Wegen Corona: Läuft Dortmunds Fußballvereinen der Nachwuchs weg?

hzFußball in Dortmund

Nur wenige Vereine sind bisher wieder in den Trainingsbetrieb eingestiegen. Aber stehen die Vereine nicht unter Druck, schnell starten zu müssen, damit der Nachwuchs ihnen nicht wegläuft?

Dortmund

, 25.05.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fifa-Turniere an der Konsole, Stay-at-home-Challenges, Fußball-Quiz und Online-Training für den Nachwuchs – der SC Husen-Kurl hat in der Corona-Krise vorbildlich gearbeitet. Er hat in einer sehr schwierigen Zeit seinen Kindern und Jugendlichen gezeigt, dass der Klub an sie denkt. Er hat ihnen das Wir-Gefühl vermittelt.

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Andreas Edelstein ist Vorsitzender des SC Husen-Kurl. Aber nicht nur das. Er ist auch Vorsitzender des Jugendausschusses im Fußballkreis Dortmund. Deshalb macht er sich nicht nur Gedanken darüber, wie es in seinem Klub läuft. Er denkt weit über den Tellerrand hinaus.

Er macht sich Gedanken über das große Ganze. Deshalb appelliert er an die Klubs, so schnell wie möglich wieder mit den Talenten auf den Platz zurückzukehren. „Klar, als Erstes zählt natürlich die Gesundheit. Deshalb sind funktionierende Hygienekonzepte so wichtig. Aber die Nachwuchskicker müssen wieder auf den Platz, damit sie nicht komplett verschwinden“, sagt Edelstein.

Seit Mitte März sind viele Fußballer schon nicht mehr auf dem Platz gewesen. Bei ihrem Klub. Bei ihren Freunden. Die Kinder und Jugendlichen müssen kreativ sein, um sich zu beschäftigen - und finden in der Zeit vielleicht neue Hobbys, die sie vom Fußball abnabeln. Und hier sieht Edelstein die Gefahr, noch unentschlossene Kinder und Jugendliche zu verlieren.

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Stefan Goms, Jugendleiter des TSC Eintracht, glaubt, dass sein Klub sich nicht so große Sorgen machen müsse. „Aber die grundsätzliche Sorge kann ich schon verstehen, kleinere Vereine berichten ja auch unabhängig von Corona davon, dass die Mitgliederzahlen im Jugendbereich rückläufig sind. Ungefährlich ist die Corona-Zeit da nicht, wenn das noch länger andauert, könnte das wirklich zum Problem werden. Es ist für die Kleinen bei uns enorm wichtig, dass die wieder ihre Kumpels wiedersehen, das merkt man richtig“, sagt Goms.

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Der FLVW-Vizepräsident Manfred Schnieders macht sich um den Amateurfußball allgemein Sorgen: „Wir gehen ja ein relativ großes Risiko ein, die Sportler die am Ende auf dem Platz stehen wissen ja nicht, wer ihnen da in der gegnerischen Mannschaft gegenüber steht. Die werden sich sicher auch Fragen stellen. Ist da jemand bei, der infiziert ist? Hat der das gewusst? Ist der vielleicht nicht zum Arzt gegangen? All diese Dinge geistern ja in den Köpfen herum und vielleicht wird auch der ein oder andere sagen, Kontaktsportarten mache ich zukünftig nicht mehr. Sowas kann uns passieren“, sagt Schnieders.

Michael Linke, Vorsitzender des ASC 09 Dortmund, sieht ein weiteres Problem: „Wenn wir längerfristig unseren Mitgliedern keinen Sport anbieten, könnten sie aus finanziellen Gründen ihre Mitgliedschaft kündigen, weil sie keinen Gegenwert erhalten“, sagt Linke.

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Die Vereine müssen jetzt beweisen, dass sie für ihre Mitglieder da sind. Nur so halten sie sie langfristig. Und vor allem die Anstrengungen bei den Jüngsten sind extrem wichtig. Denn sie sind die Zukunft der Klubs. Deshalb der Appell von Andreas Edelstein.

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