Superstar Cristiano Ronaldo kickt mit Dortmunder Amateurfußballer und gibt ihm Ohrenschnipser

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Cristiano Ronaldo spielt selten mit Kreisliga-B-Fußballern. Ein Dortmunder hat es trotzdem auf sein Anwesen geschafft, um mit ihm eine Freistoß-Challenge auszutragen. Im Video gibt es das Duell.

Dortmund

, 05.03.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Manuel Neuer, Antoine Griezmann, Pierre-Emerick Aubameyang. Spieler, die sich Jahr für Jahr in der Champions League gegenüberstehen, die die absoluten Glamourfiguren des europäischen Hochglanzfußballs sind. Und mittendrin: Ein B-Liga-Fußballer aus Dortmund.

Nein, das ist keine kühne Fantasie von irgendeinem sich selbst maßlos überschätzenden Amateurfußballer. Es ist ein Traum, der zur Realität wurde.

Eigener Youtube-Kanal bringt den Ruhm

Den Kickoff zur Geschichte gab es vor sieben Jahren, als Lukas Steinlein, damals gerade einmal 17 Jahre alt, seinen eigenen Youtube-Kanal „LukasFootball“ ins Leben ruft.

Sein erstes Video ist nichts Spektakuläres: Er packt einfach nur seine neuen Fußballschuhe aus, probiert sie an, trickst ein bisschen mit ihnen rum. Schon in dieser kurzen Sequenz zeigt sich, dass Steinlein mit dem runden Leder gut umgehen kann, ein tolles Ballgefühl besitzt. Immerhin 6.358 Mal wurde sein Video vom 11. Februar 2013 bis heute aufgerufen.

Eine Zahl, die im Vergleich zu seinen aktuellen Clips jedoch lächerlich klein erscheint. Denn heute folgen dem Spieler vom VfR Sölde II und seinen Kollegen 8,3 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Der YouTube Kanal des Magazins „Der Spiegel“ hat 735.000 Abonnenten - ohne zu übertreiben: Lukas Steinlein ist ein Star im Netz!

Seine Bekanntheit hat der 24-jährige Amateurfußballer den „freekickerz“ zu verdanken, zu denen er im Jahre 2015 gestoßen ist. Die freekickerz sind eine Gruppe von deutschen Fußballern, die sich auf die Veröffentlichung von Videos rund um das Thema Fußball spezialisiert haben und mit Tutorials, wie man am besten einen bestimmten Freistoß schießt, Tricks und Challenges mit den Weltgrößen des Fußballs die Anhänger begeistern.

Erster Dreh mit Nationalspieler Jonas Hector

Nachdem sein eigener Youtube-Kanal immer mehr Abonnenten bekommt, wird auch Adidas auf Steinlein aufmerksam. „Sie haben mich eingeladen und wir haben uns ein bisschen kennengelernt“, sagt Steinlein. Bei dieser Veranstaltung war auch der Gründer der freekickerz anwesend und fragte den Amateurfußballer, ob er nicht Teil seines Projektes werden wolle. „Damals gab es ja noch nicht so viele Youtuber“, sagt Steinlein.

Für ihn war sofort klar, dass er diese Chance wahrnehmen möchte. Na klar, winkten doch Treffen mit Fußballern, die er sonst nur als Sticker in seine Panini-Hefte klebte.

Nicht viel später stand auch schon das erste Video an. „Der erste Profi, mit dem ich gedreht habe war Jonas Hector vom 1. FC Köln“. Ein Nationalspieler zum Start also - es geht schlechter.

Ab da geht die Reise so richtig los, Steinlein jettet quer durch die Nation und durch Europa, dreht bis zu drei Mal in der Woche, trifft dabei Thomas Müller, Lukas Podolski, Sergio Ramos und noch viele mehr. „Wir werden von Firmen kontaktiert, die Verträge mit den Spielern haben und schicken dann ein Konzept, dass die Firma an das Management der Spieler weiterleitet. Dann wird ein Termin ausgemacht“, erklärt er.

Cristian Pulisic, Manuel Neuer und mehrere BVB-Profis

Die Dreharbeiten finden dann meistens an einem Tag statt, an dem die Spieler auch noch viele weitere Termine haben, der Ablauf ist stets streng durchgetaktet. „Bei uns sind sie aber meistens am besten gelaunt, im Vergleich zu den Fotoshootings zum Beispiel. Bei uns können sie einfach kicken“, sagt Steinlein und lacht.


Heraus kommen Wettkämpfe mit Jadon Sancho und Axel Witsel, Challenges, bei denen sich Manuel Neuer als Feldspieler beweist, bei denen aus 60 Metern die Latte getroffen werden muss oder bei denen Ex-BVB-Spieler Cristian Pulisic gemeinsam mit den freekickerz Übungen aus der virtuellen Welt des Konsolenspiels FIFA auf den realen Fußballplatz überträgt.

