Ungeschlagen, 200 Jugendspieler und ein schicker Kunstrasen - es läuft bei einem Dortmunder Verein

hzFußball in Dortmund

Ein Dortmunder Fußball-Team ist als einziges in seiner Spielklasse noch ungeschlagen und auch außerhalb des Platzes läuft es. Der Verein bekommt immer mehr Zulauf.

Dortmund

, 02.10.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Kreuzviertel – in aller Munde, wenn es positiv um Lebensqualität, Künstler, Studenten oder Kneipen geht. Im negativen Sinne klagen die Anwohner oft öffentlichkeitswirksam über die Parkplatzsituation. In einem Viertel, in dem Gründer mit guten Ideen Erfolg haben, zählt mittlerweile auch ein etwas in Vergessenheit geratener Fußballverein mit neuen Impulsen zur Positivseite.

Nicht nur, wenn sich der üppig bestückte 24-Mann-Kader der ersten Mannschaft von BSV Fortuna auf dem schmucken neuen Kunstrasen an der Diedenhofener Straße tummelt, ist hier auf den Platz einiges los. Und wo sich schnell aktives Personal akquirieren lässt, kommen die Erfolge irgendwann nahezu automatisch.

Ein Selbstläufer aber ist es selbstverständlich nicht, dass der BSV als einziges Team in vier Kreisligen B aus vier Spielen alle zwölf Punkte holte. Das ist erstens ein Verdienst der Mannschaft. Dass hier ein Team immer mehr Öffentlichkeit findet, ist aber auch auf den Sportlichen Leiter Sven Lutz zurückzuführen. Dieser hatte die Idee, Thomas Kramer als Nachfolger von Sven Nickel (Lutz: „Sven hat sehr gute Arbeit geleistet, aber wir wollten vor einem Jahr mal was Neues starten“) zu verpflichten. Dazu kam eine zum Umfeld gut passende Gesamtstrategie: Die Rechnung, das Kapital des Vereins, die Nachwuchsarbeit, gewinnbringend einzusetzen, ging auf.

Gute Jugendarbeit bei BSV Fortuna Dortmund

„Ich habe mir seit meinem Amtsantritt im Sommer vor einem Jahr zunächst die Mannschaft und den Verein mit seiner beachtlichen Nachwuchsabteilung angesehen. Dass wir uns gemeinsam entschieden haben, in dieser Saison gleich vier Spieler von den eigenen Junioren hochzuziehen, spricht für die gute Arbeit hier bei BSV Fortuna“, sagt Kramer.

Trainer Thomas Kramer ist mit BSV Fortuna bisher noch ungeschlagen.

Trainer Thomas Kramer ist mit BSV Fortuna bisher noch ungeschlagen. © Verein

Der Coach war zuletzt unter Dirk Eitzert, der jetzt wieder bei Westfalia Wickede ist, Co-Trainer des SSV Mühlhausen . Zudem hat er eine Holzwickeder Vergangenheit. „Ich wohne auch nicht in Dortmund. Aber ich liebe seit früher Kindheit den Dortmunder Fußball.“ Die Gründe sind in der Familie zu finden: „In den achtziger Jahren spielten mein Vater Karl-Heinz und meine Onkel Horst und Klaus, „die drei Kramers“, höherklassig für die Sportfreunde Sölderholz und den ASC 09. Mein Onkel Horst war von 1988 bis 1990 auch Aplerbeck-Trainer.“ Selbst wenn Thomas, der auch mal für den BVB im Juniorenbereich kickte, zuletzt nicht in der Stadt aktiv war, verlor er sie nie aus dem Blick.

