Von der Bezirksliga zum Star beim Afrika-Cup

Fußball

Vor sechs Jahren kickte er für den damaligen Bezirksligisten Kirchhörder SC auswärts bei Hagen 11 auf Asche. Am Samstag (28. Januar) um 20 Uhr beobachten Michael Ngadeu Ngadjui (26) nicht nur Zehntausende im Stadion von Franceville in Gabun, sondern auch Millionen vor den Fernsehern.

Dortmund

, 27.01.2017, 15:33 Uhr / Lesedauer: 1 min
Michael Ngadeu Ngadjui (l.) trägt hier das Trikot von Kamerun, vor sechs Jahren noch das des Kirchhörder SC.

Michael Ngadeu Ngadjui (l.) trägt hier das Trikot von Kamerun, vor sechs Jahren noch das des Kirchhörder SC.

Der damals als Student nach Dortmund gekommene Defensivspieler ist heute einer der wichtigsten Nationalspieler Kameruns und hat es mit seiner Mannschaft ins Viertelfinale des Afrika-Cups gegen den Senegal gebracht. Seinem ehemaligen Coach Adrian Alipour, mit dem er ständig in Kontakt ist, berichtete Ngadeu Ngadjui, der Afrika-Cup sei ein „Riesenerlebnis“ für ihn.

Gegenspieler von Aubameyang

Und daran, dass der Afrika-Cup auch für seine begeistert mitfiebernden Landsleute ein Riesenerlebnis ist, hat der Mann mit der beeindruckenden Karriere einen großen Anteil. Der Stammspieler erzielte im zweiten Gruppenspiel gegen Guinea-Bissau den Siegtreffer zum 2:1. Im dritten Spiel gegen Gastgeber Gabun (0:0) blieb sein direkter Gegenspieler, BVB-Star Pierre-Emerick Aubameyang, trefferlos. „Das ist überhaupt ein Traum für ihn, am wichtigsten Turnier des Kontinents teilzunehmen. Ich freue mich mit ihm über seine Erfolge“, sagt Alipour.

Dass er sich diesen Traum überhaupt erfüllt, verdankt er einem bemerkenswerten Lebensweg. „Wenn man raus aus der Armut will, dann wird man nicht Fußballer in Afrika, das wollen zu viele, und die Chancen sind zu gering. Wenn man wirklich etwas werden will, dann versucht man zu studieren“, sagte er gegenüber „sportschau.de“.

Mithilfe am Landesliga-Aufstieg

Also brachte sein Kumpel Stephane Kamdem den jungen Studenten 2010 mit zum Training in Kirchhörde. „Ich war schon von seiner Erscheinung beeindruckt“, erinnert sich Alipour. „Wer im Training gegen ihn einen Pressschlag machte, dachte, er tritt gegen einen Bordstein.“ Obwohl Ngadeu Ngadjui mit dafür sorgte, dass der KSC in die Landesliga aufstieg, versuchte Alipour, ihn weiterzuvermitteln.

In Sandhausen kam er nicht klar, also wechselte er zum 1. FC Nürnberg II, wo er sich für den rumänischen Klub FC Botosani empfahl. Und es ging weiter bergauf: Der Innenverteidiger spielt mittlerweile für den  tschechischen Traditionsklub Slavia Prag. Nach den Eindrücken vom Afrika-Cup ist nicht auszuschließen, dass der „total bescheiden gebliebene“ (Alipour) Profi sich auch auf Klub-Ebene weitere Träume erfüllt.  

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