Revolution: Fifa lässt Video-Beweis-Technik auch für den Amateurfußball entwickeln

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Ist der Videobeweis künftig auch Teil eines Amateurfußballspiels? Die Fifa lässt eine neue Technologie entwickeln: den VAR light – für alle Spielklassen. Was sagen Dortmunder Fußballer und Schiedsrichter?

Dortmund

, 22.11.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Amateurfußball nimmt in Deutschland immer professionellere Züge an. Den Spielbericht füllen die Vereine mittlerweile seit Jahren elektronisch aus. Video-Livestream-Kameras an Dortmunder Fußballplätzen sind keine Seltenheit mehr und einige Trainer nutzen die Kameras sogar zu einer Videoanalyse. Nun könnte es die nächste Revolution im Amateurfußball geben: den Videoschiedsrichter.

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Der Fußball-Weltverband FIFA will das Video-Schiedsrichter-Konzept weltweit einführen, um für einheitliche Regeln zu sorgen. Schwerpunkt einer Arbeitsgruppen-Sitzung dazu war nach Angaben des Verbandes die Entwicklung eines „VAR light“. Dieses Konzept soll „erschwinglichere VAR-Systeme ermöglichen“, hieß es in einer Mitteilung am Dienstag. Derzeit werde die Video-Assistant-Referee-Technologie von 13 Wettbewerbsorganisatoren genutzt. Die Idee: Der Videoschiedsrichter light könne dann sogar mitunter bis runter zur Kreisliga angewandt werden.

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Als die Redaktion Markus Schanz, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses Dortmund, am Freitagmorgen nach der neuen Entwicklung fragt, hört dieser davon zum ersten Mal. Eine Meinung hat Schanz aber sofort parat. „Man sieht, dass der Videoschiedsrichter schon im Profifußball nicht die Lösung aller Probleme ist. Dies nun auf dem Amateurfußballplatz umzusetzen, fühlt sich für mich sehr weit entfernt an“, sagt Schanz und gibt zu Bedenken, dass die Technik dazu bislang noch gar nicht ausgereift sei.

Ohnehin ist er ob einer möglichen Entwicklung in diese Richtung zwiegespalten. An normalen Sonntagen gebe es im Seniorenbereich in Dortmund rund dreistellige Spielanzahlen – im Verband entsprechend mehr. „So viele Schiedsrichter haben wir zahlenmäßig gar nicht, ganz davon abgesehen, dass der technische Schulungsaufwand enorm wäre. Ich glaube, dass eine solche Entwicklung für manches Klientel bei uns eine Abschreckung wäre“, sagt Schanz.

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Einen Termin, wann mit der neuen Technologie zu rechnen sei, nannte die Fifa noch nicht. Auch wie die nächsten Schritte aussehen werden, ist derzeit unklar.

Das sagen Dortmunder Spieler und Trainer zum VAR light:

Anil Konya (Verteidiger, Westfalia Wickede): „Ich halte nicht viel von dieser Idee. Das Geld sollte lieber dafür verbraucht werden, die Qualität der Schiedsrichter auf dem Platz zu verbessern. Man sollte zum Beispiel in Ausbildung oder Schulungen investieren. Denn was bringt mir ein Schiedsrichter, der das Spiel von seiner Qualität her nicht gut leiten kann? Dann greift der Video-Schiedrichter 15 Mal ins Spiel ein. Dadurch geht der Spielfluss kaputt. Deswegen glaube ich nicht, dass das der richtige Weg wäre.“

Muhammed Acil (Torwart, Türkspor Dortmund): „Der Video Assistant Referee ist tatsächlich keine Wunschvorstellung von mir. Schon im Profifußball macht der Videoschiedsrichter eine Menge kaputt. Der Fußball lebt seit Jahrzehnten von Fehl- beziehungsweise Risikoentscheidungen. Der Videoschiedsrichter nimmt dem Fußball dazu auch die Spannung. Im Amateurbereich kann ich mir so ein Konzept schwer vorstellen. Es muss auch genügend Schiedsrichter geben. Ich muss aber auch zugeben, dass so manchem Amateurschiedsrichter ein Videoschiedsrichter gut getan hätte.“

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Christian Franke (Trainer SV Arminia Marten): „Das ist natürlich eine sehr interessante Thematik, die ich allerdings noch gar nicht so richtig greifen kann. Es stellen sich mir Fragen nach der Durchführbarkeit und der Nutzbarkeit. Zudem: Wie hoch werden die Kosten sehen? Wie sollen die Modelle aussehen? Es ist ein tollkühner Plan, weil in den Ligen teilweise die Kosten zu hoch sind, um ein Gespann und somit Linienrichter zu bestellen. Ich sehe das kritisch und kann es mir aktuell nicht vorstellen.“

Tobias Ahland (Trainer, SV Westrich): „Ich finde die Diskussion total überzogen, so etwas auf den Amateurfußball auszuweiten. Es gäbe zwar den Vorteil, Unsportlichkeiten und Tätlichkeiten zu visualisieren, damit man auch handfeste Beweise hätte. Aber das ist auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Der Amateurfußball lebt von Tatsachenentscheidungen und von Emotionen. Außerdem frage ich mich, inwiefern das für die Verein umsetzbar ist. Wie wird diese Technologie finanziert und auf welche Schultern werden die Kosten verteilt? Gerade in der jetzigen Situation haben die Vereine nicht das Budget, so etwas zu finanzieren. Viele kämpfen um das nackte Überleben. Deswegen ist die Diskussion für mich sinnfrei.

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