Ein Tag in der Redaktion: So arbeiten unsere Sportreporter

EINBLICKE IN DIE SPORTREDAKTION

Von der Morgenkonferenz bis zum fertigen Artikel am Abend: Der Alltag eines Sportreporters hat gewisse Strukturen – und trotzdem ist jeder Tag anders! Wir nehmen Sie mit hinter die Kulissen.

Haltern

, 08.02.2021, 10:34 Uhr / Lesedauer: 4 min
Seit 2020 arbeite ich für die Halterner Sportredaktion.

Seit 2020 arbeite ich für die Halterner Sportredaktion. © Jürgen Wolter

Hallo, mein Name ist Pascal Albert, ich bin 1997 geboren und seit 2018 für Lensing Media im Einsatz. Seit 2020 arbeite ich als Sportredakteur bei der Halterner Zeitung. Ich habe die Halterner Zeitung in all meinen beruflichen Schritten durchlebt: Erst als Praktikant, dann als Freier Mitarbeiter, ehe ich mein Volontariat begann und schließlich als Sportredakteur übernommen wurde.

Auch wenn jeder Tag unterschiedlich abläuft, gibt es gewisse Fixpunkte bei der Arbeit. Heute nehme ich Sie einmal mit in den Redaktionsalltag und verrate Ihnen, wie so ein Tag normalerweise abläuft.

An erster Stelle: Bestandsaufnahme

Den Tag starte ich normalerweise mit einem schnellen Blick auf unser Mail-Postfach. Danach werden erst mal unsere Online-Zahlen überprüft. Was lief gut und was blieb unter meinen Erwartungen? Artikel, die ein wenig enttäuschten, werden oft noch mal überarbeitet – meist mit einer neuen Überschrift oder einem anderen Foto.

Wie oft wurden die Artikel gelesen? Das können wir auf unseren Dashboards mittlerweile ziemlich genau sehen.

Wie oft wurden die Artikel gelesen? Das können wir auf unseren Dashboards mittlerweile ziemlich genau sehen. © Jürgen Wolter

Nebenbei gucke ich auch direkt im Internet, was in der Sportwelt passiert. Dabei wird auch Social Media immer wichtiger, da wir durch Facebook, Instagram und Co. oft noch näher an unseren Lokalsportlern und den Vereinen sind.

Was will der Leser wissen? Die Themenfindung

Es gibt Tage, da fliegen einem die Themen nur so zu und es gibt Tage, da muss man kreativ werden. Häufig bekommen wir auch Themenvorschläge von Lesern, im Lokalsport ist das meist aber noch ein wenig anders: Hier sind es eher die Funktionäre der Sportvereine, beispielsweise die Sportlichen Leiter, Vorsitzenden oder Trainer, die uns Themenideen geben. Manchmal beabsichtigt, manchmal unbeabsichtigt. Sei es ein Fußballspieler, der endlich nach einer langen Verletzungspause wieder spielen kann oder der Sportler, der etwas Außergewöhnliches erlebt hat.

Viele Themen bekommen wir von Sportlern und Verantwortlichen - in Zeiten der Pandemie allerdings nur über das Telefon.

Viele Themen bekommen wir von Sportlern und Verantwortlichen - in Zeiten der Pandemie allerdings nur über das Telefon. © Jürgen Wolter

Besonders wichtig bei meiner Themenfindung sind eigentlich die Wochenenden, wenn samstags und sonntags gespielt wird. Dabei ergeben sich eigentlich immer neue Ideen für Artikel. Das fällt allerdings seit mehreren Monaten wieder weg. Wann wieder gespielt werden darf, ist noch ungewiss.

Das kurze Treffen: Die Konferenz

Drei Mal täglich konferieren wir in Haltern im Normalfall. Fanden diese Gesprächsrunden früher meistens in der Redaktionsküche statt, wird seit Ausbruch des Coronavirus natürlich nur noch digital konferiert. Die wichtigsten Fragen, die jeden Morgen geklärt werden müssen: Welche Themen können wir heute angehen, was muss heute auf jeden Fall fertig werden und wie lassen sich die Themen aufbereiten? Reicht nur ein Text, kann man vielleicht noch ein Video drehen oder bietet sich auch eine Bildergalerie an?

Derzeit wird nur digital konferiert.

