Von der Bundesliga in die dritte Liga: „Ich habe wieder richtig Bock auf Volleyball“

Volleyball

Alisha Ossowski und Jan Terhoeven waren in der 1. Volleyball-Bundesliga einst erstklassig am Ball. Jetzt tragen die beiden die Trikots der Drittligisten TV Hörde – und haben großen Spaß dabei.

Dortmund

, 26.01.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Von der Bundesliga in die dritte Liga: „Ich habe wieder richtig Bock auf Volleyball“

Jan Terhoeven (r.) spielte schon in der 1. Volleyball-Bundesliga. Nun steht er für Drittligist Hörde auf dem Feld. © Folty

Alisha, hatten Sie nach mehreren Jahren USC Münster keine Lust mehr auf Erstliga-Volleyball?

Alisha Ossowski: (Lacht) Der Beruf hat jetzt einfach Vorrang. Ich trete jetzt eine Stelle als Vertretungs-Lehrerin an der Kerschensteiner-Grundschule in der Gartenstadt an. Die Rückkehr nach Hörde, wo ich ja schon in der Jugend einige Jahre gespielt habe, fühlte sich einfach richtig an. Ich bin ja quasi in diesem Verein aufgewachsen, es ist für mich eine Rückkehr zu den Wurzeln. Und ich habe wieder richtig Bock auf Volleyball!

Und wie ist das bei Ihnen, Jan? Haben Sie auch eine Hörder Vergangenheit?

Jan Terhoeven: In der Tat, 2007 bin ich mit der Hörder A-Jugend Deutscher Meister geworden. Dann ging´s aber nach Moers und Bottrop in die 1. Liga, habe mich da sozusagen volleyballerisch ausgetobt. Erst mit 26 bin ich studienbedingt nach Dortmund gekommen und in Hörde mit offenen Armen aufgenommen worden. Seitdem hatte ich auch kein Interesse mehr, woanders hinzugehen.

Aber Sie sind doch sicher aus Erstliga-Zeiten verwöhnt, was das perfekte Umfeld angeht ...

Terhoeven: (Lacht) Klar mussten wir da nicht vor dem Spiel noch Einkäufe beim Bäcker oder den Hallenschlüssel beim Hausmeister abholen oder das Netz aufbauen und nach der Partie alles wieder retour. Aber das ist schon okay, wir bringen uns gerne in diesen Verein ein.

Von der Bundesliga in die dritte Liga: „Ich habe wieder richtig Bock auf Volleyball“

Alisha Ossowski spielte jahrelang erstklassig in Münster. © Folty

Ossowski: Das stimmt, es hat alles etwas Familiäres, und da ich ein absoluter Familienmensch bin, fühle ich mich dabei auch wohl. Wir wischen sogar das Spielfeld vor dem Spiel (lacht).

Terhoeven: Ernsthaft? Na ja, macht ja auch Sinn.

Und wie groß ist der spielerische Unterschied zwischen 1. und 3. Liga?

Terhoeven: Das ist schon ein spürbarer Unterschied und auch eine große Umstellung. Drittliga-Volleyball ist deutlich weniger berechenbar, teilweise wird ja recht unkonventionell gespielt, und das ist dann teilsweise sogar schwerer für uns.

Osowskis: Die Erfahrung habe ich auch gemacht, aber es ist trotzdem sportlich und sieht nach Volleyball aus. Das Niveau ist durchaus gut. Und ich merke, dass unsere durchweg sehr junge Mannschaft schnell dazu lernt.

Welche Rolle spielen Sie mit Ihrer höherklassigen Erfahrung innerhalb der doch jungen Truppen?

Terhoeven: Zuletzt hatte unsere erste Sechs, vom Zuspieler abgesehen, ein Durchschnittsalter von 21 Jahren. Das merkt man unserem Spiel ab und an noch an, wenn in engen Situationen Hektik oder Unruhe aufkommen. Aber wir setzen ganz klar auf die Jungen, und man sieht auch schon eine Entwicklung. In der Rückrunde greifen wir dann voll an.

Ossowski: Ich spüre durchaus sehr viel Verantwortung, denn auch wir haben eine sehr junge Mannschaft, und ich kann in vielen Situationen mit meiner Erfahrung helfen. Ich bin sicher, dass wir noch viel aus den Spielerinnen herausholen können, sie sind jung und motiviert. Das macht wirklich Spaß.

Stimmt es, Jan, dass die Hörder Herren mit dem neuen Trainer Michael Kohne vor der Saison ein Manifest verfasst haben?

Terhoeven: Das stimmt, wir haben ein relativ ausführliches Zielbuch zusammengestellt und gemeinsam unterschrieben. Da gibt es viele kleine Ziele wie ein Mannschaftsabend pro Monat und auch ein großes, nämlich Platz vier zum Saisonende. Das ist ambitioniert, aber es konnten sich alle einigen.

Sie dürfen jetzt mal für sich werben. Also: Warum sollten Zuschauer zu Ihren Heimspielen in die Sporthalle am Phoenixsee kommen?

Ossowski: Weil wir eine tolle junge Truppe haben, die mit der richtigen Unterstützung durchs Publikum noch motivierter aufspielt. Das ist richtig spürbar, wie es der Mannschaft hilft, ihr Bestes zu geben. Nach mehreren Aufstiegen in Serie wollen wir auch in der 3. Liga überzeugen, und ich glaube, wir können viele Gegner schlagen. Das Potenzial ist da, sogar für einen Platz im oberen Mittelfeld. Deshalb wäre es schön, wenn uns, trotz des Spieltermins am Sonntag um 16 Uhr, noch mehr Zuschauer anfeuern so wie bei Euch, Jan.

Terhoeven: Ja, wir haben uns ein treues Publikum erspielt, weil auch bei uns um jeden Ball gekämpft wird. Es passiert ständig was auf dem Feld, da kommt garantiert keine Langeweile auf. Und dann ist natürlich noch unser DJ Sven Wiggermann da, der bei Männern und Frauen richtig für Stimmung sorgt. Bei uns hängt übrigens viel vom Spieltermin der BVB-Fußballer ab. Samstagabend-Spiele sind für uns fast ein Genickbruch. Aber Nachmittagsspiele der Borussen sind für uns super, das nutzen doch manche Fans unser Spiel ab 19.30 Uhr als Auftakt in einen schönen langen Samstagabend.

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