Der TuS Haltern bekommt einen Weckruf zur falschen Zeit – das sagt TuS-Trainer Niemöller

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Der TuS Haltern musste in der Regionalliga bei Borussia Dortmund II eine herbe 0:4-Pleite einstecken. An der gab es nichts zu rütteln, und doch hätte das Spiel auch anders beginnen können.

von Olaf Krimpmann

Dortmund

, 09.02.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Regionalliga-Fußballer des TuS Haltern verloren beim BVB II deutlich. Doch die Pleite war unnötig.

Im ehrwürdigen Stadion Rote Erde in Dortmund war es der Aufsteiger TuS Haltern, der eine fulminante Startphase erwischte: Erst strich ein Schuss von Stefan Oerterer um Zentimeter am Dortmunder Gebälk vorbei, dann drang Tim Kallenbach in den BVB-Strafraum ein, kollidierte mit Keeper Eric Oelschlägel. Ein Pfiff ertönte, Oerterer legte sich den Ball auf den Elfmeterpunkt. Um ihn dann - eher per Rückgabe - in die Arme von Oelschlägel zu schieben. Zwar lobte Dortmunds Trainer Mike Tullberg seinen Schlussmann später für die Rettungstat, aber im Ernst: Dieser Ball war auch allemal haltbar. Nur der BVB, der war es jetzt nicht mehr.

„Diese Mannschaft besitzt zu viel Qualität“

„Ein 1:0 hätte uns sicher nicht geschadet“, befand Halterns Trainer Magnus Niemöller, der die folgende Reaktion des ehemaligen Drittligisten hatte kommen sehen: „Dafür besitzt diese Mannschaft zu viel Qualität.“ Sein Trainerkollege, der Däne Tullberg, sprach ebenfalls von einem „Wake-up-Call“ (also einen Weckruf), der durch den Elfmeter bei seiner Mannschaft angekommen sei. Die Alarmglocken schrillten jetzt aber auf der anderen Seite. Dortmund konterte die fünf starken Halterner Minuten mit 20 Minuten feinster Regionalliga-Kost auf höchstem Niveau.

Das sagte TuS-Trainer Magnus Niemöller: „Der Sieg war auch in der Höhe verdient. Die ersten fünf, sechs Minuten waren ein Weckruf für Dortmund, danach hat die Borussia dann eindrucksvoll ihre Qualität unter Beweis gestellt. Wir haben für 20 Minuten total die Kontrolle verloren. Nach der Halbzeit hat Dortmund einen Gang rausgenommen, aber letztlich hatten sie trotzdem alles unter Kontrolle.“

Vor allem: Der BVB spielte ungemein effizient. „Unser Keeper Rafael Hester brauchte gar nicht so viele Paraden zu zeigen“, sagte sein Trainer, womit Niemöller ausdrücken wollte: Der BVB drosch dem Schlussmann die Kugel nicht im Minutentakt um die Ohren. Im Gegenteil: Er benötigte vier, fünf Angriffe, um die Partie bis zur 24. Minute und dem 3:0 vorzuentscheiden.

In Durchgang zwei war es nur noch Rasenschach

In der 10. Minute kommt Steffen Tigges nach feiner Vorarbeit von Kolbein Birgir Finsson im Strafraum frei zum Schuss - 1:0. In Minute 22 bekommt die Halterner Abwehr bei zwei, drei Versuchen das Rund nicht aus der Gefahrenzone, diesmal ist es Taylan Duman, der trifft - 2:0. Und in der 24. Minute verliert Arda Nebi in Höhe der Mittellinie in der Vorwärtsbewegung den Ball, es folgt ein Steilpass auf Chris Führich, der locker am aus seinem Kasten herausstürzenden Rafael Hester vorbei sprintet und ins leere Tor einschiebt - 3:0.

Das sagte BVB-II-Trainer Mike Tullberg: „Irgendwie brauchen wir immer einen Wake-up-Call, das war schon in den letzten Spielen so. Nach dem Elfmeter, den Eric sehr gut hält, haben wir uns gefangen. Es war trotzdem schwer: Wir trainieren in Brackel auf einem Billard-Teppich, für uns ist der Platz hier ein Riesen-Nachteil. Aber wir haben uns gefunden, wir wissen, wie wir gegen jeden Gegner zu spielen haben.“

Das war’s dann im Prinzip auch schon. Der BVB schaltete im Stile einer Spitzenmannschaft zurück, ließ den TuS mitspielen, war aber immer dann zur Stelle, als es gefährlich zu werden drohte. Spätestens in den zweiten 45 Minuten verflachte die Partie dann zum Rasenschach, die die 348 Zuschauer kaum von den Sitzen riss.

Einer geht noch

„Kommt! Einer geht noch, Mann!“, rief ein der Langeweile überdrüssiger BVB-Fan in Minute 78 von der Tribüne, und das sagte er nicht im Scherz, sondern mit einem gewissen Nachdruck in der Stimme, der durchscheinen ließ: Ein Spaß war das Spiel nicht mehr. Der BVB legte kurzzeitig eine Schüppe drauf und kam durch Joseph Boyamba in der 82. Minute noch zum 4:0, was zumindest den Ärger dieses Fans etwas gelindert haben dürfte.

Am Ende wussten alle im Halterner Lager: Hier war nichts zu holen. „Wir haben es Dortmund viel zu einfach gemacht“, meinte Rechtsverteidiger Lukas Opiola. „Die haben mit ihren langen Bällen einfach nach vorne gespielt. Das kann man besser verteidigen.“ Dass sein Team in der sechsten Minute per Elfmeter die Chance zur Führung hatte, löste dafür nur ein Schulterzucken aus: „Vielleicht wäre die Partie dann anders verlaufen, vielleicht hätten wir dann nur 1:4 verloren.“

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