Türkspors Meistertrainer: „Das waren die drei verrücktesten und brutalsten Wochen“

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Drei Vereine in drei Wochen. So schnell wie Bülent Kara hat wohl noch kein Trainer die Jobs gewechselt. Ein Rückblick des Meisters-Trainers von Türkspor Dortmund und jetzigem Gahmer Coach.

Dortmund

, 17.10.2019, 13:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rausschmiss als Trainer bei Türkspor Dortmund, dann 21 Tage lang Sportlicher Leiter beim Lüner SV II, seit Dienstagabend Trainer beim A-Ligisten SG Gahmen. „Ja“, sagte Kara, „das waren drei verrückte, drei brutale Wochen. Allerdings auch im positiven Sinne.“

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In seinem Freundeskreis mache man sich schon einen Spaß daraus. In den vergangenen Tage habe er immer wieder die Frage gehört, ob es denn jetzt etwas ruhiger zugehe oder ob er sich schon den nächsten Verein suche oder sich wieder etwas ändere, schmunzelte Kara: „Ja, das tut mir ja auch Leid, aber in Lünen habe ich gespürt, dass ich noch zu jung bin und zu viel Feuer habe, um als Sportlicher Leiter zu arbeiten. Ich will Trainer sein und an der Linie stehen, etwas bewegen, etwas entwickeln, meine Handschrift hinterlassen.“

In Gahmen kann Bülent Kara sich verwirklichen

Das, so Kara, könne er in Gahmen verwirklichen, beim Lüner SV II aber nicht. Ganz besonders wichtig sei ihm, dass er nicht den Eindruck erwecke, er sei als Trainer eine Heuschrecke. Soll heißen. Dass er den Verein schneller wechseln würde als seine Socken, um daraus Profit zu schlagen.

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Rückblick: Nicht mal drei Wochen ist es her, als Bülent Kara spektakulär beim damaligen Bezirksliga-Spitzenreiter Türkspor Dortmund vor die Tür gesetzt und durch das Duo Reza Hassani/Kevin Großkreutz ersetzt wurde. Ein Tiefschlag in der fünfjährigen Trainer-Karriere von Kara, der die Mannschaft zuvor zum Aufstieg geführt hatte. „Ich bin immer noch schockiert und perplex. Da ist für mich auch ein Stück weit unmenschlich“, hatte Kara damals gesagt.

Kara hat seinen Frieden mit Türkspor gefunden

Heute hört sich das weniger krass an. Natürlich sei er damals enttäuscht gewesen über die Entlassung, habe keine Hurra-Sprünge in die Luft gemacht. Das war ein Tiefschlag“, so der 43-Jährige, der nun aber seinen Frieden damit gefunden habe. „So ist das halt im Fußball. Manchmal wird man auch entlassen, wenn man Erfolg hat. Aber jetzt ist alles gut, ich drücke den Jungs die Daumen für die Zukunft. Türkspor wird langfristig mit Sicherheit aufsteigen. Aber der Vorstand hat mir das wohl nicht zugetraut und lieber auf einen Weltmeister wie Kevin Großkreutz gesetzt.“

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Was danach kam, war sicherlich der gekränkten Eitelkeit geschuldet. „Das stimmt. Als der Anruf aus Lünen kam, hat mir das natürlich gut getan. Ich wohne und stamme aus Lüdinghausen, da ist der Lüner SV eine große Adresse im Fußball“, begründet Kara seinen Schritt, nur wenige Tage nach dem Rauswurf bei Türkspor sofort in Lünen als Sportlicher Leiter der 2. Mannschaft anzufangen.

Bülent Kara ist selbstkritisch

„Im Nachhinein hätte ich mir besser noch ein paar Wochen Zeit genommen, hätte mir sogar mehr Zeit nehmen müssen, aber ich wollte es einfach ausprobieren. Leider war es der falsche Zeitpunkt“, kommentierte Kara seinen schnellen Wechsel: „Ich habe gemerkt, dass ich nicht helfen kann, die Probleme waren zu groß, der Kader zu klein. Und ich selbst habe mir zu viel Druck gemacht. Es hat einfach nicht gepasst. Dass ich nach nur 21 Tagen Schluss gemacht habe, war natürlich nicht schön.“

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Jetzt also die SG Gahmen. Innerhalb von drei Wochen vom potenziellen Landesliga-Aufsteiger zum Sechsten der Kreisliga A. „Ich verstehe das aber nicht als Abstieg. Die Liga ist mir wirklich egal. Ich will meine Handschrift als Trainer hinterlassen. Und ich glaube, dass kann mir mit dieser jungen Mannschaft gelingen“, so der Coach, der betont, dass man als Tabellensechster ja auch nicht weit entfernt sei von den Relegationsplätzen.

Gahmen ist eine Herzblut-Aufgabe

Der B-Lizenz-Inhaber spricht von einer „Herzblut-Aufgabe“ in Gahmen. Er lebe für den Sport, wolle seine Stärken einbringen, seine Sozialkompetenz verbunden mit seiner fachlichen Kompetenz. Und wenn alles gut gehe, so Kara, dann könne die sportliche Entwicklung in Gahmen ja genauso werden wie bei Türkspor Dortmund.

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