Pierre Ayadi und sein Jürgen Klopp-Moment: Wir hatten ein Wahnsinnsjahr bei der LG Olympia

hzSportlicher Leiter im Interview

Deutscher Meister und Europameister: Die LG Olympia blickt auf ein äußerst erfolgreiches Jahr zurück. Doch im Verein wollen sie noch mehr herausholen, sagt der Sportliche Leiter Pierre Ayadi.

Dortmund

, 23.10.2019, 18:08 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei der LG Olympia haben sie sich in diesem Jahr selbst ein bisschen überrascht. Hochspringerin Christina Honsel und der Deutsche-400-Meter-Meister Manuel Sanders reisten zur WM, Elias Schreml wurde U20-Europameister, und auch sonst sorgten die Dortmunder Athleten für achtbare Erfolge.

So standen LGOer bei nationalen Meisterschaften 24 Mal auf dem Siegertreppchen im Medaillenrang und acht Plaketten glänzten golden. In den nationalen Ranglisten ist die LGO bisher 29 Mal unter den ersten Sechs vertreten.

Wir haben mit dem Sportlichen Leiter der LGO, Pierre Ayadi (Foto), über 2019 gesprochen.

Herr Ayadi, wie oft mussten Sie sich kneifen, um sich sicher zu sein, dass das alles wirklich echt ist?

Wie oft, kann ich gar nicht sagen (lacht). Aber es war sicherlich ein Wahnsinnsjahr für uns mit all den Erfolgen bei den Deutschen und den Europameisterschaften.

Gab es ein Ereignis, einen Moment, der besonders hängen geblieben ist?

Es waren alle für sich herausragende Leistungen. Aber für mich persönlich als Trainer war es der Moment, als Elias U20-Europameister über 3000 Meter geworden ist. Ich habe schon gewusst, dass ich ihn in dieser Saison ganz gut hinbekommen habe. Aber dass er den Titel holt, daran habe ich vorher nicht wirklich geglaubt.

Wann war Ihnen klar, dass er tatsächlich gewinnen kann?

Als er als Erster auf die Zielgerade eingebogen ist, denn da lässt er eigentlich niemanden mehr vorbei. Und als sich dann der Zweitplatzierte auf die Läufer hinter sich konzentriert hat, war mir 80 Meter vor dem Ziel klar, dass er das nach Hause bringt. Es gibt auch ein Video von dem Rennen, da kann man mich im Hintergrund sehen, wie ich in Jürgen-Klopp-Manier vor der Videoleinwand den Sieg frühzeitig feiere (lacht).

Auch die U23-EM im schwedischen Gävle dürfte in guter Erinnerung bleiben…

In Nina Braun, Christina Honsel, Mohamed Mohumed und Manuel Sanders, der ja sogar noch mit der Staffel den Titel gewonnen hat, hatten wir vier Athleten am Start. Das hat kein anderer Verein aus Deutschland geschafft und ist Zeichen unserer guten Arbeit.

Christina Honsel im Hochsprung und Manuel Sanders in der Mixed-Staffel waren auch noch bei der WM in Doha dabei. Hat die Teilnahme die Saison der LGO gekrönt?

Es ist mehr die logische Konsequenz der vergangenen Jahre, in denen wir kontinuierlich zu den besten Vereinen im Nachwuchs gehört haben. Mittlerweile ist es uns gelungen, diese Entwicklung über die U23 auch in den Erwachsenenbereich zu transportieren. Aber natürlich ist es ein Stück weit auch eine Belohnung. Zumal wir 2019 bei allen internationalen Meisterschaften vertreten waren. Das ist ein gutes Gefühl, dass die LGO auf der Landkarte der Leichtathletik-Vereine in Deutschland jetzt auch eine führende Rolle einnimmt.

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Es wurde viel über die WM gesprochen. Leere Zuschauerränge, die äußeren Bedingungen – wie haben Sie die Veranstaltung wahrgenommen?

Betrachtet man allein die sportlichen Leistungen, kann man durchaus sagen, dass diese herausragend waren. Wenn von der „besten WM aller Zeiten“ gesprochen wird, ist das also nicht grundlegend falsch, soweit man es allein darauf reduziert. Und diese Leistungen sind eben auch durch die Bedingungen, die innerhalb des Stadions geschaffen wurden, erreicht worden.

Es klingt, als käme jetzt ein „Aber“…

Außerhalb des Stadions, vor allem, wenn man sich das mit dem Herz eines Läufers angeschaut hat, hat einem jeder, der den Marathon oder den Geh-Wettbewerb bei 40 Grad oder mehr absolvieren musste, leidgetan. Das tat schon weh beim Zuschauen. Und alles andere muss jeder bewerten, wie er es für richtig hält.

Bei allen positiven Erfolgen, wo besteht bei der LGO der größte Nachholbedarf?

Wir können sicherlich in der Wurfdisziplinen mehr herausholen. Auch im Kurzsprint. Dort haben wir uns jetzt im Bereich der Trainer neu aufgestellt. Das funktioniert bislang ganz gut, und in der Zusammenarbeit mit der NRW-Sportschule wird das sicherlich auch schon bald Früchte tragen. Ein anderes Problem ist das Sponsoring.

Die wie bei den meisten Vereinen, die nicht Borussia Dortmund heißen, sicherlich nicht Schlange stehen.

Wir haben da sicherlich einiges auf die Beine gestellt und arbeiten weiter daran, die Situation zu verbessern. Aber es wäre schön, wenn das ein oder andere Unternehmen sehen würde, dass hier in der Leichtathletik in den vergangenen Jahren Herausragendes geleistet worden ist und dass man dort mit gar nicht mal so großen Beträgen sehr viel bewegen kann. Dann wären wir finanziell auch nicht mehr ganz so weit weg von Vereinen wie Leverkusen & Co. Sponsoren dürfen sich also gerne bei mir direkt oder auch bei der LGO melden.

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Muss sich die LGO an solchen Topvereinen orientieren?

Ich denke, dass wir in manchen Bereichen durchaus schon heute konkurrenzfähig oder vielleicht sogar besser sind. Darüber hinaus sind die Bedingungen hier mit der umgebauten Körnig-Halle, die deutschlandweit unter den Athleten für sehr viel Aufsehen sorgt, und der neuen Anlage in Hacheney so gut, dass wir eine Aktie sind, auf die man als Sponsor jetzt auch setzen könnte. Und vielleicht sind dann auch mal bei Olympischen Spielen fünf, sechs Dortmunder am Start.

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