Angst vor tödlichem Herpesvirus: Halterner Pferdebesitzer treffen Vorsichtsmaßnahmen

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Reitsportfreunde und Stallinhaber in der Region sind in großer Sorge. Aktuell mehren sich Meldungen von Herpesfällen. Auch in Haltern greift man nun zu ersten Vorsichtsmaßnahmen.

Haltern

, 20.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor wenigen Wochen starben 13 Pferde im Kreis Kleve aufgrund einer Infektion mit dem gefährlichen Virus. Mittlerweile soll es nach Informationen unserer Zeitung weitere Verdachtsfälle in Recklinghausen, Borken und Marl geben. Da Herpes nicht meldepflichtig ist, sind diese Fälle nicht amtlich bestätigt. Doch auch in Haltern greifen Pferdefreunde jetzt zu ersten Vorsichtsmaßnahmen.

„Keine Turniere in der Region“

„Wir haben unseren Mitgliedern die Empfehlung ausgesprochen, besonders auf Hygienemaßnahmen zu achten und die Tiere in den nächsten Tagen lieber im Stall zu lassen“, sagt Manuela Schröer, Pressewartin vom Ländlichen Zucht-, Reit- und Fahrverein Haltern am See. Von Teilnahmen an Turnieren oder Lehrgängen sei ebenfalls lieber abzusehen. „Derzeit finden eigentlich auch keine Turniere in der Region statt. Vielleicht ist es ganz gut, dass jetzt die Feiertage kommen. Da herrscht in den meisten Ställen auch nicht so viel Betrieb.“

Unter Pferdeherpes versteht man eine Infektion mit dem sogenannten Equinen Herpesvirus (EHV). Die Krankheit wird in der Regel über eine Tröpfcheninfektion durch Körperflüssigkeiten übertragen und ist weit verbreitet. Knapp 90 Prozent aller Pferde sind mit dem Erreger infiziert, häufig kommt es jedoch zu keinem Ausbruch. Über das Blut verteilen sich die Erreger im ganzen Organismus und nisten sich in den Lymph- und Nervenzellen des Pferdes ein. Dort sind sie für das Immunsystem praktisch unsichtbar.

Kein Grund zur Panik

„Wenn die Krankheit ausgebrochen ist, kann man nur noch die Symptome bekämpfen und die Abwehrkräfte stärken“, so der Halterner Fachtierarzt Dr. Michael Olivier. Auch er rät dazu, „die Stalltür derzeit lieber mal geschlossen zu halten.“ Zwar gäbe es keinen Grund zur Panik, doch Vorsichtsmaßnahmen könnten nicht schaden. „Wenn das Virus in einem Bestand einmal zur aggressiven Variante mutiert und keine schnellen Maßnahmen getroffen werden, ist das Risiko der Erkrankung mehrerer Pferde und von Todesfällen in diesem Bestand groß.“ In Haltern sei ihm bislang noch kein solcher Fall bekannt – auch nicht aus der Vergangenheit.

Für betroffene Pferdebesitzer sei der Verlust eines Pferdes natürlich tragisch, besonders dann, wenn eine enge emotionale Bindung zum Pferd bestehe, abgesehen vom finanziellen Schaden. „Die Furcht vor diesem Erreger außerhalb eines betroffenen Bestandes ist in der Regel aber weitgehend unbegründet. Lokale Ausbrüche haben historisch immer wieder stattgefunden und beschränken sich in der Regel ausschließlich auf den betroffenen Bestand, verursachen also keine Seuchenzüge“, sagt er.

Symptome seien vielfältig

Tatsächlich müsse eine Infektion mit dem Herpesvirus auch nicht zwangsläufig zum Tod der betroffenen Tiere führen. „Gesunde Pferde haben gute Chancen, eine Herpesinfektion zu überstehen.“ Bei den gravierenden Fällen, die bekannt wurden und bei denen Pferde starben, handele es sich eher um Einzelfälle.

Die Symptome einer Herpeserkrankung beim Pferd seien vielfältig und unterscheiden sich stark von denen, die beim Menschen auftreten. Es könne zu Fieber, Husten, aber auch Hautproblemen oder Störungen des Nervensystems, wie zum Beispiel Lähmungen, kommen. „Verhält sich das Pferd auffällig oder wirkt besonders schlapp, sollte man immer umgehend einen Tierarzt kontaktieren“, so Dr. Olivier. Der Tierarzt könne dann das Pferd beproben und schicke das Material an ein zugelassenes Labor. „Bei einem Verdacht ist eine genaue Diagnose des Virus sehr sinnvoll, um schnellstmöglich die nötigen Maßnahmen vornehmen zu können.“

Von einer überstürzten Impfung der Tiere rät er ab. Ein vollständiger Impfschutz sei erst nach der Grundimmunisierung, also nach etwa sechs Wochen gewährleistet. Sinnvoll sei eine Impfung vielmehr, wenn der Seuchenzug vorüber ist. „Konsequentes Impfen kann Herpes in Schach halten. Eine Impfung ist aber auch nur dann wirklich effektiv, wenn der ganze Stall mitzieht und konsequent dabei bleibt.“

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