Rückblick auf XXL-Event: 55.000 Zuschauer und Liveübertragung in der Roten Erde

Sport in Dortmund

Das Stadion Rote Erde steht heute im Schatten des Westfalenstadions - auch im Hinblick auf die Zuschauerzahlen. Aber auch in der Roten Erde fand in der Vergangenheit schon ein Mega-Event statt.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 10.07.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
In der Roten Erde fand eines der größten Events seiner Zeit statt.

In der Roten Erde fand eines der größten Events seiner Zeit statt. © Dieter Menne Dortmund

Dortmund hatte sich mit reichlich Flaggenschmuck herausgeputzt. Fand an diesem von der Sonne freundlich begleiteten Sonntag doch in der seit zwei Jahren von allen Kriegsschäden befreiten „Roten Erde“ die erst zweite Freiluft-Weltmeisterschaft der Bundesrepublik nach der Staatsgründung 1949 statt.

Zur Erinnerung: Deutschland war nach dem unseligen 2. Weltkrieg bis 1950 von allen internationalen Sportereignissen ausgeschlossen und durfte auch als Ausrichter nicht in Erscheinung treten. Nachdem der Bann gebrochen war, spielte der Standort Dortmund eine durchaus herausgehobene Rolle. Im Juli 1952 fand in der Roten Erde die erste Europameisterschaft (im Boxen) und im Oktober 1952 in der Westfalenhalle die erste Weltmeisterschaft (im Rollkunstlauf) der Bundesrepublik statt, 1953 folgten die Studenten-Weltspiele in der „Kampfbahn“ und an besagtem 10. Juli 1955 mit dem Feldhandball-WM-Finale an gleicher Stelle der Höhepunkt der gesamten Stadiongeschichte bis zur Gegenwart.

In der Roten Erde stieg 1955 das „beste Feldhandballspiel aller Zeiten“

In der Roten Erde stieg 1955 das „beste Feldhandballspiel aller Zeiten“ © Kolbe

Deutschland traf einmal mehr auf die Schweiz, seit Jahrzehnten der „ewige“ Handball-Rivale. Sage und schreibe 50.000 Besucher – unter ihnen der Autor dieser Zeilen – füllten das Stadion-Rund – eine geradezu unvorstellbare Kulisse. Schon früh am Tag waren die Straßen vom Hauptbahnhof über die City bis hin zum Stadion bestens gefüllt mit „Schlachtenbummlern“ beider Teams. Auch aus der Schweiz waren zahlreiche Fans angereist. Feldhandball, heute nahezu unbekannt, war damals eine ganz große Nummer im internationalen Sportgeschehen.

Liveübertragung in alle angeschlossenen Länder Europas

Das Ereignis war derart bedeutsam, dass die Partie von der im Jahr zuvor aus der Taufe gehobenen „Eurovision“ live in alle angeschlossenen Länder Europas übertragen wurde. Damit wurde der Sport für Dortmund wieder einmal ein wichtiger Imagefaktor über die Landesgrenzen hinaus.

Deutschland gewann, angetrieben vom siebenfachen Torschützen und besten Handballer der Welt Bernhard Kempa von Frisch Auf Göppingen, assistiert von den Ausnahmekönnern Hein Dahlinger, Werner Vick und Horst Singer, trotz erbitterter Gegenwehr der Eidgenossen letztlich souverän mit 25:13 und verteidigte damit den 1952 in der Schweiz errungenen Weltmeistertitel.

Die Presse sprach euphorisch von deutschen „Traum-Kombinationen im Sprint“ und überschlug sich mit Lobeshymnen. Das Dortmunder Finale wird nicht ohne Grund gern als das beste Feldhandballspiel aller Zeiten bezeichnet.

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Weltmeister für Deutschland wurden: Nellen, Heinz Singer, Becker, Bernhard, Dahlinger, Isbeck, Käsler, Kempa, Rulf, Schädlich, Horst Singer, Stahler, Vick, Wankl, Will, Winterlin, Fromm.
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