Wie der Freund einer Spielerin Co-Trainer beim DJK Ewaldi Aplerbeck wurde

Handball

In einer kleinen Serie wollen wir die Aufgaben und Charaktere von Co-Trainern vorstellen. Wer sind die Coaches hinter den Übungsleitern, die eigentlich im Fokus stehen? Es geht weiter mit Handball.

Dortmund, Aplerbeck

, 11.05.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Burkard Herold (hintere Reihe links) und Kevin Gryszka (hintere Reihe rechts) trainieren die Frauen des DJK Ewaldi Aplerbeck.

Burkard Herold (hintere Reihe links) und Kevin Gryszka (hintere Reihe rechts) trainieren die Frauen des DJK Ewaldi Aplerbeck. © Privat

Sie sorgen für die gute Stimmung im Team, sind näher dran an den Spielern und kümmern sich um volle Wasserflaschen, ein trockenes Handtuch und weitere kleinere Erledigungen. Alles nur Mythen über Co-Trainer? Was macht eigentlich ein Assistent und was sind seine Aufgaben? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen und durchleuchten hierbei verschiedene Sportarten in diversen Ligen.

Es geht weiter mit den Frauen des DJK Ewaldi Aplerbeck, die in der Kreisliga Dortmund spielen. Das Team wurde in der vergangenen Saison betreut von Trainer Burkard Herold und seinem Co-Trainer Kevin Gryszka.

Zusammenarbeit entstand zufällig

Dass Kevin Gryszka in den kommenden Monaten eine Mannschaft als Co-Trainer betreuen wird, war vor Beginn der vergangenen Saison noch nicht absehbar. Sein Engagement beim DJK Ewaldi Aplerbeck kam zufällig, sehr zufällig zustande. „Ich habe die Spiele meiner Freundin besucht und ihr dabei in der Halbzeit oder nach den Spielen kleine Tipps und Ratschläge gegeben. Nach einigen Partien kam Burkard auf mich zu und fragte mich, ob ich ihn nicht als Co-Trainer unterstützen möchte.“

So entwickelte sich die Zusammenarbeit des Trainergespanns: Der erfahrene 56-jährige Herold auf der einen und der 26-jährige Gryszka auf der anderen Seite. „Ich bin dankbar, dass ich an seiner Seite Erfahrungen sammeln konnte und nicht alleine an der Seitenlinie stand“, erzählt der Assistent. Zuvor trainierte er bereits über anderthalb Jahre die zweite Damen-Mannschaft der TSG Schüren – und das obwohl er eigentlich gar kein Handballer ist.

„Eigentlich komme ich aus dem Judo. Seit 2001 betreibe ich den Sport und habe auch den braunen Gürtel. Zum Handball kam ich durch eine Arbeitsgemeinschaft an der Schule und durch meine Freundin, die Handball spielt. Das Wissen und die Kenntnisse habe ich mir durch Bücher und Gespräche mit anderen Trainern angeeignet“, erzählt der 26-Jährige, der mittlerweile den Übungleiterschein hat und demnächst die Trainer-C-Lizenz machen will.

Wie sehen die Aufgaben eines Co-Trainers in der Handball-Kreisliga der Damen eigentlich aus?

Neben dem Spielfeld: Mannschaftsabende eigneten sich perfekt dazu, dass Kevin Gryszka das Team erstmal so richtig kennenlernte. „Ich habe dann mit Burkard das ein oder andere Bierchen getrunken und so sind wir über die Mannschaft ins Gespräch gekommen.“

Sein noch junges Alter sorgte auch für einen speziellen Zugang zum Team. „Die jüngeren Spielerinnen sind bei manchen Dingen eher zu mir gekommen. Zum Beispiel wenn es um Treffen oder Partys mit Freunden ging. Ich denke, man muss dabei immer im Hinterkopf haben, dass es bei uns wirklich nur um Spaß geht und der Handball reines Hobby ist“, meint der 26-Jährige, der demnächst seinen Abschluss als staatlich geprüfter Betriebswirt macht.

