Vor einem Jahr noch als WM-Champion gefeiert, erlebte der Halterner Kartfahrer und Sportler des Jahres, Farin Megger, eine aufregende Saison in der Aufstiegsklasse der Junioren.

Haltern

, 19.12.2019, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gestartet ist der junge Rennfahrer in Deutschlands populärster Single-Brand-Serie, der Rotax Max Challenge Germany (RMC). In seinem Team „kartschmie.de“ wurde für ihn ein Platz in den Top Ten als Zielvorgabe ausgegeben. Megger: „Mit Platz acht in der Endabrechnung habe ich das neue Planziel erfüllt.“

Aufsteiger

Als Aufsteiger aus der sogenannten Mini-Klasse war er mit 12 Jahren einer der jüngsten Teilnehmer im Feld. Aber nicht nur die Altersschwelle konnte er soeben überschreiten. Es gibt auch eine Mindestgewichtsgrenze in Höhe von 35 Kilogramm für die Fahrer. 38 Kilogramm konnte der junge Racer gerade so auf die Waage bringen. Weil das Gesamtgewicht von Kart und Fahrer bei mindestens 150 Kilogramm liegen muss, wurden ihm zusätzlich 22 Kilogramm Blei ins Kart gepackt, die er die ganze Saison über mitschleppen musste. Und das war eins seiner der großen Handicaps der Saison.

Dadurch sei die Fahrdynamik empfindlich gestört, „weil das Blei im Kart fest verschraubt ist und so beim Fahren nicht zur Schwerpunktverlagerung wie das Eigengewicht genutzt werden kann.“ Dazu kam ein größeres Chassis mit einer wesentlich tieferen Sitzposition. So zeigte sich schon bei den ersten Testfahrten, dass es dem Jungen einfach noch etwas an Kraft fehlte, um das Kart in gewohnter Weise zu bewegen.

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„Ich hab keinen Bock mehr und will wieder Mini fahren“, fluchte Megger, als er nach dem ersten offiziellen Training sein Kart entnervt zurück an die Box brachte. Im Team hatte man das erwartet und beruhigte den Jungen. Vater Daniel erklärt: „Er ärgerte sich einfach über sich selbst, weil er nicht so fahren konnte, wie er es gewohnt war.“

Es habe aber auch positive Momente gegeben, denn das neue stärkere Rennaggregat führte zu Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 120 Km/h. Dazu sagte Megger nach den ersten Runden begeistert: „Ich dachte, der hört gar nicht mehr auf zu schieben.“ Zu Anfang fehlten ihm mit drei zehntel Sekunden pro Runde eigentlich gar nicht viel. Doch der junge Nachwuchsfahrer erklärt: „Diese wenigen Sekundenbruchteile entscheiden, ob du auf Platz eins oder acht landest.“ Und natürlich wollte jeder den amtierenden Weltmeister schlagen. So fuhr Megger die gesamte Saison über mit einer „großen Zielscheibe“ auf dem Rücken.

Leistungsgrenze

Beim Saisonstart in Wackersdorf musste der Zwölfjährige zunächst Lehrgeld bezahlen. Schon in der Startphase wurde er in eine Kollision verwickelt, die dazu führte, dass er dem Feld hinterherfahren musste. Doch Megger lernte schnell. Er kopierte die Linien der Führenden im Feld und beim zweiten Lauf in der „Motorsportarena Stefan Bellof“ in Oppenrod lief es schon deutlich besser. Dabei verpasste er in zwei Wertungsläufen mit Platz vier knapp das Podium.

Bange Minuten: Als Nachwuchsfahrer Farin Megger gegen einen Begrenzungspfosten knallte

Farin Megger triumphierte im Jahr 2018 bei der Weltmeisterschaft. © OLIVER CZUBASZEK SEN

Beim dritten Lauf im belgischen Genk zeigte das Leistungsbarometer aber wieder nach unten. Der Vogelsbergring im hessischen Wittgenborn ist traditionell die letzte Veranstaltung der Serie. Dort hatte Megger am zweiten Renntag fahrerisch alles gegeben und dabei sein Material an den Rand der Leistungsgrenze gebracht. In der Endabrechnung stand Platz acht.

Parallel nahm der junge Halterner auch noch an sieben Rennen der RMC-Clubchallenge teil. In der Endabrechnung verpasste Megger dabei nur knapp das Gesamtpodium. Mit einem Doppelsieg auf der Strecke in Belleben erlebte er seinen persönlich schönsten Renntag. Allerdings gab es auch einen Schreckmoment: Beim Regenrennen in Lidolzheim verlor Farin bei über 90 Km/h die Kontrolle über sein Kart. Er kreiselte und knallte rückwärts in einen Pfosten der Streckenbegrenzung. Zum Glück ging der Unfall glimpflich für ihn aus.

Daten- und Videoanalyse

„Zu dem zufriedenstellenden Gesamtergebnis haben im wesentlichen zwei Faktoren beigetragen“, sagt Megger rückblickend. „Ich habe das Kart immer besser verstanden und konnte so dem Team detailliertere Rückmeldungen für die Vorbereitung geben. Aber auch die kontinuierliche Daten- und Videoanalyse mit Fahrercoach Kevin Kemmling hat mir sehr geholfen.“

Megger, der auch an Rennen der internationalen Rotaxserie teilnahm, wie zum Beispiel in Le Mans, zieht am Ende ein positives Fazit: „Nach einer schwächeren Startphase habe ich mich zum Ende hin immer weiter gesteigert. So hat es doch noch gepasst. Wir fühlen uns gut aufgestellt für die kommende Saison.“

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