VfL Kemminghausen ohne Trainer - dem Klub droht eine extrem schwere Zeit

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Nach dem Abstieg in die Bezirksliga wollte der VfL Kemminghausen eigentlich direkt wieder oben angreifen. Was folgte, war jedoch eine Saison zum Vergessen - und viele offenen Fragen.

Dortmund, Kemminghausen

, 20.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Trennung von Spielern, ein Trainerbeben, andere Kicker gingen zur Winterpause und ganz andere Ziele: Der VfL Kemminghausen erlebt eine Saison des Vergessens. Aktuell befindet sich das Team auf Rang zwölf der Bezirksliga und damit nur vier Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz – eine Platzierung, die sicher weit hinter den Ansprüchen des VfL liegt.

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Vor der Saison sagte der damalige Trainer Reza Hassani: „Wir streben einen Platz im oberen Drittel an.“ Dieses Ziel sollte einerseits mit jungen Spielern erreicht werden – insgesamt holte der VfL sieben Neuzugänge, die meisten davon um die 20 Jahre alt. Andererseits sollten die Führungsspieler Markus Bednarek, Alexander Stärk, Torjäger Ahmed Ersoy und Mittelfeldspieler Jonas Keimer für die nötige Stabilität sorgen.

Trennung von Jonas Keimer noch vor Saisonstart

Aber gerade die Personalie Keimer entwickelte sich zur Achterbahnfahrt und steht vielleicht etwas symbolisch für die Spielzeit der Mannschaft. Bereits vor der Saison trennte sich der Verein vom 27-Jährigen. „Es gab unterschiedliche Auffassungen bezüglich einiger Dinge im sportlichen Bereich“, sagte VfL-Trainer Hassani damals.

Dann gab es bereits am sechsten Spieltag der Saison ein wahres „Trainer-Beben“ in der Bezirksliga: Das Trainerduo Reza Hassani und Kevin Großkreutz schloss sich Türkspor Dortmund an und folgte auf den dortigen Aufstiegstrainer Bülent Kara, der mit dem Team zum damaligen Zeitpunkt an der Spitze der Liga lag.

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Beim VfL Kemminghausen setzte man dann auf eine interne Lösung an der Seitenlinie: Führungsspieler Alexander Stärk betreute von nun an zusammen mit Jonas Keimer, den der Verein zurückholte, die Mannschaft. „Darüber waren wir sehr dankbar, dass sich die beiden zur Verfügung stellten“, sagt der Vorstandsvorsitzende Gerd Wegner im Rückblick. Der VfL war zu diesem Zeitpunkt gar nicht so schlecht gestartet und stand nach sechs Spieltagen auf Rang fünf und holte drei Siege aus den bisherigen Partien.

Vor der Winterpause auf Rang zwölf

Mit den neuen Trainern lief es dann eher mäßig: Es folgten vier Unentschieden und die Mannschaft begab sich so langsam in die untere Region der Tabelle. Nach dem 17. Spieltag und damit vor der Winterpause stand der VfL auf Rang zwölf und hatte nur sechs Zähler Vorsprung vor dem ersten Abstiegsplatz.

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Und dann folgte der nächste Nackenschlag: Mit Markus Benarek (Hombrucher SV), Ahmed Ersoy und Louis Osmani (beide Türkspor) verließen drei echte Stützen das Team im Winter. Auch Ilja Petreian und Daniel Jänicke gingen zu Türkspor. Ibrahin Tasan zog es zu BW Huckarde. Gerade dass Stürmer Ersoy aufgrund einer komplizierten Schambeinverletzung in der Hinrunde nicht eingesetzt werden konnte, traf Kemminghausen schwer, traf er doch zuvor in der Landesliga 16 Mal.

Keimer wechselt zu Dortmunder Löwen

Aus den drei Spielen in diesem Jahr holte die Mannschaft insgesamt vier Punkte und liegt damit noch in der gefährlichen Zone. Nur vier Zähler trennen das Team vom ersten Abstiegsrang. Aber selbst, wenn diese Saison glimpflich verläuft und der VfL in der Bezirksliga bleibt, für die kommende Spielzeit stehen schon die nächsten Probleme ins Haus.

Das Trainerduo Jonas Keimer und Alexander Stärk hat bereits verkündet, dass beide nicht weitermachen. Keimer will sich eher aufs Berufliche konzentrieren und schließt sich dem A-Ligisten Dortmunder Löwen - Brackel 61 an.

Alexander Stärk wird den VfL in der kommenden Saison nicht mehr trainieren.

Alexander Stärk wird den VfL in der kommenden Saison nicht mehr trainieren. © Schaper

Stärk ist vor einigen Monaten umgezogen und kann den zeitlichen Aufwand nicht mehr leisten. „Ich wohne seit Januar in Gevelsberg. Bis Kemminghausen sind es 35 Kilometer zu fahren. Es macht Spaß mit den Jungs, aber es kostet auch viel Zeit. Daher habe ich mich entschieden, nicht weiter zu machen.“

Alexander Stärk: „Das Team hat sich bedankt und uns alles Gute gewünscht“

Der 29-Jährige erklärt, dass das Trainerduo den Vorstand früh über sein Vorgehen eingeweiht hatte. Das bestätigt auch der Vorstandsvorsitzende Wegner. „Zu Beginn der Corona-Krise kamen beide auf uns zu und kommunizierten offen. Ich kann ihre Entscheidungen voll nachvollziehen. Sie haben uns sehr geholfen und darüber sind wir sehr dankbar.“

Auch die Mannschaft wusste zeitnah Bescheid. „Wir haben es gegenüber den Spielern per Whatsapp kommuniziert. Das Team hat sich bedankt und uns alles Gute gewünscht“, sagt Stärk, der momentan seine durch die Coronakrise bedingte Freizeit sehr genießt.

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Für das Trainergespann steht fest, dass, wenn die Saison nochmal aufgenommen werden sollte, die beiden die Spielzeit auch als Coaches des VfL beenden. Wie es für Stärk als Kicker weitergeht, ist noch unklar. „Als Spieler steht die Fortsetzung noch in den Sternen. Gerade bin ich nicht auf der Suche nach einem neuen Verein. Ich könnte mir jedoch vorstellen, beim VfL zu bleiben oder mich auch einem anderen Klub in der Bezirksliga anzuschließen.“

Gerd Wegner: „Die Saison sollte beendet werden“

Für die Verantwortlichen in Kemminghausen beginnt nun also die Trainersuche für die kommende Saison. „Wir sind gerade in Gesprächen. Eine Lösung können wir noch nicht präsentieren“, sagt der Vorstandsvorsitzende Gerd Wegner, der sich momentan auch mit der Kaderplanung beschäftigt. Auch hier kündigt er für die kommenden Wochen Neuigkeiten an. Fest steht schon, dass Centurion Emokpaire zum FC Brünninghausen wechselt.

Zu einer möglichen Fortsetzung der Saison hat Wegner eine klare Meinung: „Ich schließe mich da dem Statement von Olaf Schäfer )Vorsitzender des SV Brackel 06, Anm. d. Red.) voll an. Die Saison sollte schnellstmöglich beendet werden. Die Vereine brauchen Planungssicherheit.“

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