Wegen Corona: Zehn Millionen Euro Hilfe für den Sport in NRW

Sport in Dortmund

Auch Dortmunder Sportvereinen drohen ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten und damit Insolvenzgefahren aufgrund der Corona-Pandemie. Dem TSC Eintracht kommt es vor allem auf die Mitglieder an.

Dortmund

, 10.04.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
An der Flora ruht derzeit der Sportbetrieb für die 7300 Mitglieder des TSC Eintracht.

An der Flora ruht derzeit der Sportbetrieb für die 7300 Mitglieder des TSC Eintracht. © Helmut Kaczmarek

Bleiben uns in Corona-Zeiten unsere Mitglieder treu, auch wenn wir ihnen gerade nicht viel bieten können? Wie bezahlen wir unsere Mitarbeiter, unsere Übungsleiter, unsere Mieten? Wie fangen wir ausbleibende Einnahmen durch ausgefallene Kursangebote auf? Auf Dortmunds Sportvereine prasseln gerade jede Menge Fragen ein.

„Der Informationsbedarf ist gerade sehr groß, die Zeiten sind schwierig und die Belastung besonders“, sagt Mathias Grasediek, Geschäftsführer des Stadtsportbundes (SSB) Dortmund. Im „Haus des Sports“ an der Beurhausstraße ploppen rechtliche Fragen auf, Fragen nach Kurzarbeit oder zum Beispiel die eines Reitervereins, der ausschließlich mit Schulpferden arbeitet und dem akut die Einnahmen fehlen bei weiter laufenden Kosten für Miete, Futter etc.

Mathias Grasedik: „Wir suchen nach Lösungen“

„Wir suchen auch auf kommunalpolitischer Ebene nach Lösungen und haben auf unserer Internetseite Antworten auf die meistgestellten Fragen. Zudem gibt es vom LSB ein Nothilfeprogramm für Vereine“, berichtet Grasediek von einem Rettungsschirm von Land und Landessportbund (LSB) als Dachverband der 18.300 Sportvereine in Nordrhein-Westfalen.

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In der Tat hat die Landesregierung in Düsseldorf vor kurzem ein zehn Millionen Euro umfassendes Hilfsprogramm für den Sport in NRW auf die Beine gestellt.

Der Hintergrund: Da die Vereine als gemeinnützige Organisationen nur in begrenztem Umfang hilfreiche Rücklagen bilden dürfen, drohen vielfach ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten und damit Insolvenzgefahren.

Solidarfonds gegründet

Auch bundesweit heißt es „Problem erkannt, Problem gebannt“: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat beschlossen, einen eigenen Solidarfonds für Sportdeutschland aufzulegen unter dem Titel „Erhalt der Vielfalt des Sports“.

Profitieren sollen Vereine und Verbände, die durch die Corona-Krise unverschuldet in Not geraten sind, gedacht ist an Finanz- und Sachleistungen wie zum Beispiel die Beratung durch Sanierungsexperten und Kampagnen zur Mitglieder-Gewinnung.

„Das ist für uns das Wichtigste: Die Mitglieder müssen uns treu bleiben. Das sind die wichtigsten Einnahmen unseres Vereins, der ja eigentlich von den sozialen Kontakten lebt“, berichtet Dr. Alexander Kiel, hauptamtlicher Vorstandsvorsitzender des TSC Eintracht.

Spendenbereitschaft beim TSC Eintracht

7300 Mitglieder in 27 Sportarten treiben in den Hallen und auf den Plätzen an der Flora Sport – normalerweise. Derzeit ist es recht still an der Victor-Toyka-Straße 6, dennoch wird an manchen Stellen fleißig gewerkelt, wie Kiel betont: „Wir bieten inzwischen vier Kursangebote täglich per Video an. Unsere Mitglieder schätzen diese Struktur im momentan außergewöhnlichen Alltag“.

Die Rückmeldungen seien durchweg positiv, ausdrücklich lobt Kiel die Spendenbereitschaft vieler Mitglieder. Der eine oder andere Eintrachtler hat aber auch aus seiner persönlichen Situation heraus nach einer temporären Reduzierung des Beitrags gefragt.

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Rechtlich ist die Situation klar: Mitglieder haben keinen Anspruch auf Erstattung des Beitrages, denn das Geld ist dazu da, den Verein am Leben zu erhalten, damit er seine Ziele erfüllen kann. Er dient nicht als Entgelt für Leistungen wie zum Beispiel in einem kommerziellen Fitnessstudio.

Einkaufsservice für Ältere

„Wir sind mit unseren Mitgliedern telefonisch in Kontakt und suchen nach Lösungen“, sagt der umtriebige Vorstands-Chef und berichtet von weiteren Aktionen der TSCer. So sei schon sehr früh ein Einkaufsservice für ältere, zur Risikogruppe gehörenden Mitglieder organisiert worden.

Doch der Verein hat auch eine Fürsorgepflicht für seine Angestellten, das sind immerhin 40 sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter, hinzu kommen Übungsleiter und Freiberufler, die ihren Lebensunterhalt mit der sportlichen Arbeit bestreiten.

Alexander Kiel ist Vorstandschef beim TSC Eintracht Dortmund.

Alexander Kiel ist Vorstandschef beim TSC Eintracht Dortmund. © Verein

„Wir haben nach Ostern Kurzarbeitergeld beantragt und werden dann das Gehalt (67 Prozent vom letzten Netto/die Red.) freiwillig auf 80 Prozent aufstocken“, verspricht Alexander Kiel und dankt in diesem Zusammenhang Land und LSB NRW für die schnelle und unbürokratische Hilfe in der großen Krise.

Sportkurse in Kitas entfallen

Auch dem TSC Eintracht, der durch sein vereinseigenes Gelände zumindest keine Pachtkosten hat, brechen übrigens aktuell Einnahmen weg, schließlich bietet der Klub gegen Kostenerstattung Sportkurse zum Beispiel in Kindertagesstätten an und betreut in normalen Zeiten 1600 Schüler im Offenen Ganztag, außerdem hat die Gastronomie im TSC-Sportzentrum geschlossen.

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Auch die Zahl der Neumitglieder, in normalen Zeiten um die 150 pro Monat, ist aktuell um die Hälfte zurückgegangen, heißt auch: weniger Beiträge. „Es ist noch nicht abzusehen, wie sich die Corona-Krise langfristig auf die Mitglieder-Entwicklung auswirkt“, sagt Kiel, der sich mit anderen Großvereinen bundesweit regelmäßig per Videokonferenz austauscht.

In einem ist er sich mit allen anderen Klubs einig: „Wir alle hoffen, dass der Spuk bald vorbei ist und wieder das Leben zurückkehrt!“

Rettungsschirm für Vereine beim Land NRW

  • Betroffene Sportvereine können die Soforthilfe direkt beantragen: www.WIRTSCHAFT.NRW/CORONA
  • Eine weitere positive Nachricht gab es in dieser Woche von der Sportstiftung NRW. Sie sagte die finanzielle Förderung der olympischen und paralympischen Athletinnen und Athleten bis zum Ende des Jahres zu.
  • Für die paralympischen Trainerinnen und Trainer, die ebenfalls von der Sportstiftung NRW gefördert werden, gilt dies sogar bis Ende des kommenden Jahres 2021, über den olympischen Zyklus hinaus.
  • „Der Landessportbund hat zudem in Abstimmung mit der Landesregierung beschlossen, dass auch die Trainer der olympischen Fachverbände über den olympischen Rhythmus hinaus – bis Ende 2021 – gefördert werden“, betonte der neue Landessportbund-Präsident Stefan Klett.
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