Wie ein Ex-Eishockey-Profi helfen will, Wickedes Gegentorflut zu stoppen

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Claas Hoffmann war für lange Zeit Eishockey-Profi. Nun schließt er sich Westfalia Wickede an - als Torwarttrainer. Beim Westfalenligisten hat er ein klares Ziel.

Dortmund, Wickede

, 06.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Fußball-Westfalenligist BV Westfalia Wickede hat einen neuen Torwarttrainer verpflichtet. Auf den ersten Blick scheint dies ganz normale Personalentscheidung zu sein, wie sie Saison für Saison bei Fußballvereinen getroffen wird. Auf den zweiten Blick steckt mehr dahinter. Der neue Wickeder Torwarttrainer Claas Hoffmann (45) blickt nämlich auf eine lange sportliche Vergangenheit als Profi zurück, die allerdings nichts mit dem Fußball zutun hat.

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Claas Hoffmann folgt auf Rüdiger Panzer. Das Wickeder Urgestein macht im Sommer beim BV Westfalia als Torwarttrainer Schluss und übergibt Hoffmann das Zepter. Hoffmann ist im Verein kein unbeschriebenes Blatt, hat bereits eine Wickeder Jugendmannschaft trainiert. Seine ersten sportlichen Gehschritte machte der Uefa-B-Lizenz-Inhaber allerdings nicht auf dem Fußballplatz, sondern auf dem Eis. Hoffmann war jahrelang Eishockey-Profi.

Mit sechs Jahren auf das Eis

Im Alter von sechs Jahren wagte sich Hoffmann erstmals aufs Eis. Der gebürtige Unnaer verbrachte seine Eishockey-Jugendzeit beim EHC Unna, entwickelte sich vom Defensivakteur zum „Eishockey-Stürmer“ - dem Centerspieler. Eine Zeit, die ihn persönlich weitergebracht hat. „Ich hatte immer gute Trainer, wurde gut gefördert“, sagt Hoffmann. Arbeit und Fleiß zahlten sich aus. Der Vorgängerklub des heutigen Erstligisten Iserlohn Roosters - ECD Iserlohn - wurde auf Hoffmann aufmerksam. Für den Unnaer ging es in die Juniorenbundesliga.

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Dort blieb Hoffmann aber nur für ein Jahr. Im Seniorenbereich wechselte der heute 45-Jährige zur Hammer Spielvereinigung in die 1. Liga Nord, ehe er sich den Ratingen 97 Ice Aliens anschloss. „Das war eine glorreiche Zeit. In der Zeit habe ich sogar mit Rick Amann (Ehemaliger Nationalspieler und Deutscher Meister, Anm. d. Red.) zusammengespielt“, so Hoffmann.

Hoffmann zieht sich schwere Verletzungen zu

Doch in diesen Zeiten blieb Hoffmann nicht nur vom Glück geküsst. Der 45-Jährige musste damals auch sportliche Tiefschläge durch schwere Verletzungen hinnehmen. Hoffmann riss sich in der Zeit gleich zwei Mal das vordere Kreuzbandriss, zudem hatte der Unnaer große Probleme mit seinem Innen- und Außenmeniskus. „Mit 29 Jahren hatte ich meine letzte große Verletzung. Ich kam danach nicht mehr richtig rein, wusste nicht, in welche Richtung es geht. Deswegen habe ich mit dem Eishockey aufgehört“, sagt Hoffmann. Damals war er 29.

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Doch wie um Himmels Willen gelang der Sprung zum Fußball? Verantwortlich dafür war Hoffmann in erster Linie nicht direkt, sondern sein Sohn Luca. Der kickte in der Jugendzeit nämlich bei RW Unna. Papa Claas verfolgte die Spiele seines Sohnemanns, ehe er dann vom Verein selbst gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, als Jugendtrainer aktiv zu werden.

Wechsel in den Dortmunder Kreis

Der Unnaer sagte zu. Da war Claas Hoffmann 36 Jahre alt. Von da an ging alles recht schnell. Hoffmann wechselte von RW Unna zum SuS Kaiserau, wollte aber unbedingt in den Dortmunder Kreis. Vor sechs Jahren schloss er sich daher Westfalia Wickede an, coachte dort eine E-Jugend-Mannschaft. So knüpfte er Kontakte bei der Westfalia, etablierte sich im Verein.

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Einen Ausflug wagte Hoffmann dann noch einmal im Dortmunder Raum, coachte zwischenzeitlich die C2-Landesliga-Jugend des Hombrucher SV. Bis Ende Oktober vergangenen Jahres blieb er dem HSV treu, musste dann aus beruflichen Gründen allerdings seinen Abschied bekanntgeben. „Das war sehr schade, wir hatten eine echt gute Truppe zusammen“, sagt Hoffmann.

Eine Autogrammkarte aus der Eishockey-Zeit von Claas Hoffmann bei den Ratinger Ice Aliens.

Eine Autogrammkarte aus der Eishockey-Zeit von Claas Hoffmann bei den Ratinger Ice Aliens. © Claas Hoffmann

Hoffmann war frei und Wickede witterte wieder seine Chance, weil Rudi Panzer auch angekündigt hat, als Torwarttrainer aufzuhören. Daniel Dukic, Sportlicher Leiter der Westfalia, nahm Kontakt zu Hoffmann auf. In Wickede kann man Hoffmanns Hilfe gut gebrauchen, stellt die Westfalia mit bislang 53 Gegentoren den Liga-Höchstwert.

Hoffmann war aus Wickede nie ganz weg

„Nach meinem Ausscheiden war ich ja nie ganz weg von Wickede, ich habe mich mit den Trainern iund mit Horst Linke (Vorsitzender Wickede, Anm. d. Red.) immer gut verstanden. Nach meinem Abgang war es auch ein Ziel, wieder im Seniorenbereich tätig zu werden“, so Hoffmann.

Dukic machte Hoffmann das Angebot, Torwarttrainer und Videoanalyst für die Westfalia zu werden. Nach zwei Tagen sagte Hoffmann zu. „Erst war ich etwas verdutzt, aber ich fand das Angebot sehr spannend. Wickede ist eine große Familie für mich. Hier fühle ich mich wohl“, so der Unnaer weiter, der demnächst auch eine Torwarttrainerlizenz angehen möchte.

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In Wickede darf man sich nach Dukic´ Worten nun auf ein wahres „Mentalitätsbiest“ freuen. „Ich bin halt ein Typ, der die Sachen immer zu 100 Prozent macht“, sagt Hoffmann über sich selbst. Aus dem Eishockeybereich möchte der 45-Jährigen vor allem Übungen in das Training einbauen, die koordinativer Natur sind. „Bewegungsabläufe lassen sich gut auf den Fußball adaptieren“, so Hoffmann weiter.

Unklare Saisonfortsetzung

Hoffmann möchte die Chance nun nutzen, um sich im Seniorenbereich zu etablieren. „Ich sehe diese Aufgabe als sehr gute Möglichkeit, weil ich den Verein ja auch gut kenne. Ich möchte wachsen und irgendwann auch mal so eine Mannschaft als Co-Trainer betreuen“, so Hoffmann abschließend.

Noch muss sich Hoffmann jedoch gedulden. Wegen des Coronavirus ist weiterhin unklar, ob und wann die Saison fortgesetzt oder abgebrochen wird.

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