Elf Spieler kann ein Trainer nur aufstellen, der Rest muss auf der Bank oder der Tribüne Platz nehmen. Was die ideale Kadergröße angeht, gibt es unterschiedliche Meinungen. © Andreas Hofmann
Fußball

„Drahtseilakt im Amateurbereich“: Drei Halterner über die ideale Kadergröße

Braucht ein Oberligist einen anderen Kader als ein C-Ligist? Wir haben drei Halterner Trainer gefragt, was für sie die ideale Kadergröße ist. Einen prägte die Erfahrung im Jugendbereich.

Die Antwort auf die Frage nach der idealen Kadergröße ist schwer zu beantworten. Jeder Trainer, jeder Sportliche Leiter und jeder Kaderplaner hat seine eigene Philosophie. Zudem ist die passende Größe auch abhängig von der Ligazugehörigkeit. Drei Halterner Trainer aus der Ober-, A- und C-Liga sagen, wie groß für sie ihr Kader sein sollte und warum.

„Die maximale Kadergröße sollte 25 Spieler nie überschreiten“, hatte Michael Reschke, in seiner Karriere als Kaderplaner bereits für Bayer Leverkusen, Bayern München und Schalke 04 tätig, vor einigen Jahren in einem Interview mit dem Magazin „11Freunde“ mal gesagt.

Je tiefer es in den Ligen nach unten geht, desto eher könnte die Kadergröße aber auch gerne noch ein bisschen größer sein – so zumindest die Theorie, die auch von einigen Halterner Trainern bestätigt wird.

„Dann hat man auch nie Probleme beim Training oder bei den Spielen“

„Je höher du spielst, desto höher ist auch die Verantwortung“, sagt Timo Ostdorf, Trainer des Oberliga-Teams des TuS Haltern am See. Da spiele beispielsweise dann auch die Aufwandsentschädigung eine Rolle. Es sei schwer, einen Kreisligisten mit einem Oberligisten zu vergleichen, sagt er und betont, dass das aber überhaupt nicht abwertend gemeint ist.

Timo Ostdorf (r.) hat aus seiner Zeit im Jugendbereich des TuS Haltern am See gelernt.
Timo Ostdorf (r.) hat aus seiner Zeit im Jugendbereich des TuS Haltern am See gelernt: Ein Kader mit fast 30 Spielern wie in der A-Jugend will er nun nicht mehr haben. © Juergen Patzke (Archiv) © Juergen Patzke (Archiv)

Auch Christoph Bafs-Dudzik, Trainer des SV Hullern in der Kreisliga C, stimmt dem zu. Es gebe immer mal den ein oder anderen Spieler mehr, der freitags schon signalisiere, sonntags aufgrund einer Feier oder anderer Verpflichtungen nicht zur Verfügung zu stehen, sagt er.

Deswegen sei grundsätzlich erst mal ein Kader mit 25 oder 26 Spielern für ihn ideal. „Dann hat man auch nie Probleme beim Training oder bei den Spielen“, so der Trainer. In der kommenden Saison werden wahrscheinlich aber etwa 30 Spieler bei Hullern im Kader stehen.

Natürlich sei es bei einem so großen Kader schwieriger, alle bei Laune zu halten, weiß Bafs-Dudzik. Um das zu bewerkstelligen, werde es auch mal in der Woche das ein oder andere Freundschaftsspiel für diejenigen geben, die sonntags nicht zum Einsatz kommen konnten.

Ostdorf reichen 22 Feldspieler – Torhüter kann man nicht genug haben

Zwei Torhüter stehen – Stand jetzt – zukünftig im Kader des SV Hullern. Einem dritten wäre Christoph Bafs-Dudzik aber nicht abgeneigt, verrät er. „Wenn du drei hast, ist das Luxus“, sagt Dennis Schulz, Trainer des TuS Sythen, der in der Kreisliga A spielt.

Christoph Bafs-Dudzik (r.) vom SV Hullern wird in der kommenden Saison mit einem ziemlich großen Kader arbeiten.
Christoph Bafs-Dudzik (r.) vom SV Hullern wird in der kommenden Saison mit einem ziemlich großen Kader arbeiten. © Jürgen Patzke © Jürgen Patzke

Dabei ist die Torhüterposition extrem wichtig. „Wenn sich mal einer verletzt, kannst du das nicht so leicht kompensieren wie den Ausfall eines Feldspielers“, erklärt er.

Schulz spricht aus Erfahrung. In der nun annullierten Spielzeit musste er im letzten Spiel vor dem Lockdown Feldspieler Kevin Plogmaker ins Tor stellen, nachdem Stammkeeper Philipp Berten Rot gesehen hatte und kein Ersatz im Kader stand.

Sythens Trainer Dennis Schulz hatte zuletzt 23 Spieler im Kader.
Sythens Trainer Dennis Schulz hatte zuletzt 23 Spieler im Kader. Aufgrund der Erfahrungen in dieser Saison wird er in Zukunft mit einem größeren Kader arbeiten. © Jürgen Patzke © Jürgen Patzke

26 Spieler werden nach jetzigem Stand zukünftig im Kader der Sythener stehen. In der aktuellen Spielzeit waren es 23. „Da habe ich festgestellt, dass das zu wenig ist“, so Schulz. 26 bis 28 Spieler sei für ihn nun eher die ideale Kadergröße, sagt der Sythener.

Für Timo Ostdorf sind es derweil 22 Feldspieler plus zwei Torhüter, also 24 Spieler. Allerdings betont er auch, „kannst du Torhüter erfahrungsgemäß nie genug haben“.

Irgendjemand fehlt eigentlich immer – Gründe gibt es einige

Für ein vernünftiges Training, da sind sich alle drei Trainer einig, sind mindestens zwei Torhüter sehr wichtig. „Für die Jungs ist es immer angenehmer, wenn alle wissen, dass da zwei Torhüter sind“, sagt Ostdorf. Grundsätzlich gebe es bei der Betrachtung des Kaders aber auch immer Unterschiede, die durch die zweite Mannschaft entstehen.

„Wenn du eine zweite Mannschaft wie wir hast, die in der Landesliga spielt, habe ich weniger Bauchschmerzen, mal einen dort spielen zu lassen, als wenn die Erste in der Oberliga und die Zweite in der Kreisliga spielt“, erklärt er. Wenn es diese Möglichkeit aber nicht gibt, müsse auch überlegt werden, den Kader zu verkleinern.

„Aber man darf nicht vergessen: Es fehlt immer mal jemand wegen einer Sperre, der Arbeit, Urlaub oder einer Verletzung.“ Das gilt sowohl für die Oberliga, die höchste Amateurklasse als auch alle anderen Ligen darunter. „Das ist ein Drahtseilakt im Amateurbereich“, so Ostdorf, der auch schon mal mit einem größeren Kader arbeiten musste.

Als er noch zum Trainerteam der U19 des TuS Haltern am See gehörte, standen 28 bis 30 Spieler im Kader, erzählt er. „Das würde ich heute nicht so machen wollen.“ Bei einem so großen Kader sei es extrem schwierig, allen gerecht zu werden – sowohl was die Spielpraxis angeht als auch das Training.

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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert
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