Eyüp Cosgun zu seinem Transfer zum TuS Bövinghausen: „Der Wechsel tut im Herzen weh“

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Nach sechseinhalb beim BSV Schüren wechselt Eyüp Cosgun zum TuS Bövinghausen. Im Interview erklärt er die Gründe, erzählt von der Zeit in der Türkei und spricht über seine Gedanken, Profi zu werden.

Dortmund

, 26.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wer an einen echten Dortmunder Jung im lokalen Amateurfußball denkt, der kommt an Eyüp Cosgun nicht vorbei. Der Stürmer kickte in seiner Jugend für den BVB, spielte dann für den TSC Eintracht und im Seniorenbereich unter anderem für den TuS Eving-Lindenhorst, den FC Brünninghausen und in den vergangenen Jahren für den BSV Schüren.

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Nun wechselt er zum TuS Bövinghausen. Dem Landesligisten, der in den kommenden Jahren einiges vor hat. Über seine Ziele mit dem TuS, welche Rolle Trainer Dimitrios Kalpakidis beim Wechsel spielte und seine besten Momente mit dem BSV Schüren spricht er im Interview.

Eyüp Cosgun, nach sechseinhalb Jahren wechseln Sie vom BSV Schüren zum TuS Bövinghausen. Was war das für eine Zeit?

Als ich von Haceteppe, wo ich in der Türkei spielte, nach Deutschland zurückkehrte, war der BSV Schüren mein erster Verein und auch der Verein, für den ich die gesamte Zeit gespielt habe. Ich weiß gar nicht, wo die Zeit geblieben ist. Mit Dimi [Dimitrios Kalpakidis, Anm d. Red.] und Karim [Abdelkarim Bouzerda, Anm. d. Red.] haben wir beim BSV viel aufgebaut. Wir haben viele Erfolge gefeiert: Wir sind von der Bezirksliga in die Westfalenliga aufgestiegen. Wir sind im Westfalenpokal weit gekommen und standen dreimal im Finale der Hallenstadtmeisterschaft. Es war eine schöne Zeit. Deswegen ist der Verein für mich eine Herzensangelegenheit. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt – und fühle mich immer noch wohl. Der Wechsel tut im Herzen weh.

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Wenn Sie an die Zeit in Schüren denken, was fällt Ihnen als erstes ein?

Natürlich ist der Erfolg der Hallenstadtmeisterschaft noch sehr präsent. Wir waren in den vergangenen Jahren der Favorit, haben aber dann jeweils das Finale verloren. Nun haben wir es in in diesem Jahr geschafft. Außerdem werde ich immer die Pokalspiele im Kopf haben: Wir haben zweimal bei Preußen Münster im Stadion gespielt und hatten beim Heimspiel gegen die Sportfreunde Lotte, die damals noch in der 3. Liga gekickt haben, über 1000 Zuschauer. Und natürlich die Aufstiege! (schmunzelt)

Was werden Sie in Schüren vermissen?

Ich werde die Fans vermissen. Ich mag die Leute dort. In den vergangenen Jahren bin ich zum Publikumsliebling geworden. Daher hatte ich zu vielen eine enge Beziehung. Außerdem werde ich natürlich die Mannschaft vermissen – und den ganzen Verein mit den Leuten und dem Vereinsheim. Mein Weg zum Sportplatz war kurz, deswegen war ich oft da.

Eyüp Cosgun (2.v.l.) traf in dieser Saison bisher sieben Mal.

Eyüp Cosgun (2.v.l.) traf in dieser Saison bisher sieben Mal. © Folty

Mit Torhüter und Kapitän Sascha Samulewicz haben Sie am längsten zusammengespielt. Wie macht sich so etwas bemerkbar?

Ich kenne Samu schon sehr sehr lange. Er ist derselbe Jahrgang wie mein Bruder Ahmet. Beide haben zusammen in der BVB-Jugend gespielt. Zudem ging er kurz nach mir nach Uerdingen, wo ich auch gekickt habe. Deswegen haben sich unsere Wege immer irgendwie gekreuzt und dann in Schüren sind sie zusammengelaufen. Wir haben in Schüren Höhen und Tiefen erlebt. Das schweißt zusammen. Wir unternehmen auch privat einiges. Es ist eine Freundschaft geworden. Samu hat auch tolle Eltern, die ich auch schon kennenlernen durfte.

Werfen wir einen Blick auf Ihre Karriere. Sie haben beim BVB das Kicken gelernt.

