Sportwissenschaftler zur 14 Tage-Frist: „Verletzungen vorprogrammiert“

hzFußball in Dortmund

Noch ist unklar, ob die Fußballsaison fortgesetzt wird. Der FLVW will den Vereinen 14 Tage vor einer möglichen Wiederbeginn Bescheid geben. Aber reicht diese Zeit aus?

Dortmund

, 07.04.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In seiner letzten Erklärung hat der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen mitgeteilt, dass mit einer Vorlaufzeit von 14 Tagen die Vereine von einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs informiert werden. Eine ziemlich kurze Zeit, dafür dass die Trainingseinheiten dann vermutlich mehrere Wochen, vielleicht sogar mehrere Monaten nicht stattgefunden haben.

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Das findet auch Ingo Froböse, Professor und Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung an der Sporthochschule Köln: „Die Zeit reicht bei weitem nicht aus. Das ist ein Zeichen für eine durchprügelnde Organisation. Man will unbedingt noch etwas zu Ende bringen. Das hat nichts mit Sport zu tun.“

Sicher halten sich viele Amateurkicker mit Laufeineinheiten, Stabilisationsübungen und anderen Einheiten fit – aber mit einem Mannschaftstraining ist das sicher nicht vergleichbar. Die Bewegungsabläufe sind ganz andere, zudem werden andere Muskelgruppen und Teile des Körpers beansprucht.

Daher meint Froböse: „Hier sind Verletzungen vorprogrammiert. Das werfe ich dem Fußball auch im Allgemeinen vor: Er tut zu wenig, um die Sportler vor Verletzungen zu schützen. Das ist ein gutes Beispiel dafür.“

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Der Sportwissentschaftler erklärt, dass – wenn man davon ausgeht, dass Amateurteams zwei- bis dreimal in der Woche trainieren – die maximal sechs Einheiten nicht ausreichen, um sich auf den Spielbetrieb wieder vorzubereiten. „Das Problem ist auch, dass die Belastung eine ganz andere wird: Wer vorher laufen gegangen ist, muss sich erst mal wieder an die Einheiten mit dem Ball gewöhnen.“

Ingo Froböse leitet das Zentrum für Gesundheit durch Sport und Bewegung an der Deutschen Sporthochschule.

Foto: Monika Sandel © Monika Sandel

Bei den Trainern und Verantwortlichen im Dortmunder Amateurfußball löst die Frist unterschiedliche Reaktionen aus. Peter Seifert, Vorsitzender beim BSV Schüren, meint: „Ich denke, wenn sich die Spieler selbst fithalten, dann sollte die 14-Tage-Frist kein Problem sein. Andererseits wird man sehr schnell sehen, wer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.“

Karim Bouasker, Co-Trainer beim Kirchhörder SC, stimmt Seifert zu und sagt: „Ich denke, dass die 14-Tage-Vorlaufzeit ausreichend ist. Die Teams machen ja zu diesem Zeitpunkt keine Grundlagenausdauer mehr, sondern eher vieles mit dem Ball.“

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Einen anderen Aspekt bringt Florian Gondrum, Trainer beim FC Brünninghausen, ins Spiel: „14 Tage sollten reichen, um die Mannschaft fit zu bekommen. Das ist eine angemessene Zeit. Der Verband hat auch keine andere Möglichkeit. Eine Frist von beispielsweise vier Wochen sind nicht realisierbar.“

Alexander Enke: „Die Zeit reicht meiner Meinung nach nicht aus“

Da die Saison, wenn sie denn fortgesetzt wird, sowieso schon in Zeitprobleme kommt, sind die Möglichkeiten des Verbandes beschränkt, den Vereinen ein größeres Fenster zur Vorbereitung zu geben. Die Sommerferien stehen vor der Tür und die Fußballer sind sicher nicht bereit, auf ihren Urlaub zu verzichten.

Im Gegensatz zu Bouasker und Seifert, die beide die 14-Tage-Frist für ausreichend halten, meint Alexander Enke, Trainer des Hombrucher SV: „Die Zeit reicht meiner Meinung nach nicht aus, um eine Mannschaft wieder ins Laufen zu bringen. Die Spieler sollen sich selbst fithalten, aber die Frage ist, ob und wie sie das wirklich tun.“

Samir Habibovic, Sportlicher Leiter des ASC 09 Dortmund, hat sich nicht wirklich mit der Frist beschäftigt – Er hat ein ganz anderes Szenario im Kopf: „Momentan mache ich mir über Trainingseinheiten und Spiele eigentlich keine Gedanken. Für mich ist die Saison eigentlich beendet.“

Muskelfaserrisse scheinen vorprogrammiert

Es bleibt abzuwarten, wie der Verband in den kommenden Wochen entscheidet: Fakt ist: Aus gesundheitlicher Sicht und aus Perspektive der Fußballer sind die zwei Wochen Vorlauf zu wenig. Zerrungen oder Muskelfaserrisse scheinen vorprogrammiert. Andererseits hat der FLVW auch kaum einen anderen zeitlichen Rahmen, um Vereinen noch weiter im Vorhinein Bescheid zu geben, dass es wieder los geht.

Wobei... Eine Option gibt es da doch: ein vorzeitiger Saisonabbruch! Das würde Klarheit schaffen, den Vereinen Planungssicherheit geben und aus gesundheitlichen Gründen wäre das wohl die beste Entscheidung. Dann müssten nur Auf- und Abstieg geregelt werden. Doch dies ist ein anderes Kapitel.

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