. „Ich werde sie einzeln nach Dortmund holen und muss mir etwas einfallen lassen, wenn das Training einen Sinn haben soll“, sagt Ayadi.

Einschleusung verhindern

Der leitende Landestrainer Westfalens, Winfried Vonstein, stellt klar: „Durch eine zwingende Dokumentation ist sicher zu stellen, dass nicht andere Aktive als die OK- und PK-Athleten mit „eingeschleust werden“, und er appelliert an die Vernunft aller Beteiligten: „Wir bitten darum, dass sich alle an die behördlichen Regelungen halten und nicht durch eigene Interpretationen versuchen, die behördlichen Verordnungen zu umgehen.“

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