Wenn den Strippenzieher und den Torjäger in einem Team lediglich ein „T“ trennt

hzFußball-Bezirksliga

Nach drei Spieltagen ist RW Germania in der Bezirksliga noch ungeschlagen. Großen Anteil daran haben zwei Spieler, die fast den gleichen Namen tragen, sich auf dem Platz aber deutlich unterscheiden.

Dortmund

, 23.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alexander Schwarz hat großen Respekt vor seinen Spielern, deren Leistung, deren Charakter - und deren Namen. Also betont der Trainer Sonntag für Sonntag, wenn er die Aufstellung des Bezirksligisten RW Germania mitteilt, Schmidt mit „dt“ und Schmitt mit „tt“.

Spätestens seit seinem Dreierpack beim SuS Olfen (Endergebnis 4:1) wissen auch diejenigen, die rätselten, wer denn nun Schmidt/Schmitt sei, dass derjenige mit „dt“ Torjäger ist und der mit „tt“ der Mittelfeldmann – und dass vor dem zugegebenermaßen nicht gerade seltenen Nachnamen ziemlich unterschiedliche Vornamen stehen.

Vollstrecker und Strippenzieher

Also sehen wir genauer hin: Dennis Schmidt (24), vor einem Jahr von den Sportfreunden Nette gekommen, fasste schnell bei Germania Fuß und demonstrierte seine Klasse im Abschluss. Sein Saisonstart hat es in sich: Vier Tore sind es nach drei Partien. Johannes Schmitt (25), der aus dem Nachwuchs des Vorgängerklubs RW Bodelschwingh kam, avancierte zur Schaltzentrale. Er erzielte bislang zwar erst einen Treffer, ist aber für die Mannschaft dennoch enorm wichtig.

Auf die Frage, was hat Schmidt mit „dt“, was Schmitt mit „tt“ nicht hat und umgekehrt, kommen von beiden klare Antworten – zunächst scherzhaft: „Ich habe ein T mehr im Namen.“, sagt Johannes. Die beiden Kinder des Dortmunder Fußball-Westens erklären ihre Rollen und loben den anderen.

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„Dennis ist der Vollstrecker, da hat dt mehr Qualität als tt. Ich bin eher der Strippenzieher. Und wir beide harmonieren gut, was aber auch für den Rest der Mannschaft gilt.“ Dennis erklärt, Johannes sei der „Kopf der Mannschaft im Zentrum, das bin ich nicht. Dafür bin ich für die Tore zuständig.“

Einstudierte Tore gegen Olfen

Einig im Lob des anderen, einig in der Bewertung des Verhältnisses: „Wir verstehen uns auf und außerhalb des Platzes sehr gut, ja freundschaftlich.“ Und sie beschreiben auch einmütig, dass sie nur ein Teil eines familiären Teams seien.

Mit dieser Einschätzung ihrer Mannschaft gibt es, geht es nach Ergebnissen und Außendarstellung, keine Unterschiede in der Treffsicherheit. Die Germania hat kaum Fluktuation, das Eingespieltsein trifft nicht nur auf den Namensstamm „Schmi“ zu. Zum Beispiel nennt Dennis Schmidt da Kevin Lavrenz, der an allen seiner drei Treffer in Olfen maßgeblich beteiligt gewesen sei. Zum Teil waren die Tore sogar einstudiert wie das 3:1 in Olfen.

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„Schön, wenn das dann auch klappt. Das Gute ist, wir reden viel miteinander. Die Jungs kennen aber auch auf dem Platz meine Wege oder meinen Bewegungsraum.“ Oft kommt der Ball auch von Johannes Schmidt. In Olfen aber musste er wegen einer Zerrung vom Feld.

„Das ist ein komischer Platz da. Platt und abgetreten.“ Schmitt aber blickt nach vorne, denn die kommende Aufgabe ist ein Highlight. „Ich will wieder fit sein gegen Nordkirchen.“ Schließlich treffen im Odemsloh die beiden Topteams der Liga aufeinander.

Nur RW und FC haben aktuell die komplette Punktzahl. Zudem kehrt Nordkirchens Trainer Mario Plechaty zurück in den Westen. Ganz in der Nähe mit Mengede 08/20 stieg er in die Westfalenliga auf.

Wichtiges Spiel gegen Nordkirchen

Auf der Germania-Bank stimmt laut Schmidt und Schmitt auch die Mischung. Johannes erklärt: „Alexander Schwarz ist strenger, hat sehr klare Vorstellungen, kann mitunter auch aufbrausend werden. Dennis Rensmann ist eher der Motivator.“ Klingt nach „good cop, bad cop“ (guter Polizist, böser Polizist). So sei es aber nicht gewollt, jeder habe eben seinen eigenen Charakter. Und auch Schmidt findet, dass wie auf dem Platz „auch unserer Trainerteam sehr gut funktioniert“.

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Fest steht: Dieses Duell gegen den ambitionierten Gast aus Nordkirchen wird alle Rot-Weißen mehr fordern als Olfen. „Wir müssen erneut als Mannschaft auftreten“, sagt Schmitt. „Ich bin mir sicher, dass wir in dieser Hinsicht stark sind. Wir haben keine Einzelgänger, keine selbstdarstellende Schauspieler.“ Auch des Torjägers Blick geht nach vorne: „Zu sagen, wir spielen gegen den Abstieg, ist überhaupt nicht mein Ding. Ich sehe uns oben dabei.“

Schmitt peilt einen Platz unter den ersten Dreien an. „Vergangenes Jahr waren wir auch gut gestartet, kamen schon als Dritter ins Ziel. Verschlechtern möchte ich mich auf keinen Fall. Wenn es am Ende der Aufstieg wird, sage ich auch nicht nein.“

Schmidt mit dt und Schmitt mit tt geht es dann auch gar nicht darum, wer den Unterschied macht. Unisono bekräftigen sie noch einmal: „Zusammen sind wir stark!“

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