Türkspors Neuzugang über seinen geplatzten Profitraum und Christian Pulisic beim BVB

Fußball-Bezirksliga

Hayrullah Alici verstärkt Türkspor Dortmund in der kommenden Saison. Früher war er nah dran am Profifußball, doch dann überholte ihn ein Ex-BVBler - mit dem er dennoch Party machte.

Dortmund

, 15.03.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Hayrullah Alici – hier mit Trainer Reza Hassani (li.) und mit dem Türkspor-Vorsitzenden Dr. Akin Kara (re.) - ist der Neue Mann bei Türkspor Dortmund.

Hayrullah Alici – hier mit Trainer Reza Hassani (li.) und mit dem Türkspor-Vorsitzenden Dr. Akin Kara (re.) - ist der Neue Mann bei Türkspor Dortmund. © Türkspor

Im Jahr 2014 wurde er mit dem BVB Deutscher Meister bei der U17, im Jahr danach kickte er ein paar Mal in der UEFA Youth League – der Champions League der A-Junioren. Hayrullah Alici (23) hat schon eine beeindruckende Karriere hinter sich. Nun dribbelt er für Türkspor Dortmund auf.

Herr Alici, Sie verstärken in der kommenden Saison Türkspor Dortmund. Wann gab es den ersten Kontakt mit dem Verein?

Im Dezember, Reza Hassani war früher mein Fahrlehrer, als ich in der Jugend bei Borussia Dortmund gespielt habe. Daher kannte ich auch schon Kevin Großkreutz.

Und dann ging alles ganz schnell?

Nein, ich wollte erst die Leute kennenlernen, bevor ich etwas verspreche. Wem gehört der Verein, wer sitzt im Vorstand? Das war mir wichtig, statt nur über Geld zu reden. Das hat sich gezogen, war dann aber in Ordnung. Im Januar habe ich mich dann für den Wechsel entschieden und es diese Woche mündlich perfekt gemacht.

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Sie kommen vom DV Solingen, spielen auch nur in der Bezirksliga. Dabei stehen in Ihrer Vita Borussia Dortmund und Fortuna Düsseldorf. Wie kam dieser Abstieg zustande?

Ich bin gebürtiger Remscheider, habe hier angefangen Fußball zu spielen. Mit 13 bin ich dann zu Borussia Dortmund gewechselt und habe da bis zur U19 gespielt. In der U19 hatte ich aber keinen Profivertrag, andere schon. Dann kam irgendwann Cristian Pulisic, ein überragender Kicker.

Der Anfang vom Ende für Sie beim BVB?

Genau, ich habe nicht mehr so viel gespielt. Da habe ich dem damaligen Trainer Hannes Wolf gesagt, dass es nicht das ist, was ich mir für mein letztes A-Jugend-Jahr vorgestellt habe. Und dann kam das Angebot von Fortuna Düsseldorf.

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Wohin Sie dann auch gingen und bis zur zweiten Mannschaft vorstießen.

Ich habe in der U19 von Fortuna in zwölf Spielen zehn Tore geschossen. Auch gegen Borussia habe ich beim 2:1-Sieg beide Treffer erzielt. Die waren da schon Meister, es war aber trotzdem cool. Und nach der Saison bin ich mit den Borussen nach Mallorca gefahren.

Wie bitte, mit den Ex-Kollegen?

Ja, ich bin mit den Jungs cool. Hannes Wolf sagte zu mir, dass er mich unbedingt dabei haben will. Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zur Borussia, habe dem Verein so viel zu verdanken.

Der Durchbruch gelang Ihnen aber nicht, bei Fortuna standen Sie hingegen kurz davor.

Ich habe mit den Profis mittrainiert. Doch dann habe ich mir einen Muskelbündelriss zugezogen, der sich gezogen hat. Ich durfte immer wieder bei den Profis mit reinschnuppern. Doch dann habe ich mich für einen Wechsel zum Berliner AK in die Regionalliga Nordost entschieden. Ich hatte viel gesehen von Nordrhein-Westfalen. Da fing es auch sehr gut an, doch dann habe ich mir einen Syndesmosebandriss im Fuß zugezogen. Im Endeffekt war ich immer der, der unten dran hängt. Das sind aber Sachen, die mich trotzdem gestärkt haben.

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In der Zeit beim BVB und in Düsseldorf haben sie auch in der türkischen Junioren-Nationalmannschaft gespielt. Erinnern Sie sich noch an ihr erstes Spiel für die U17?

Klar. Die Einladung kam, nachdem wir mit dem BVB gegen Bochum 5:0 gewonnen haben und ich zwei Tore geschossen habe. Leider habe ich noch einen Elfmeter verschossen, ein Hattrick wäre geiler gewesen. Nach dem Spiel kam der türkische Trainer auf mich zu und hat mich eingeladen. Es war für mich eine der schönsten Sachen überhaupt. In meinem ersten Spiel gegen Finnland wurde ich eingewechselt und habe das 1:1 gemacht. Es war ein super Debüt, ein geiler Einstand.

Und dennoch platzte der Profitraum. Wie bitter ist das?

Mit 17, 18, 19 träumst du von nichts anderem. Du setzt alles auf die eine Karte. Man will es einfach ins Stadion schaffen, in die Katakomben. Es kommt auch immer darauf an, wie reif du bist. Es gibt Spieler, die sich schnell zufrieden geben. Es gibt aber auch Spieler, die weiter Gas geben. Klar habe ich mich in dem Moment gefühlt wie ein Profi, aber ich wusste ganz genau, dass ich noch kein Profi bin. Mittrainieren heißt nicht, dass man es geschafft hat. Es ist ein Traum, der nicht in Erfüllung ging.

Sie haben mit Cristian Pulisic zusammengespielt, mit Merih Demiral und mit Enes Ünal. Wer war ihr bester Mitspieler?

Das ist schwer zu sagen. Es waren alles Ausnahmespieler. Aber im Gesamtpaket würde ich Demiral nehmen. Er war für mich auch charakterlich ein ganz besonderer Spieler. Er war ein echtes Vorbild in allen Bereichen. Wir haben auch noch Kontakt, schreiben ab und zu.

Nun folgt im Alter von 23 Jahren das Kapitel Türkspor. Was sind Ihre persönlichen Ziele mit dem Verein?

Der Klub ist ambitioniert. Kevin Großkreutz als Trainer zu haben ist eine riesige Motivation für mich. Ich schätze ihn charakterlich und sportlich sehr. Ich will den Verein mit meiner Qualität helfen und glaube, dass ich gut reinpasse. Fußball macht nur Spaß wenn man auch Erfolg hat.

Kennen Sie ihre künftigen Mitspieler schon?

Mit Arianit Nebihi habe ich von der U15 bis zur U17 zusammengespielt, wir wurden zusammen Deutscher Meister. Auch Serdar Bingöl kenne ich. Mit ihm verstehe ich mich auch privat sehr gut.

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Auf welcher Position sehen Sie sich?

Ich bin ein offensiver Allrounder. Bei der Nationalmannschaft habe ich eher außen gespielt, bei Dortmund her zentral. Am wohlsten fühle ich mich auf der zehn aber ich spiele überall.

Nicht ganz überall. In der Halle können Sie mit Türkspor nächstes Jahr nicht dabei sein.

Das ist schade, definitiv. Aber es ist kein Grund zu sagen, ich will da nicht hin. Klar ist es traurig, ich habe mich darauf gefreut. Aber man kann es nicht ändern.

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