Im Training: Hier gab es klare Aufteilung: Die Mannschaft wurde aufgeteilt und dann gab es einzelne Trainingseinheiten in Kleingruppen. „Beispielsweise haben die Rückraum und Außenspielerinnen und die Torhüterinnen separat trainiert. Wichtig war mir, dass die Mädels keine Übungen alleine machen mussten“, erklärt Burkard Herold, der auch stellvertretender Abteilungsleiter beim DJK Ewaldi ist und anfügt: „Mit einem Co-Trainer zusammen konnten wir im Training effektiver arbeiten. Vier Augen sehen mehr als zwei.“

Und wenn der Cheftrainer mal nicht da war, hat Gryszka das Training auch alleine geleitet. „Grundsätzlich habe ich mich mehr um die Spielerinnen gekümmert, die aus dem Nachwuchs in den Frauenbereich kamen und um die, die gerade mit dem Handball begonnen haben“, beschreibt der Co-Trainer.

Im Spiel: „Statistiker und Motivator“: So beschreibt der Assistent seine Rolle während eines Spiels. Einerseits führte er Buch über Würfe und Tore, Strafen und weitere Details, andererseits gab er den Spielerinnen anfeuernde Worte mit, wenn sie aufs Spielfeld kamen. „Wenn eine Spielerin schon fünf Tore hatte, habe ich ihr gesagt, dass jetzt noch fünf hinzukommen, damit sie die zehn Treffer vollmacht.“

Kevin Gryszka wird in der kommenden Saison die Frauen des DJK Ewaldi Aplerbeck als Cheftrainer übernehmen.

Kevin Gryszka wird in der kommenden Saison die Frauen des DJK Ewaldi Aplerbeck als Cheftrainer übernehmen. © Privat / Montage RN

Aber auch zu taktischen Feinheiten kam das Trainerteam zusammen. „Wir haben unsere Köpfe zusammengesteckt, wenn wir Defizite gesehen haben. Wir haben unsere Entscheidungen immer gemeinsam getroffen“, erklärt der 26-Jährige.

Burkard Herold: „War froh, dass ich in den kniffligen Situationen einen Co-Trainer an der Seite hatte“

Auch für eine andere – ganz spezielle Sache – war er zuständig. „Kevin hat meist ganz vorne auf der Bank gesessen, um Wechselfehler zu vermeiden“, beschreibt Cheftrainer Herold, der froh war, dass er in den Spielen einen Co-Trainer an der Seite hatte, „gerade in den Situationen als es knifflig wurde“.

Profil: Und welches Profil sollte ein Co-Trainer im Handball mitbringen? „Als Co-Trainer eines Frauenteams braucht man auf alle Fälle ein dickes Fell. Zudem ist man auch ein bisschen Mädchen für alles. Ich habe zum Beispiel mal einer Spielerin vor dem Spiel ihre Schuhe von Zuhause geholt, weil sie diese vergessen hatte. Dafür hat sie dann aber auch ordentlich in die Mannschaftskasse einzahlen müssen“, sagt Gryszka mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

In der kommenden Saison wird der 26-Jährige dann die Damen des DJK Ewaldi Aplerbeck als Cheftrainer coachen. Burkard Herold strebt eine Veränderung an: „Für die nächste Saison suche ich noch einen neuen Verein. Nachdem ich das Team jetzt vier Jahre hatte, will ich mal was anderes machen.“

Kevin Gryszka übernimmt das Team in der kommenden Saison

Und auch Gryszka wird die Mannschaft dann nicht alleine betreuen: Jordan Partington, der auch die dritten Herren der TSG Schüren coacht, wird an seiner Seite stehen. „Es ist geplant, dass Jordan einmal in der Woche beim Training ist und bei jedem Spiel da ist“, beschreibt Gryszka.

Hierbei sind also die Personalplanungen bereits abgeschlossen. Es wird bei den Damen des DJKE also nicht zu einer spontanen Verdopplung des Trainerteams kommen wie es in der vergangenen Saison der Fall war.

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