Quälen für den guten Zweck

DORTMUND Dieser Satz ist einprägsam. Er trifft es auf den Punkt. Er macht nachdenklich. „Wir müssen nur elf Stunden leiden“, sagt Frank Bönigk. Andere monatelang, könnte man anfügen.

von Von Thomas Rellmann

, 21.12.2007, 15:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Anderen, das sind die jungen Patienten auf der Onkologischen Station der Dortmunder Kinderklinik. Junge Krebspatienten eben. „Ich habe meine Ausbildung zum Krankenpfleger vor einiger Zeit hier absolviert“, erzählt der Dortmunder Christoph Schmitt. Und damals kam ihm auch eine Idee, die er im nächsten Sommer mit drei Freunden in die Tat umsetzt.

Geld pro Minute

Der Clou: Das Quartett, bestehend aus Schmitt, Bönigk, Elmar Heger und Elena Wagner, läuft am 13. Juli einen IronMan. Heger startet in Roth, die anderen Drei beim IronMan Austria in Klagenfurt. Ehrgeizig haben sich alle das Ziel gesetzt, unter elf Stunden zu bleiben. Für jede Minute, mit der die Triathleten diese Marke unterbieten, soll Geld fließen. Nicht fürs eigene Portemonnaie, natürlich nicht. Alles geht an eben jene Station K1. Projektname: „IronMen for IronKids“.

Und dafür braucht es Sponsoren. Initiator Schmitt hat in dieser Woche 24 Dortmunder Unternehmen angeschrieben, um das Projekt zu unterstützen. „Jeder, der möchte, kann uns helfen“, erzählt Schmitt, der 2007 seinen ersten IronMan hinlegte.

Unterstützung macht glücklich

Der Elterntreff e.V., Mitglied der Deutschen Kinderkrebsstiftung, ist Adressat der Spenden. „So können wir sicher gehen, dass das Geld direkt an den Stellen eingesetzt wird, wo es am dringendsten benötigt wird. Diese Kooperation garantiert das und macht vieles auch transparenter“, erklärt Schmitt und denkt dabei an die Mitfinanzierung von Therapeutenstellen, Spielsachen oder Ausflügen. Kein Luxus („Es geht nicht um Flatscreens oder X-Boxen“), sondern einfach nur ein Faktor, um den Aufenthalt für die Kinder ein Stück menschlicher werden zu lassen. Ziel der Truppe: 6000 bis 10 000 Euro.

Sein Kontaktmann auf der Station ist Dr. Dominik T. Schneider. Und der ist natürlich glücklich über die unerwartete Unterstützung: „Ich bin früher selbst Marathon gelaufen“, erzählt der Klinikdirektor und wagt sogar den Vergleich zwischen einem Triathlon und einer Chemo-Therapie, wie sie auf der K1 regelmäßig angewandt werden muss: „Zum Ende hin wird beides immer anstrengender. Es gibt verschiedene Disziplinen, von denen man keine vernachlässigen darf.“

Quälen für den guten Zweck

Das wissen die vier Triathleten nur zu gut. Deshalb können sie es sich auch nicht erlauben, die Vorbereitung schludern zu lassen. „Neun Monate braucht man etwa, um top-fit zu sein“, erzählt Elmar Heger. Aktuell liegt das Training bei 15 bis 20 Stunden pro Woche, ehe es sich in den kommenden Monaten steigert. Für Schmitt und Bönigk liegt sogar noch ein 14-tägiges Trainingslager auf Mallorca an.

„Ich denke, dass wir alle auch einen persönlichen Nutzen aus der Geschichte ziehen werden“, sagt Bönigk. „Wenn man für einen guten Zweck läuft, quält man sich noch ein bisschen mehr – und kommt hoffentlich auf eine bessere Zeit.“ Eine Wechselwirkung, die Schule machen darf – und vor allem Unterstützung verdient.

Kontakt

Wer die Athleten und damit die jungen Patienten unterstützen möchte, wendet sich am besten an das Sekretariat der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Beurhausstraße 40, 44137 Dortmund

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