Gemeinsam mit Thorsten Wieja traniert Julia Heidemann das A-Liga-Team von Concordia Flaesheim. Dass ein Profi-Trainer als Strafe das Training einer Frauen- oder Mädchenmannschaft aufgebrummt bekommen hat, sieht sie kritisch. © Jürgen Patzke
Fußball

Frauenfußball-Training als Strafe: Für Flaesheims Heidemann „ein absolutes No-Go“

Als Strafe für eine verbale Entgleisung soll der Trainer von Mönchengladbach II eine Frauenmannschaft trainieren. Das sorgte für viel Kritik. Auch Flaesheims Julia Heidemann sieht das kritisch.

Eine Strafe für Heiko Vogel, Trainer der zweiten Mannschaft von Borussia Mönchengladbach, sorgte zuletzt für reichlich Diskussionen und viele wütende Sportlerinnen und Sportler. Neben einer Zwei-Spiele-Sperre und einer Geldstrafe von 1500 Euro erhielt er die Auflage, sechs Trainingseinheiten einer Mädchen- oder Frauenmannschaft zu absolvieren – für Julia Heidemann von Concordia Flaesheim „ein absolutes No-Go“.

Doch was war überhaupt passiert, dass Vogel bestraft werden musste? Beim Spiel gegen den SV Bergisch Gladbach (30. Januar) in der Regionalliga West wurde er aufgrund mehrerer verbaler Entgleisungen von Schiedsrichter Marcel Benkhoff des Innenraums verwiesen.

Heiko Vogel: „Frauen haben auf dem Fußballplatz nichts zu suchen“

Als er den Platz verließ, soll er Linienrichterin Vanessa Arlt beleidigt haben. Dann, so berichtete es Arlt im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten, fügte er noch an: „Frauen haben auf dem Fußballplatz einfach absolut nichts zu suchen.“

Dafür gab es nun unter anderem das Training einer Frauenmannschaft als Strafe.

Vogel soll, so berichtete es später Gladbachs Sportdirektor Max Eberl, die wahrscheinlich als pädagogische Fortbildungsmaßnahme angesehene Strafe, selbst vorgeschlagen haben.

Ob das stimmt oder nicht, der Westdeutsche Fußball-Verband entschied sich letztendlich, ihm eine derartige Strafe aufzuerlegen. „Ich gehe davon aus, dass der Verband sich da sehr unglücklich ausgedrückt hat“, sagt Heidemann auf Nachfrage der Halterner Zeitung.

Steht derzeit für seine Aussage über Frauen im Fußball genauso in der Kritik wie der WDFV für die darauffolgende Strafe: Heiko Vogel, Trainer von Borussia Mönchengladbach II. © dpa © dpa

Was durch Vogels Aussagen und die Strafe nun vermittelt wird, sieht sie aber als problematisch an. „Das Problem ist, dass er eine Person des öffentlichen Lebens ist“, sagt sie über den ehemaligen Trainer des FC Bayern II und des FC Basel.

Heidemann: Dumme Sprüche über Frauenfußball werden immer weniger

Solche Aussagen haben dadurch eine ziemlich große Reichweite, wie nun auch am medialen Echo zu sehen ist. „Normalerweise gehe ich davon aus, dass wir alle gleichberechtigt sind“, sagt Julia Heidemann. Die Aussage Vogels geht dagegen in genau die andere Richtung.

„Ich glaube, er sollte einfach vorher nachdenken, bevor er sowas sagt“, so die Flaesheimer Co-Trainerin weiter. Ähnliche Sätze musste sie sich mit ihren Teamkolleginnen in der Vergangenheit auch schon das eine oder andere mal anhören.

Wirkliche Anfeindungen habe es zwar nicht gegeben, „aber früher hat man schon mal so Sätze wie ‚Frauen können keinen Fußball spielen‘ gehört“, erzählt Heidemann. Das sei mit den Jahren aber auch immer seltener geworden.

Heute sei der Frauenfußball deutlich etablierter als früher, sagt die Flaesheimerin, die erstmals in der Saison 2012/13 als Trainerin an der Seitenline stand.

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Pascal Albert
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