Die Halternerin Emma Blömeke fuhr Rennen vor 30.000 Zuschauern

hzDas Sportporträt

Die Halterner Rennradfahrerin Emma Blömeke nahm im vergangenen Jahr zum ersten Mal an einer Weltcup-Saison in der Klasse U23 teil. Ein großes Ziel für das Jahr 2020 blieb ihr verwehrt.

Haltern

, 18.05.2020, 18:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die 19-jährige Halterner Studentin Emma Blömeke blickt auf eine spannende Weltcup-Saison 2019 zurück. Sie startete als eine der jüngsten im Teilnehmerfeld der Klasse U23 für das im sächsischen Thalheim ansässige „Conway Factory Racing Team“ bei vier Weltcup-Rennen. Zusätzlich belegte sie bei den deutschen MTB-Meisterschaften einen Platz in den Top ten. Sie fühlt sich sehr wohl im Team und sagt: „Die Philosophie stimmt. Bei uns werden junge Nachwuchsfahrer gefördert und an die Spitze herangeführt.“

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Blömeke großes Ziel im vergangenen Jahr war es, am Weltcup in der Nachwuchsklasse der U23 teilzunehmen. Dafür benötigte sie 20 Weltranglistenpunkte. Diese hatte sie sich aber bereits früh im Jahr bei vier international ausgeschriebenen Damenrennen in Italien, der Türkei und in Saalhausen gesichert. So durfte sie im Weltcup starten.

Doch ganz so einfach war die Vorbereitung nicht. Vor dem Start in den Weltcup war die mittlerweile aus Studiengründen nach Münster umgezogene Studentin gezwungen, ihr Training neu zu organisieren. Ihr langjähriger Halterner Heimtrainer Klaus Prag riet ihr dazu, neue Impulse mit einem neuen Trainer zu setzen. Diesen Rat befolgte sie schweren Herzens. In Roman Nowak fand sie einen neuen Trainingsbegleiter, sagt aber auch: „Klausi wird mir aber auch zu Hause weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

In Tschechien fuhr sie vor 30.000 Zuschauern.

In Tschechien fuhr sie vor 30.000 Zuschauern. © EGO Promotion

Der Start zur Weltcup-Saison erfolgte in Albstadt (Baden-Württemberg). Als Jüngste im Teilnehmerfeld startete sie dann auch eher noch respektvoll vom 17. bis 19. Mai 2019 beim ersten Lauf zum UCI-MTB-Weltcup.

Leider blieb Blömeke schon kurz nach dem Start bei der ersten Streckenverengung in einem festgefahrenen Pulk hängen, und konnte den dadurch entstandenen Zeitverlust nicht mehr kompensieren. Mit Platz 47 war für sie der Lauf aber trotzdem eine erste, gute Standortbestimmung in der neuen Saison.

„Gefühlt viel schneller unterwegs“

Weiter ging es schon eine knappe Woche später im tschechischen Nove Mesto. Dort erlebte Blömeke vor Ort die atemberaubende Atmosphäre von rund 30.000 Zuschauern an der Strecke. Nach einem vorsichtigen Start – auf der sicherlich technisch anspruchsvollsten Strecke im gesamten Weltcup-Zirkus – setzte sie in einem großen Steinfeld mit vielen dicken Brocken spontan auf Risiko und wählte die schnellere A-Route. Am Ende auf Platz 57 im Ziel sagte sie doch etwas enttäuscht: „Gefühlt war ich viel schneller unterwegs.“

Das Ziel nur knapp verpasst

Anfang Juni stand mit den Deutschen-Cross-Country-Meisterschaften in Wombach ein weiteres Highlight in ihrem Rennkalender. Erstmalig auch hier in der U23 startend wollte Blömeke mindestens in die Top five fahren. Doch am Renntag hat es einfach nicht gepasst. Am Ende verpasste sie als Zweitbeste ihres Jahrgangs mit Platz sechs das angestrebte Ziel nur knapp.

Mit ihrem neuen Ziel, im nächsten Weltcup-Rennen im italienischen Val di Sole in die Top 40 zu fahren, wollte Blömeke es besser machen. Zur Strecke mit steilen Anstiegen und rasanten, aber gut zu fahrenden Downhillpassagen auf Waldwegen, sagte sie: „Das war schon eher mein Terrain.“

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Schon nach dem Start mit toller Performance unterwegs kämpfte sie sich immer weiter nach vorne, und bekam in ihrer letzten Runde von Teamchef Thomas Schröder die entscheidende Info: „Vor dir sind nur noch die Top 30 unterwegs.“ Davon angespornt gab Blömeke noch einmal alles und fuhr am Ende auf Platz 32 über die Linie. „Mit diesem Ergebnis war ich superglücklich“, erinnert sie sich.

Für Blömeke kam es knüppeldick – doch sie gab nicht auf

Danach absolvierte das Team zur Vorbereitung auf das Schweizer Rennen in Lenzerheide noch ein zweitägiges Höhentraining in Livigno. Entsprechend motiviert startete sie dann vom 9. bis 11. August in Lenzerheide. Und dort kam es für die junge Bikerin gleich knüppeldick.

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Nach dem Start wurde sie unverschuldet in einen Sturz verwickelt, der sie viel Zeit kostete. Sie fiel dabei aus den Top 30 ans Ende des Feldes zurück und hatte jetzt nur noch ein Ziel: „Alles oder Nichts!“ Wie entfesselt jagte sie im weiteren Rennverlauf dem enteilten Feld hinterher. Dabei gelang es ihr mehr als die Hälfte ihrer Gegnerinnen zu überholen und nach einem fulminanten Zielsprint wurde sie auf Platz 31 abgewunken. „Das hat mir wieder einmal gezeigt, was im Radsport alles möglich ist.“

„Im Radsport ist alles möglich“, lautet ihr Motto.

„Im Radsport ist alles möglich“, lautet ihr Motto. © EGO Promotion

Mit dabei war auch Papa Peter, der als Co-Mechaniker und Mentalcoach immer als Vertrauensperson mit in der Servicezone steht.

Coronavirus stoppte alle Pläne

Dieses Jahr sollte für sie, mit der für Juni angesetzten Weltmeisterschaft im eigenen Land, der sportliche Höhepunkt werden. Dazu wollte Blömeke in den vorher stattfindenden Nominierungsrennen um einen Startplatz unter den besten fünf kämpfen. Nach einem kurzen Trainingslager Ende Februar in Mallorca trainierte sie zu Hause noch eine weitere Woche in dem Glauben, in wenigen Tagen das erste Rennen des Jahres zu fahren. Doch dann wurden durch die Coronavirus-Pandemie alle WM-Pläne jäh gestoppt.

Blömeke, die mittlerweile einfach weiter trainiert, sagt: „Das war für uns alle sehr enttäuschend, aber als Individualsportler hat uns die Krise nicht ganz so schwer getroffen. Wir können ja noch alleine weiter trainieren und draußen Rad fahren.“

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Auf ihr erstes Jahr in der U23 zurückblickend, sagt sie: „Es war ein schwieriges Einstiegsjahr in der Übergangsklasse zwischen Nachwuchs und Elitefahrern.“ Sie hofft, bald wieder mit ihrem Team auf der Rennstrecke unterwegs sein zu können.

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