Weltmeisterin Hammer: steigt wieder in den Ring

Boxen

19 Kämpfe, 19 Siege, davon neun nach Knock-out – Box-Mittelgewichtsweltmeisterin Christina Hammer steigt am Samstag, 5. November, wieder in den Ring, um ihren WBO-Titel zu verteidigen und um nach dem WBC-Gürtel zu greifen. Patrick Schröer hat mit der 26-Jährigen über ihren Namen, ihre Sparringspartner und ihren Traum von den USA gesprochen.

DORTMUND

, 26.10.2016, 10:07 Uhr / Lesedauer: 3 min
Dortmunds Sportler des Jahres 2015 - die Bilder der Gala.

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Gegnerin im Ballhausforum in Unterschleißheim ist bei Petko´s Fight Night Kali Reis aus den USA. 

Jüngste deutsche Boxweltmeisterin aller Zeiten, Königin des Mittelgewichts, Lady Hammer – Frau Hammer, Sie tragen viele Namen. Welcher gefällt Ihnen am besten?

Königin des Mittelgewichts wurde mir gegeben, den habe ich mir gar nicht selber ausgesucht. Es ist schon so, dass ich Lady Hammer am liebsten mag. Das ist auch mein Profilname in den Sozialen Netzwerken.

 

Warum?

Der passt einfach am besten, und zeigt beide Seiten als Mensch von mir. Im Ring muss man immer tough sein, aber außerhalb des Rings bin ich ja auch noch eine Frau. Deswegen passt Lady gut.

 

Nach anderthalb Jahren Pflichtkampfpause steht für Sie am 5. November wieder ein Titelkampf an. Schon nervös?

Nein, ich bin gar nicht nervös. Ich freue mich auf den Kampf und bin sehr motiviert. Es steht viel auf dem Spiel.

 

Es ist Ihr erster Titelkampf im Boxstall Petkovic. Lief die Vorbereitung anders?

Nein, es lief alles wie bisher. Im Juli (15. Juli gegen die Ungarin Melinda Lazar, Anm. d. Red.) hatte ich ja schon meinen ersten Kampf bei Petkovic. Der hat mir sehr gutgetan. So ist es für mich auch leichter gewesen, wieder reinzukommen.

Wie lief das Training. Anstrengend?

Mein Leben und die Vorbereitung sind momentan nur auf das Boxen ausgelegt. Früh morgens gehe ich schon ins Gym, laufe dort und mache Krafteinheiten. Nachmittags geht’s dann zum Boxtraining. Jetzt hat ja auch wieder die Sparringphase begonnen. Man muss halt auf das Gewicht, auf jede Kleinigkeit achten.

Apropos Sparring, ist es richtig, dass Sie nur noch gegen Männer boxen?

Es gibt auch eine Kickboxerin, gegen die ich zwischendurch kämpfe, aber es ist schon richtig, dass ich am liebsten gegen Männer boxe. Das passt von der Größe und vom Gewicht her einfach besser. Außerdem ist der Ansporn größer, gegen Männer zu boxen.

 

Wer schickt dann wen auf die Bretter?

(lacht) Wir schenken uns da eigentlich nicht viel im Ring.

 

Zurück zum Kampf: Ihre Gegnerin heißt Kali Reis – keine Unbekannte …

Das stimmt. Mein Vorteil ist natürlich, dass ich ein Stück größer bin und eine größere Reichweite habe. Trotzdem muss ich jede Sekunde bei ihr aufpassen.

 

Warum?

Weil sie mit ihren Schwingern immer wieder versucht, Treffer zu landen. In der letzten Runde beim letzten Kampf habe ich auch einen guten Schlag kassiert. Aber ich bin jetzt gut vorbereitet und will es beim nächsten Kampf noch besser machen.

 

Planen Sie einen Knockout?

Das kann man nie vorhersagen. Natürlich werde ich es versuchen. Wenn es passt, werde ich zuschlagen.

 

Es geht neben dem WBO- auch um den WBC-Gürtel. Lastet da ein besonderer Druck auf Ihnen?

Ich finde es immer lustig zu hören, dass auf mir Druck lasten soll. Für mich ist das aber vielmehr eine mega Motivation, wenn ich um beide Gürtel boxen kann. Das ist keine Extra-Belastung für mich. Ich freue mich auf den Kampf und will im Ring zeigen, was ich kann.

 

Es wird der Hauptkampf des Abends sein. Alle Augen sind auf Sie gerichtet …

Und das freut mich sehr. Darauf habe ich jahrelang hingearbeitet. Früher habe ich immer hinten dran gehangen, habe vor den Männern geboxt. Der Promoter sieht aber das Potenzial, das in mir steckt. Meine jahrelange Arbeit wird nun endlich honoriert.

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Vorausgesetzt Sie gewinnen, wie geht es dann für Sie weiter?

Der WBC-Titel wäre für mich schon sehr wichtig, weil er einer der wichtigsten Titel in den USA ist. Dort möchte ich auch gerne hin. Und mit dem Titel hätte ich gute Chancen, den nächsten Schritt zu machen.

 

Was fasziniert Sie an den USA?

Erst einmal ist das Interesse am Boxen dort viel größer. Ich mag Deutschland auch, aber in Amerika ist alles noch einmal viel größer, da denken die Menschen in ganz anderen Dimensionen. Nichts ist unmöglich. Jeder kann es vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen.

 

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagten Sie, dass Sie das Frauenboxen in Deutschland revolutionieren wollen. Wie denn?

Mit der Veranstaltung am 5. November machen wir einen guten Schritt in die richtige Richtung. Es ist wichtig, dass wir den Fokus auf das Frauenboxen legen. Dann werden die Leute auch aufmerksam. Ich will einfach ein anderes Boxbild zeigen. Viele denken beim Frauenboxen noch an eine Prügelei.

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Im Interview wählten Sie auch flotte Sprüche, bezeichneten zum Beispiel Regina Halmich als kleines Mädchen …

(lacht) Das wurde so aufgeschrieben. Ganz so krass war die Aussage nicht. Regina ist eine tolle Frau und wird am 5. November auch als Kommentatorin bei meinem Kampf dabei sein. Aber sie war nie ein Vorbild für mich. Ich habe immer mehr zu den Männern aufgeblickt. Das liegt auch an meiner Körpergröße.

 

Ihren Körper setzen Sie auch außerhalb des Boxsports in der Werbeindustrie ein. Sie sind Unterwäschemodel. Wie passt das mit dem Boxen zusammen?

Ich mag es sehr, vor der Kamera zu stehen. Ich habe Glück, dass ich keine schiefe Nase habe und relativ gut aussehe. Ich bin außerhalb des Rings ja auch eine normale Frau und interessiere mich für Mode und Schuhe (lacht).

 

Wenn Sie im Boxen mal einen Schlag auf die Nase bekommen – schadet das dann nicht Ihrer Modelkarriere?

Nein, hauptberuflich bin ich ja auch weiterhin Boxerin. Das steht auch im Vordergrund. Es spielt daher keine große Rolle, ob ich mir im Training mal ein Veilchen hole.

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