Amateurfußball: An eine Fortsetzung der Saison glaubt in Haltern offenbar niemand mehr

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Der Verband hat entschieden, die Saison auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Sollte es zu einem bestimmten Termin weitergehen, bekommen alle Vereine 14 Tage Vorlaufzeit. Die Stimmen dazu.

Haltern

, 27.03.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen-Lippe (FLVW) ist für den Amateurfußball bis zur Oberliga zuständig. Der Verband hat gestern mitgeteilt, die Saison auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Bisher galt, dass bis zum 19. April die Ligen aufgrund der Corona-Krise pausieren.

Damit lassen die Verantwortlichen weiter offen, ob es weitergeht oder nicht.

Fest steht: Sollte es zu einem bestimmten Termin weitergehen, bekommen alle Vereine 14 Tage Vorlaufzeit. Das bedeutet, dass die Vereine 14 Tage vor dem möglichen Neustart Bescheid bekommen, wann es genau weitergeht.

„Es macht auf jeden Fall Sinn zwei Wochen Vorlauf zu haben, um zum Beispiel das Verletzungsrisiko zu minimieren. Aber wann es wirklich wieder weitergehen kann, weiß doch derzeit niemand. Wie will man eine verlässliche Prognose abgeben, wenn selbst Experten die weitere Entwicklung nicht vorhersagen können? Ich möchte da aktuell nicht der Entscheider sein. Das ist sicher keine leichte Aufgabe“, sagt Timo Ostdorf, Trainer der U23 des TuS Haltern.

Sportliche Leistung berücksichtigen

Mit seinem Team steht Ostdorf auf Platz 1 der Bezirksliga 11. Als Tabellenführer würde die Mannschaft am Ende der Saison in die Landesliga aufsteigen. Aber wird es dazu kommen? Ostdorf: „Es wird für den Verband kaum möglich sein, eine Entscheidung zu fällen, die allen unterschiedlichen Interessen gerecht wird, aber als Tabellenführer würden wir uns natürlich freuen, wenn die bisherige sportliche Leistung berücksichtigt würde und wir im Falle einer Beendigung der Saison mit dem Aufstieg belohnt werden.“

Seinen Spielern habe er geraten, sich mit Waldläufen vorerst fit zu halten. Mit seinem Trainerkollegen Kevin Lehmann verzichte er derzeit freiwillig auf die mit dem Verein vereinbarte Aufwandsentschädigung.

Dass in wenigen Wochen wieder die Kugel auf unseren Fußballplätzen rollt und die Saison sportlich beendet wird, kann er sich nicht vorstellen: „Da sind doch aktuelle ganz andere Baustellen innerhalb unserer Gesellschaft und Wirtschaft viel dringender und wichtiger“, so Ostdorf.

Ähnlich sieht es Michael Hellekamp, Trainer des Ligakonkurrenten und Ortsrivalen SV Lippramsdorf. „Wir reden hier über unteren Amateurfußball. Ganz nüchtern und sachlich betrachtet kann es doch nur eine Lösung geben. Die Saison muss beendet werden“, so der Coach, der den SV Lippramsdorf zum Sommer verlassen wird. „Für mich ist das alternativlos. Die Vereine brauchen Planungssicherheit. Vielleicht sollte man die Erstplatzierten aufsteigen und kein Team absteigen lassen. Eine klare Aussage vom Verband wäre jedenfalls wünschenswert.“

Der englische Verband hat bereits eine drastische Maßnahmen ergriffen. Für die Klubs in der siebten Liga und den Spielklassen darunter ist die Saison dort mit sofortiger Wirkung beendet. Es wird weder Auf- noch Absteiger geben, alle Ergebnisse werden gestrichen.

„Das ist am Ende wahrscheinlich auch die fairste Lösung“, findet Michael Onnebrink, Trainer des A-Kreisligisten SuS Concorida Flaesheim. Eine Fortsetzung des Spielbetriebs sei „unrealistisch“, so „Onne“. „Niemand glaubt noch daran, die Saison beenden zu können. Als Amateure können wir doch nicht zwei bis drei Spiele pro Woche austragen. Das klappt nicht.“

Verzerrtes Tabellenbild

Alle Ergebnisse zu streichen und nach Möglichkeit im Sommer wieder bei Null zu starten, mache aus seiner Sicht am meisten Sinn. „Die aktuellen Tabellen sind ja zum Teil auch verzerrt. Da könnte es am Ende Probleme geben, wen man die Erstplatzierten einfach aufsteigen lässt.“ Als Beispiel nennt er die Situation in der Kreisliga B2.

Dort ist der ETuS Haltern mit 47 Punkten aktuell Tabellenführer. Auf Platz zwei rangiert, mit zwei Punkten Rückstand, der TuS Sythen. Allerdings haben die Sythener noch ein Spiel weniger auf dem Konto. „Wie will man das in einer Entscheidung berücksichtigen? Das funktioniert doch nicht“, so Onnebrink. Die Tabellen der Hinrunde zu nehmen, sei ebenfalls keine Alternative. „Daher glaube ich, dass es bei uns auch so kommen wird, wie es die Engländer schon entschieden haben.“

  • Eine Neubewertung der Lage für den Spielbetrieb und das Wettkampfwesen erfolgt durch die Task Force des FLVW täglich.
  • Bei Fragen und Problemen können sich die westfälischen Vereine direkt an die Task Force des FLVW wenden: post@flvw.de.
  • Darüber hinaus finden sich alle aktuelle Entwicklungen zum Thema und FAQs auf der Verbands-Homepage www.flvw.de .
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