TV Hördes Frauen müssen nicht nur ihre beste Spielerin gehen lassen

Volleyball

Bei den Drittliga-Frauen des TV Hörde zeichnet sich ein Umbruch ab. Das plötzliche Saisonende durch die Coronavirus-Pandemie verhinderte dabei den einen oder anderen persönlichen Abschied.

Dortmund

, 26.05.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
In der Formation wird beim Drittligisten TV Hörde nicht mehr gejubelt.

In der Formation wird beim Drittligisten TV Hörde nicht mehr gejubelt. © Laryea

Und zack! Ist die Saison vorbei. Seit 13. März. Einfach so. Kein redlich erworbener Klassenerhalt, keine Abschiedsparty für scheidende Spielerinnen. Nichts. „Das ist kein richtiger Schlusspunkt, und das macht viele von uns traurig. Wir hätten die 3. Liga sicher auch regulär gehalten“, sagt Helen Rauscher, Spielerin und Sprecherin der Drittliga-Volleyballerinnen des TV Hörde, und ihrer Stimme sind keine Zweifel zu entnehmen.

Es war die Debütsaison der „Hörder Mädchen“ in der dritthöchsten deutschen Spielklasse, und die Schützlinge von Trainerin „Teee“ Slacanin-Williams hatten sich im Saisonverlauf zunehmend besser an die Höhenluft gewöhnt. Am 29. Februar in Bonn pritschten und baggerten sie am 20. von insgesamt 24 Spieltagen letztmals um Punkte. Nach dem Abbruch der Spielzeit durch den Deutschen Volleyball-Verband Mitte März beendeten die TVH-Frauen die Saison auf Rang acht unter 13 Teams.

Längst werden die Weichen für die zweite Drittliga-Saison gestellt – personell und auch in der Vorbereitung. Da die Dortmunder Hallen derzeit noch geschlossen sind, absolvieren die Volleyballerinnen ihr Athletik- und Balltraining zwei Mal pro Woche in festen Dreier- oder Vierer-Gruppen, mal auf der Tartanbahn im Stadion Rote Erde, mal auf dem Sand des „Blue Beach“ in Witten. „Wir müssen das Beste aus der aktuellen Situation machen“, weiß Helen Rauscher und berichtet von ersten Trainingsgästen, die zu künftigen Verstärkungen werden könnten. Das Casting für die Saison 2020/21 läuft, ein viel versprechender Neuzugang steht vor der Tür.

TV Hörde-Volleyballerinnen verabschieden ihre beiden Lenas

Fest stehen hingegen die Abgänge, und die sind durchaus schmerzhaft: Mit Svenja Müller verlieren die Frauen vom Phoenixsee ihre herausragende Angreiferin, die 19-Jährige wechselt bekanntlich ins Bundesleistungszentrum der Beachvolleyballer nach Hamburg. Auch die beiden Lenas – Lena Bernhard (studienbedingter Wechsel zum Zweitligisten Essen-Borbeck) und Lena Büchner (studienbedingter Wechsel nach Stuttgart) – ziehen das rote TVH-Trikot aus. Libero Merve Altas, in der vergangenen Saison mit Fußproblemen kaum in Einsatz, zieht es zum Zweitligisten nach Borken.

Etwas kürzer treten möchte Lara Werth (22), die bereits seit ihrem siebten Lebensjahr für den TVH pritscht. Sie bleibt aber ebenso am Ball wie die „Rückkehrerinnen“ Samanta Gega und Helen Rauscher. Außenangreiferin Gega, ein echter Angriffs-Garant in der Aufstiegssaison, hat ihre schwere Knieblessur (u.a. Kreuzbandriss) in Ruhe auskuriert, die 20-Jährige ist wieder voller Tatendrang. Ähnlich sieht es bei Helen Rauscher aus, die routinierte Mittelblockerin legt für ihre Doktorarbeit in Medizin ein Urlaubssemester an der Uni ein und freut sich in diesem Zusammenhang auf „mehr Zeit für meinen Volleyball“.

„Teee“ Williams bleibt Trainerin beim TV Hörde

Der große Kader der Vorsaison wird also etwas schrumpfen, aber „die Mannschaft wird auf jeden Fall kompakt sein. Und wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Teee, die wir sowohl als Trainerin als auch als Volleyball-Mama richtig schätzen gelernt haben“, sagt Rauscher und darf im Namen ihrer Truppe sprechen.

Solange der Ball in den Hallen ruht, wächst außerhalb des Spielfeldes das Zusammengehörigkeits-Gefühl, wie die angehende Medizinerin, die auch im erweiterten Vorstand der Hörder Volleyball-Abteilung mitarbeitet, berichtet. „Wir haben viele Zoom-Konferenzen im Verein. Jeder versucht zu helfen, wo er nur kann. Das ist schon sehr besonders“.

Offen ist derzeit die Frage nach der künftigen Drittliga-Zusammensetzung. Durch die Auf- und Abstiegsregeln des Verbandes nach dem coronabedingten Saison-Abbruch – Mannschaften, die noch hätten auf- oder absteigen können, dürfen über ihren Liga-Status entscheiden – könnten sich im Fall der Fälle sogar zwei West-Staffeln ergeben oder aber sogar eine große. „Wir sind ziemlich gespannt, wie die Dritte Liga in der nächsten Saison aussieht“, sagt Helen Rauscher und hofft, „dass wir irgendwann wieder normal zusammenkommen können“.

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