Genau. Von der F- bis zur C-Jugend habe ich beim BVB gespielt Zur B-Jugend bin ich dann zu LR Ahlen gewechselt. Leider habe ich mich damals schwer am Knie verletzt und konnte zwei Jahre kaum Fußballspielen.

War das der Grund, warum es mit dem Profifußball nicht geklappt hat?

Wenn man mit 16/17 Jahren mitten während der Entwicklung gestoppt wird, ist das schon ein großes Handicap. Ich musste operiert werden und konnte lange nicht kicken. Oft denke ich auch heute noch darüber nach, was gewesen wäre, wenn ich mich nicht verletzt hätte.

Also hätten Sie sich gut vorstellen können, Profifußballer zu werden?

Sicher. Wenn du bei Borussia Dortmund ausgebildet wirst, stehen Disziplin und Erfolg an erster Stelle. Man hat ein Ziel, auf das man fokussiert ist. Viele, mit denen ich zusammengespielt habe, haben den Sprung ins Profigeschäft geschafft. Kevin Großkreutz kenne ich seit 26 Jahren. Wir sind auch heute noch in Kontakt. Auch Marco Reus hat damals den Umweg über LR Ahlen gemacht und ist Profi geworden. Ich denke, es kommt auf die Kombination Glück und Talent an. Und wenn man erstmal den Sprung geschafft hat, geht es um die Konstanz. Man muss konstant seine Leistungen zeigen und nicht nur in zwei oder drei Spielen. Für mich ist es im Nachhinein auch okay, dass es nicht geklappt hat. Ich bin dankbar, für das, was ich erlebt habe und freue mich, dass ich gesund geblieben bin.

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Im Sommer 2013 sind Sie zu Hacettepe Spor gewechselt, einem Verein der 3. türkischen Liga – einem Profiklub. Wie kam der Wechsel zustande?

Das hat mein damaliger Berater arrangiert. Nach dem Trainingslager hat der Coach von Hacettepe gesagt, dass er mich unbedingt haben will. Dann bin ich dort hingegangen und es war eine super Erfahrung. Wir haben unter Profibedingungen trainiert - hatten zweimal Training am Tag. Leider habe ich mich dann verletzt.

Schon nach einem halben Jahr sind Sie dann zurück nach Dortmund.

Ich hatte Heimweh. Meine Familie und und meine Freunde haben mir gefehlt. Das habe ich schnell gemerkt. Ich bin hier in Dortmund geboren und das ganze Umfeld hat mir gefehlt.

Haben Sie den Wechsel in die Türkei bereut?

Nein. Auf gar keinen Fall. In der Türkei war es toll, die Erfahrung zu machen, unter professionellen Bedingungen zu trainieren. Ich denke, ich habe alles richtig gemacht.

Jetzt folgt der Wechsel vom BSV Schüren nach Bövinghausen.

Ich brauchte einen Tapetenwechsel. Das tut mir gut. Vor zwei, drei Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich Schüren nochmal verlasse. Da hätte ich mir auch gut vorstellen können, meine Karriere beim BSV zu beenden.

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Welche Rolle hat Trainer Dimitrios Kalpakidis beim Wechsel gespielt? Früher spielten Sie bei Eving und in Schüren zusammen.

Wir hatten bei Eving und bei Schüren eine erfolgreiche Zeit. In Schüren haben wir für den Umbruch gesorgt. Dimi ist sehr erfolgshungrig. Ich hatte gute Gespräche mit ihm und Ajan [Dzaferoski]. Sie haben mir ihre Vision gezeigt und haben mir bewiesen, dass sie einen Plan haben. Bei diesem Projekt möchte ich gerne mithelfen.

Wie würden Sie Trainer Dimitrios Kalpakidis beschreiben? Was macht ihn aus?

Er ist super ehrgeizig. Er hat in seinem Alter mit 40 Jahren noch den Ehrgeiz eines 18-Jährigen. Er will unbedingt Erfolg haben. Und das überträgt er auch auf die Mannschaft. Und das wird in Bövinghausen wichtig sein. Alle ziehen an einem Strang, alle müssen mit ins Boot geholt werden.

Wie lauten Ihre Ziele mit Bövinghausen?

Ich habe mir keine persönliche Toremarke gesetzt. Der Druck, erfolgreich zu sein, ist sowieso da. Wir wollen um den Aufstieg spielen und dabei trotzdem Spaß haben.

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