Lukas Steinlein (l.) mit Superstar Cristiano Ronaldo.

Lukas Steinlein (l.) mit Superstar Cristiano Ronaldo. © Cyril Masson

Die Liste der Profis mit denen Steinlein schon vor der Kamera stand ist lang. Von Starallüren ist dabei nichts zu spüren, weder bei Steinlein noch bei den Weltstars. „Mit den allermeisten ist es total entspannt. Denen macht es auch selbst super Spaß und es kommt der Profi in ihnen durch. Sie sind super motiviert und wollen immer gewinnen“, sagt Steinlein.

Bei Cristiano Ronaldo zu Hause

Ein Highlight herauszupicken fällt bei den illustren Namen schwer. Doch ein Treffen ist Steinlein besonders in Erinnerung geblieben: Das mit seinem Idol, mit Superstar Cristiano Ronaldo - auf dem Anwesen des Portugiesen in Madrid. Europameister, Champions League Sieger, mehrfacher Weltfußballer des Jahres. Größer könnte der Kontrast zu Steinlein aus der Dortmunder Kreisliga B wohl kaum sein.

„Es war eine Aktion mit Nike“, erinnert sich Steinlein. „Wir wurden kurz begrüßt und dann ging der Dreh auch schon los. So viel Zeitdruck wie man da hatte, hatte ich noch nie in meinem Leben.“

Im Video sieht man, wie Ronaldo den freekickerz sein Haus zeigt, stolz präsentiert er sein Sammelsurium an Fußballschuhen, erzählt wie sehr es liebt Fußball zu spielen. Und dann geht es auch schon in den Garten.

Der Superstar hält mit den beiden Youtubern ein wenig den Ball hoch, jongliert gekonnt. Die Kugel fliegt hin und her - bis Steinlein sie bekommt, beim Trick „Around the world“ scheitert und von Cristiano Ronaldo dafür einen Ohrenschnipser kassiert.

Hat da die Aufregung eine Rolle gespielt? „Nein“, sagt Steinlein. „Es war für eine Nike-Instagramstory tatsächlich durchgescriptet bis zum geht nicht mehr. Nach zwei Runden hieß es, dass einer den Ball fallen lassen muss“.

Lukas Steinlein (r.) mit Liverpool-Star Sadio Mané.

Lukas Steinlein (r.) mit Liverpool-Star Sadio Mané. © Steinlein

Alles Show und Regie also in Fußballhollywood. „Es wurde ein Dreh nach dem anderen gemacht. Es war absolut unpersönlich aber nicht, weil Ronaldo zu abgehoben ist, sondern einfach weil es so duchgetaktet war“, sagt Steinlein. Gerade einmal zwei Minuten habe er mit den Kollegen für die Jonglier-Szene gehabt. Vier Minuten standen dann noch für die Freistoß-Challenge zur Verfügung.

Bei dieser kann Steinlein seine Fehlschüsse aber nicht auf ein etwaiges Drehbuch schieben. „Ich war komplett nervös, das kann man sich ja vorstellen“, gibt der heute 24-Jährige zu. „Jeder hatte drei Versuche. Es war ja nicht nur so, dass ich mein großes Idol getroffen habe. Allein das ist schon krass und dann hatte ich auch noch den enormen Zeitdruck. Ich ärgere mich auch nicht darüber, es ist einfach toll, ihn mal getroffen zu haben“, so Steinlein.

Die Freistöße beim VfR Sölde schießt Lukas Steinlein trotzdem nicht

Mit Ronaldo hat der Spieler des VfR Sölde keinen Kontakt mehr, mit dem ehemaligen Borussen Pierre-Emerick Aubameyang hingegen schon. „Ein bisschen. Ich schreibe mit ihm ab und an bei Instagram. Aber es ist schade, dass er nach London gewechselt ist“, sagt Steinlein, der mit den Videos auch sein Geld verdient.

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Und nebenbei mit seinen Freunden auch noch in der Liga gegen den Ball kickt, da wo die ganze Glitzerwelt keine Rolle spielt. Da, wo misslungene Tricks auch mit einem Ohrenschnipser bestraft werden, wo danach aber bei einem gemeinsamen Bier drüber gelacht wird.

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Und da, wo es neben Steinlein noch einen weiteren Meister des ruhenden Balles gibt: Patrick Johann, der zuletzt die Wahl zum Tor der Woche gewann. „Ich habe zwar in dieser Saison insgesamt zwei Freistöße geschossen und einer war drin. Aber Patrick Johann hat eine noch bessere Quote“, staunt Steinlein. „Patrick hat die beste Schusstechnik, die ich je live gesehen habe. Selbst bei den Profis kommen wenige an diese Technik heran.“

Vielleicht guckt sich ja dann selbst Cristiano Ronaldo noch was in Sölde ab. Am Rosengarten wie auch bei Youtube.

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