Der TuS Haltern am See um Kevin Lehmann (r.) setzte sich im September im Westfalenpokal gegen Arda Nebi und RW Ahlen durch. Ob die nächsten Runden noch gespielt werden, ist unwahrscheinlich. © Thomas Braucks
Fußball: Westfalenpokal

Findet der Westfalenpokal noch statt? „Dann stellt sich die Sinnfrage“

Wie es mit dem Westfalenpokal weitergeht, ist derzeit noch ungewiss. Für die meisten Vereine wäre eine Austragung allerdings sinnlos. Auch für die Oberligisten wie den TuS Haltern.

Es ist ein perfektes Zuspiel für den Westfälischen Fußballverband. Die Entscheider beim FLVW müssen den Ball nur noch annehmen und dann frei vor dem Tor vollstrecken.

Am Donnerstag hat Nordrhein-Westfalen die Corona-Schutzverordnung bis zum 26. April verlängert. Bis dahin gibt es keinen Kontaktsport im Freien und damit auch kein reguläres Fußballtraining. Es ist die vom Verband erhoffte Steilvorlage aus der Politik.

Ein Re-Start der seit November unterbrochenen Saison noch im Mai ist vom Tisch, die Spielzeit so gut wie gelaufen. Die meisten Spielklassen im westfälischen Fußball werden das Saison-Soll von 50 Prozent aller Spiele nicht mehr erreichen können.

„Es muss jede einzelne Liga für sich gesehen werden“

Beim Verband, so ist zu hören, wird gerade nachgerechnet. Am Montag, 19. April, will das Präsidium in einer Videoschalte über die Ergebnisse aufklären. Alles andere als eine Annullierung der Saison in der Oberliga Westfalen mit 21 Mannschaften wäre eine Überraschung. Auch Staffeln mit 18 Klubs stehen vor dem Abbruch.

Bis überall und alles annulliert ist, könnte es aber noch ein paar Wochen dauern. FLVW-Vizepräsident Fußball Manfred Schnieders hat zuletzt betont, dass es gemäß Spielordnung keine allgemeine Entscheidung geben könne: „Es muss jede einzelne Liga für sich gesehen werden.“ In Fußball-Westfalen gibt es eine Reihe kleiner Staffeln, die sehr wohl noch die 50-Prozent-Hürde überspringen könnten.

Generell aber gilt: An Punktspiele ist kaum mehr zu denken. Im Kampf gegen das Coronavirus steht nun sogar der letzte Rest von Fußball auf der Kippe, auf den der Verband und seine Fußballkreise gehofft hatten: die Pokalwettbewerbe.

Erkenschwicks Sawatzki: Nett gemeint, aber unnötig

Allen voran der Westfalenpokal, in dem es um den Einzug in den DFB-Pokal geht. Dort sind in der ersten Runde gerade einmal vier Partien absolviert, unter anderem gewann der TuS Haltern am See gegen RW Ahlen. 28 Partien stehen noch aus. Inklusive Finale folgen fünf weitere Runden.

Doch die Uhr tickt. „Wenn wir nicht im Mai anfangen können, wird‘s eng“, sagt Klaus Overwien, Westfalens Pokalspielleiter aus Waltrop. Bei den Teilnehmern aus dem Vest wachsen indes die Zweifel.

„Vom Verband ist es gut gemeint, die Sache sportlich austragen zu wollen“, sagt David Sawatzki, Trainer von Westfalenligist Spvgg. Erkenschwick. „Aber ob das wirklich Sinn macht?“ Sawatzki muss in der ersten Runde mit seiner Truppe ins tiefste Sauerland, zu Landesligist Rot-Weiß Erlinghausen.

„Dass wir da weiterkommen, garantiert niemand. Vielleicht bekommst du unglücklich das 0:1 und scheidest aus.“ Und das nach drei Wochen Vorbereitung. Viel Aufwand für ein Spiel.

„Da können wir höchstens anfragen, ob wir nicht sofort ins Elfmeterschießen gehen“

Immerhin schon in der Runde der letzten 32 steht Oberligist TuS Haltern nach dem Coup gegen Rot-Weiss Ahlen im Elfmeterschießen im September. Weiter ginge es, wenn alles normal liefe, mit dem Kreisderby gegen den SV Schermbeck. „Was die Vorbereitung angeht, wäre das immerhin ein Duell auf Augenhöhe“, sagt TuS-Trainer Timo Ostdorf.

Spätestens im Achtelfinale, so Ostdorf, „stellt sich die Sinnfrage“: Dort warten voraussichtlich die Sportfreunde Lotte. In der Regionalliga läuft die Saison, Lotte steht voll im Saft – so wie die anderen Voll- oder Halbprofis von SC Verl, Preußen Münster oder SV Lippstadt.

Timo Ostdorf: „Wir dagegen hatten seit einem halben Jahr keinen Ball mehr am Fuß. Da können wir höchstens anfragen, ob wir nicht sofort ins Elfmeterschießen gehen.“

Dann vielleicht doch besser Abbruch und eine Entscheidung per Los: Die Chance für die Klubs aus dem Kreis auf den DFB-Pokal läge an der Lostrommel immerhin bei 1:64. Definitiv größer als auf dem Platz.

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Stellv. Leiter Sportredaktion MHB
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