Nach der Mühlhausen-Zeit wollte er zurück. Und das bekam Sven Lutz mit: „Ich wusste, dass Thomas einen Job in Dortmund suchte. Wir haben uns getroffen. Und es passte schnell.“ Der Coach bestätigt: „Das Konzept mit der engen Zusammenarbeit von Senioren und Junioren hat mich völlig überzeugt. Der Verein wünscht ehrlichen Fußball, den möchte ich liefern.“

Bei BSV Fortuna spielt der Lehrer mit dem Schüler zusammen

Da der BSV der einzige Kreuzviertel-Klub ist, läge es ja nahe, das vielleicht zugezogene Studenten dem eigenen Nachwuchs Beine machen oder umgekehrt. „Nein, wir haben eine bunte Mischung, wir haben Studenten, aber längst nicht nur Studenten“, sagten Sportlicher Leiter und Trainer. „Wir haben alle Sparten, der Lehrer kickt mit Schülern und Studenten zusammen.“ Lucas Werner und Thomas Heer. bilden im Übrigen den Akademiker-Nachwuchs der Fortuna: „Ja, die beiden kamen wirklich, von außerhalb zugezogen, zum Platz und wollten mal mitspielen. Sie haben hier ihr sportliches Zuhause gefunden.“

Jetzt lesen

Der Nachwuchs kommt aus der Umgebung, das fördert die Identifikation, dazu ein paar Studenten, also offene junge Leute in der Mannschaft - pure Romantik reicht aber auch nicht, um Erfolge zu feiern. „Wer aus anderen Vororten bei uns spielen möchte, ist willkommen. Und Berufe sind auch kein Ausschlusskriterium“, sagt Lutz.

Heißt: Die mehr als 200 Juniorenkicker sind ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt. Aber die Stärke des in allen Altersklassen bis auf A-,B- und C-Junioren doppelt besetzten Vereins, mit der 1. und 2. Mannschaft, den Alten Herren und Freizeit-Teams, die „United Colors“ und „Trainer & Friends“ heißen, ist die Vielseitigkeit.

BSV Fortuna hat in vier Spielen nur zwei Gegentore bekommen

Die gibt es auch mannschaftsintern wie in der gerade so erfolgreichen ersten Mannschaft. „Wir sind in allen Teilen sehr gut besetzt“, erklärt Kramer. „Dass es so gekommen ist, liegt an unserer gemeinsamen kontinuierlichen Arbeit seit mehr als einem Jahr.“ Erst zwei Gegentore kassierten die Fortunen bei zwölf geschossenen Toren.

Gute Stimmung bei der Fortuna: Präsident Sascha Derenthal, Sportlicher Leiter Sven Lutz, Lucas Werner, Gad Agrasi, Faruk Beltekin, Trainer Thomas Kramer (v.l.)

Gute Stimmung bei der Fortuna: Präsident Sascha Derenthal, Sportlicher Leiter Sven Lutz, Lucas Werner, Gad Agrasi, Faruk Beltekin, Trainer Thomas Kramer (v.l.) © Verein

Nur der Tabellenzweite Urania Lütgendortmund hat eins weniger hinnehmen müssen. Die Lütgendortmunder haben allerdings ein Spiel weniger gespielt, ihre drei Spiele gewonnen. Sie könnten im für sie besten Fall bald zum BSV aufschließen. Die Blau-Roten aus dem Kreuzviertel wissen, dass ihr erster Platz nicht in Stein gemeißelt ist, denn es warten Gegner, die hinter den beiden führenden Klubs in Lauerstellung stehen: „Jetzt fahren wir nach Deusen, dann kommt Westrich. Das sind schon schwierigere Prüfungen als unsere ersten vier Begegnungen“, sagt Kramer. „Danach wissen wir wirklich, wo wir stehen. Wir wollen am Ende aber schon oben mitspielen“

Der Sportliche Leiter stimmt seinem Trainer zu: „Das erste Jahr unter Thomas war das Kennenlernjahr. Jetzt sind wir ambitionierter.“ Die immer mehr werdenden Zuschauer wissen es zu schätzen. Sollte der Verein weiter für Erfolge sorgen, bleibt zu hoffen, dass noch dazustoßende Fußballfreunde zu Fuß, per Rad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr kommen. Denn der BSV Fortuna, der dem Kreuzviertel gerade einen noch positiveren Ruf einspielt, soll ja das Negative, die Parkplatzprobleme nicht verschärfen.

Lesen Sie jetzt