Die Halterner Segler Florian Tenk, Gerd Tenk und Matthias Römmer (v.l). Nicht mit auf dem Foto ist Oliver Frey. © Horst Lehr
Segeln

Gegen Olympia-Teilnehmer: Halterner Segler gingen bei WM an den Start

Bei der Segel-Weltmeisterschaft in Berlin hatten die Segler mit starken Winden zu kämpfen. Auch Halterner Segler waren dabei - und ziehen ein durchaus positives Fazit.

Total begeistert kehrten Anfang August vier Halterner Segler von den Weltmeisterschaften der Yngling-Klasse zurück. Vom 24. bis 31. Juli waren Florian und Gerd Tenk, Oliver Frey und Matthias Römmer vom Segelclub Haltern am See auf dem Großen Berliner Müggelsee bei starkem Wind und hohen Wellen unterwegs.

„Das war für uns einfach die Riesenchance, einmal in einem solchen Teilnehmerfeld zu starten“, erzählt Gerd Tenk. Zusammen mit Andreas Hölter hatten sie zur Vorbereitung einige spezielle Trainingseinheiten auf dem heimischen Revier absolviert, wo speziell Starts und wichtige Segelmanöver geübt wurden.

In Berlin angekommen wartete auf die Halterner ein volles WM-Programm mit insgesamt sechs Qualifikationsläufen, bei denen der Wind immer weiter auffrischte und sich bis zu den entscheidenden Renntagen am Donnerstag und Samstag immer weiter steigerte. Für die Teilnehmer wurde das zu einer echten Herausforderung.

Guter Start trotz anfänglicher Probleme

Schon zu Beginn kämpfte die Halterner Crew mit der Technik, denn durch das aufwirbelnde Spritzwasser wurde die an Bord befindliche Regattauhr unbrauchbar. Eine eingebaute Ersatzuhr ging dann bei der nächsten Wettfahrt unglücklicherweise gleich ganz über Bord. „So etwas wird uns aber nie wieder passieren“, ist sich Tenk sicher.

Auch eine beschädigte Unterwant (Drahtseil zur Mastfixierung) sorgte im Vorfeld für weitere Aufregung, konnte aber noch rechtzeitig vor dem Start ersetzt werden.

Beim ersten Start stieg der Adrenalinspiegel im Boot spürbar an. Die Crew entschied sich für einen Start aus der Feldmitte, wo man auf freien Wind und weniger Boote hoffte. „Wir hatten einen guten Start und sind direkt auf Kurs gekommen“, so Vorschoter Römmer.

Danach ging es im Kreuzkurs auf Tonne eins zu, wo nach der Wende unter Spinnaker, also einem besonders großen, bauchigen Vorsegel, in voller Fahrt zurück in Richtung Ziellinie gesegelt wurde. Diese Up-and-Down-Strecke war in jedem Durchgang zwei Mal zu segeln, wodurch die Crews jeden Wettkampftag mit An- und Abfahrten auf gute 60 Segelkilometer kamen.

Unterwegs auf dem Wasser blieb bei den starken Winden kaum Zeit zum Verschnaufen, denn ständiges Trimmen und Anpassen der Segel verlangten den Sportlern alles ab. Bei dem Kommando „Vorbereiten zur Wende“ war höchste Konzentration auf allen Bootspositionen gefordert.

„So schnell waren wir mit dem Boot noch nie“

Und das gelang den Halternern richtig gut. „Wir haben richtig gute Wendemanöver gesegelt und dabei unser Boot oft in fast perfektem 90-Grad-Winkel um die Tonne gebracht“, erklärt Tenk. Bei der wilden Jagd zurück wurde dann mit gesetztem Spinnacker die Segelfläche bis zum letzten Zentimeter ausgenutzt. „Wir sind teilweise mit fast 10 Knoten dahingejagt. Das war ein Traum. So schnell waren wir mit dem Boot vorher noch nie unterwegs“, schwärmt Römmer begeistert.

Allerdings ging bei einem der Wettläufe der Spinnaker viel zu schnell herunter, wodurch er etwa 50 Meter vor der Ziellinie ins Wasser fiel. Die Crew reagierte blitzschnell, hob die Segelenden links und rechts aus dem Wasser und fuhr so mit dem Restschwung über die Ziellinie.

Als ein Teilnehmer später bedingt durch den starken Wind das eigene Boot immer weiter abdrängte, vermied die Crew mit einem taktisch geschickt gesetzten Manöver zunächst die Kollision und brachte das Boot haarscharf hinter dem Heck der Gegner auf einen neuen Kurs, auf dem es im freien Wind ordentlich Antrieb erhielt und schnell nach vorne fuhr.

Mit je sechs Wettfahren ging es an den ersten beiden Wettkampftagen um die Qualifikation für die entscheidenden 5 Finalläufe in der Gold- und Silbergruppe. Die Haltener Crew erreichte am Ende Platz 46. Florian Tenk, der auf einem Duisburger Boot startete, belegte mit seiner Crew den 28. Platz in dem starken, mit Olympia-Teilnehmern, Weltmeistern und vielen Kaderseglern gespickten Teilnehmerfeld.

Halterner ziehen positives Fazit

“Ich bin eigentlich nicht so der Wettkampftyp, aber die Fahrten bei Starkwind um 6 Beaufort haben mich schon begeistert“, gibt Römmer zu. Das findet auch Florian Tenk, der im Duisburger Team auf einem ehemaligen britisches Olympiaboot als Vorschoter viel Neues am Segel gelernt hat. „Wir haben sogar einmal auf der Gleitwelle unsere alten Herren überholt. So viel Wind und starke Wellen bin ich noch nie gesegelt“, erklärt er lächelnd.

Die detaillierte Auswertung der Trackingergebnisse zeigte später, dass die Halterner Crew teilweise zu weite Kurse gefahren ist. Dafür hat Gerd Tenk auch eine Begründung. „Das lag sicher an unserer noch mangelnden Erfahrung“, erklärt er und stellt weiter fest: „Wir haben in der Praxis auf dem Wasser viel gelernt und werden vor allem den Grundtrimm unseres Bootes und auch die Mast und Segelstellung noch weiter optimieren.“

In Summe ziehen die Halterner ein sehr positives Fazit und wollen auf jeden Fall im nächsten Jahr erneut die Qualifikation für die nächste WM, welche dann in Slowenien stattfindet, fahren.

Yngling-Klasse

Der Yngling bekam seinen Namen von dem Norweger Jan Herman Linge der damals das Boot für seinen jugendlichen Sohn , den Yngling (Jüngling) baute. Diese taktische Bootsklasse wird im Wettkampf von einer 3 er Crew gesegelt und gilt durch spezielle Auftriebskörper im Heck und Bug für praktisch unsinkbar. Dank der durch die der ISAF streng überwachte Einheitsklasse finden man bei der WM sowohl neue und alte Boote auf den vordersten Rängen.

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Ist schon seit Jahren freier Mitarbeiter der Redaktion Haltern am See. Er fotografiert und berichtet über das lokale Geschehen und betreut die Serie „Das Sportporträt“. Darüber hinaus berichtet er in Wort und Bild über aktuelle sportliche Großereignisse im Outdoorbereich , wie Reitturniere, Laufveranstaltungen, Radrennen und Kartsport. Sein Spezialgebiet ist die Berichterstattung über Motorsport auf der Nordschleife des legendären Nürburgrings. Für die Dorstener Redaktion begleitet er dazu seit Jahren die heimischen Rennfahrer in der Langstreckenserie und beim Jahreshighlight, dem 24 Stunden Rennen.
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