Ehemaligen Torjäger und „Deutschlands echtesten Kerl“ zieht es zurück in die Seestadt

hzWas macht eigentlich?

Er schnürte einst seine Schuhe für den SV Bossendorf, TuS Haltern und ETuS Haltern. Später gewann er sogar den Wettbewerb „Deutschlands echtester Kerl“. Jetzt kehrt er zurück in die Heimat.

Haltern

, 05.01.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In unserer Reihe „Was macht eigentlich...?“ blicken wir mit Menschen - die in der Vergangenheit aufgrund ihrer sportlichen Leistung in Haltern, und zum Teil auch über die Grenzen hinaus, auf sich aufmerksam gemacht haben - auf ihre Karriere zurück. Wie geht es ihnen? Was machen Sie heute? Und welchen Stellenwert hat der Sport noch für Sie? Diesen und anderen Fragen gehen wir auf den Grund. Heute: Was macht eigentlich Jan Stiller?

Jan Stiller kann auf eine aufregende Karriere als Fußballer zurückblicken. Der heute 40-Jährige schnürte seine Fußballschuhe einst für den SV Bossendorf, TuS Haltern und ETuS Haltern. Als klassischer „Knipser“ hat er damals viele Tore für diese Klubs erzielt. Später beschäftigte er sich vermehrt mit Kraftsport, lief Marathon und gewann 2007 und 2008 sogar den Fitness-Wettbewerb „Deutschlands echtester Kerl“ des Männer-Lifestyle-Magazins „Men’s Health“.

Begonnen habe alles, so erzählt er, als Stürmer im Bossendorfer Jugendfußball. „Ich kam als Spätzünder mit elf Jahren dazu“, erinnert er sich. Unter den damaligen Trainern Willi Ridder und Jürgen Thran habe er eine tolle Zeit mit vielen Toren erlebt. Besonders an ein Spiel gegen Röllinghausen, das mit 22:0 Toren gewonnen wurde, denkt er gerne mit einem Lächeln zurück. „Ich habe damals selbst neun Tore gemacht.“ Bei den Gegnern seien noch während des Spiels zwei Spieler freiwillig vom Platz gegangen. Stiller: „Die hatten einfach keine Lust mehr, weil ihnen die Bälle regelrecht um die Ohren geflogen sind.“

Er erinnert sich auch noch an „Calzetto“, ein Straßenfußballturnier auf italienische Art, das damals auf dem Halterner Marktplatz ausgetragen wurde. „Da haben wir damals mit der U16-Realschulmannschaft den Turniersieg geholt.“

Mädels wichtiger

Als Jugendlicher wechselte er später zum FC Recklinghausen. Dort kickte er bis zur A-Jugend. „Als 17-Jähriger habe ich dann sogar mal für ein Jahr mit dem Fußball aufgehört. Da waren Mädels wichtiger geworden“, sagt er und schmunzelt.

Mit einem Wechsel zu den Senioren des ETuS Haltern meldete sich Stiller in der Halterner Fußballszene zurück.

Nach zwei erfolgreichen Jahren bei den Eisenbahnern, wechselte er zum Lokalrivalen TuS Haltern und konnte gleich bei seinem ersten Spiel mit vier Toren glänzen. „Der damalige Trainer hat mich zum Manndecker umfunktioniert. Das klappte sogar recht gut, weil ich die Position aus Sicht eines Stürmers spielen konnte.“ Doch wohler habe er sich eigentlich immer auf seiner Lieblingsposition im Sturm gefühlt. „Du hast als Knipser auch immer eine besondere Verantwortung, die ich gerne übernommen habe. Eigentlich wollte ich nie etwas anderes als Stürmer sein“, sagt er.

Die „goldenen Zeiten“ habe er mit seinem damaligen Sturmpartner Marco de Cicco erlebt. „In einer Saison haben wir zusammen über 40 Tore erzielt.“

Im Sommer 2003 zog es ihn dann auch wieder zurück zu den Eisenbahnern, wo er in seinem letzten Jahr Torschützenkönig bei den Stadtmeisterschaften wurde. „Das war ein passender Abschluss“, sagt er rückblickend.

Angeln als Ausgleich

Einen Ausgleich zum Sport habe er immer bei seinem anderen Hobby, dem Angelsport, gefunden. Damals habe er so manchen kapitalen Hecht aus dem Halterner Stausee gezogen, erinnert er sich.

Als er sich als junger Mann um eine Ausbildung als KFZ-Mechaniker beim Autohaus Keysberg bewarb, sei er schnell unter den Auserwählten gewesen, erinnert sich sein Vater Heinz. Der Seniorchef sei von seinen Aktivitäten begeistert gewesen. „Der Junge spielt gut Fußball und ist ein guter Angler. Der kann bei uns anfangen“, erinnert sich Heinz Stiller an die Reaktion auf die Bewerbung.

2006 begann Jan Stiller als Praktikant im Bereich Fahrzeugentwicklung bei Mercedes Benz in Stuttgart -Sindelfingen. Daraus wurden 13 Jahre, die er als Wirtschaftsingenieur in der Fahrzeugentwicklung verbrachte. In dieser Zeit kickte er noch zwei Jahre in der Bezirksliga beim SV Gültlingen, lief Marathon und betrieb aktiv Kraftsport.

Durch Zufall habe er damals auch den Wettbewerb „Deutschlands echtester Kerl“ des bekannten Männer Lifestyle Magazins „Mens Health“ entdeckt. Kurz entschlossen reichte er eine Bewerbung ein, wurde zur Teilnahme eingeladen und gewann 2007 und 2008 die Challenge gleich zweimal hintereinander. Dabei musste er seine Fähigkeiten in rund 30 Disziplinen, darunter Mountainbiken, Kartfahren, Fitness, Speed-Dating, Tanzen und Kochen beweisen.

Heute blickt Jan Stiller mit Freude auf die aktive Zeit als Sportler zurück. „Ich habe aus dem Sport einige Dinge ins private Leben mitnehmen können. Sport prägt einen auch als Menschen.“

Ehemaligen Torjäger und „Deutschlands echtesten Kerl“ zieht es zurück in die Seestadt

Mittlerweile hat sich Jan Stiller selbstständig gemacht. Mit seiner Familie kehrt er nach 13 Jahren in Stuttgart nun nach Haltern zurück. © privat

Im vergangenen Jahr habe er sich selbstständig gemacht. Nach mehr als einem Jahrzehnt im Schwabenland kehrt er nun zurück in die geliebte Seestadt. Für seine Familie habe er bereits ein neues Zuhause gefunden. Ob er dann auch wieder dem runden Leder nachjagt, vielleicht bei einer Altherrenmannschaft? „Das weiß ich noch nicht“, sagt er. „Mal sehen, was die Zukunft so bringt.“

? Auch Sie, liebe Leser, erinnern sich an einen erfolgreichen Halterner Sportler, der einen spannenden Lebenslauf hat oder von dem sie schon lange nichts mehr gehört haben? Nennen Sie uns gerne ihre Idee für unsere Serie „Was macht eigentlich...?“ Schreiben Sie uns dazu eine kurze E-Mail an: sportredaktion@halternerzeitung.de.

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