Derzeit wird nur digital konferiert. © Jürgen Wolter

Dann muss noch geklärt werden, wer das Thema übernimmt. Darüber hinaus sprechen wir in der Konferenz oft auch noch mal über unsere bereits erschienenen Artikel. Lief eine Geschichte besonders gut, wird auch noch mal gemeinsam überlegt, ob wir das Thema erneut aufgreifen und unseren Lesern und Leserinnen damit noch eine neue Perspektive bieten können.

Auf Spurensuche: Die Recherche

Es kommt immer auf das Thema an, wie ausführlich die Recherche am Ende ausfällt. Wechselt beispielsweise ein Spieler nach Haltern, gibt es zwei Möglichkeiten: ich kenne ihn bereits – weil er schon mal hier gespielt hat – oder ich muss mich selbst erst mal über ihn schlau machen. Bei Letzterem heißt es dann vor allem erst mal: googlen.

Das Internet erleichtert so eine Recherche natürlich ungemein. Fast jeder Fußballspieler hat heute ein Profil auf der Plattform „Fupa.de“ oder „Transfermarkt.de“. Dort findet man oft sogar Statistiken zu der Anzahl der Spiele des Sportlers oder seiner erzielten Tore. Blind vertrauen sollte man diesen Zahlen allerdings nicht.

Wenn überhaupt Termine vor Ort statt finden, dann nur mit Abstand und Maske.

Wenn überhaupt Termine vor Ort statt finden, dann nur mit Abstand und Maske. © Jürgen Patzke

Wichtiger Ansprechpartner sind bei meiner Recherche vor allem auch die Trainer. Da sie die Spieler verpflichten oder sich zumindest für eine Verpflichtung eingesetzt haben, wissen sie im Normalfall auch am besten über die Spieler Bescheid. Hat er bei seinem letzten Verein aufgrund einer Verletzung lange nicht mehr gespielt oder ist er nur gewechselt, weil er den Wohnort gewechselt hat?

Das sind Infos, die man quasi nie im Internet findet, sondern nur in persönlichen Gesprächen. Ein Anruf beim Spieler kann auch noch mal Licht ins Dunkel bringen – und manchmal auch direkt für eine zweite Geschichte gut sein.

Die heiße Phase: Schreiben und finalisieren

Habe ich alle Infos beisammen, geht es ans Schreiben. Oft habe ich schon vor den Gesprächen mit den Sportlern ein ungefähres Bild vor Augen, wie mein Text aufgebaut sein soll. Der Schreibprozess selbst kann aber sehr unterschiedlich sein.

Es gibt Artikel, da ist das erste, was ich abtippe, die Überschrift. Die ist dann allerdings noch nicht in Stein gemeißelt und kann sich während des Schreibens noch mehrmals ändern. Generell stelle ich mir vor dem Schreiben aber immer eine Frage: Was ist die Kernaussage meines Artikels, also das Spannendste? Dieser Aspekt soll natürlich im Titel stehen und auf diesen Aspekt richte ich meinen Text auch aus.

Ist der Text fertig, geht es ans Layout. Zwischenüberschriften, weitere Fotos und Links zu anderen spannenden Themen oder Artikeln mit den passenden Hintergrundinfos werden eingefügt. Danach lese ich den Text noch mal gründlich, bevor ich einem meiner Kollegen bitte, ihn gegenzulesen.

Da die meisten von uns derzeit im Homeoffice sind, findet diese Kommunikation vornehmlich über Microsoft Teams statt. Ist der Artikel gelesen und hat er einen Zeitstempel bekommen, wann er online gehen soll, wird er freigegeben und später auch in unserem Redaktionssystem auf der Zeitungsseite platziert.

Obwohl ich erst seit einigen Jahren bei Lensing Media arbeite, durfte ich bereits miterleben, wie wir immer digitaler wurden. Als ich noch Praktikant war, wurden zuerst die morgigen Zeitungsseiten erstellt, erst dann stand unsere Internetseite im Fokus.

Heute ist das anders. Zuerst wird sich um unseren Online-Auftritt gekümmert, dann kommt die Printausgabe. Diese Entwicklung finde ich seit dem ersten Tag an am spannendsten und ich freue mich, sie auch in den kommenden Jahren weiter mitzumachen – um Ihnen den Lokalsport noch näher zu bringen und Sie mit noch mehr Infos vom Spielfeldrand zu versorgen.

Mit sportlichen Grüßen

Pascal Albert

Lesen Sie jetzt