Zuschauer, wie hier bei der Stadtmeisterschaft 2019 in Flaesheim, wird es in dieser Saison vielleicht trotz eines Re-Starts nicht mehr geben. Geisterspiele sind nicht ausgeschlossen. © Jürgen Patzke (Archiv)
Fußball

Halterner Vereine zu Geisterspielen: Nicht nur finanziell problematisch

Dem Amateurfußball drohen Geisterspiele. Wir haben bei Halterner Vereinen nachgefragt, ob das machbar wäre. Bei einigen werden sie nicht komplett ausgeschlossen, doch es gibt zwei Probleme.

Geisterspiele waren vor 12 Monaten noch die absolute Ausnahme im Fußball. Das Spielen vor leeren Rängen wurde selten als Bestrafung für Vereine nach einem Fehlverhalten genutzt. Seit der Corona-Pandemie ist das anders. Die Profis spielen nur noch ohne Zuschauer. Das droht nun auch dem Amateurfußball. Was sagen die Halterner Vereinsvertreter dazu?

Manfred Schnieders, Vizepräsident Amateurfußball des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) hatte in einer Konferenz mit Oberliga-Vertretern zuletzt erklärt, dass Geisterspiele im Amateurfußball möglich wären. Das sorgte für das frühzeitige Verlassen des wütenden Herne-Trainers Christian Knappmann.

Eintrittsgelder decken oft die Kosten für die Schiedsrichter

Im Live-Talk unseres Hauses zum Thema „Wann dürfen wir endlich wieder kicken?“ erklärte Schnieders dann noch mal, dass der Verband alle Szenarien diskutiere. „Wir sprechen das Thema Geisterspiele auch an, um der Politik etwas anbieten zu können“, sagte er.

Für Josef Teltrop, Vorsitzender des SV Lippramsdorf, wäre ein Re-Start ohne Zuschauer allerdings „nicht zielführend“. Ein Spieltag bringe den Verein zwar finanziell nicht stark weiter, doch „wir leben zum Teil auch von den Eintrittsgeldern“.

Diese würden dann aber auch direkt wieder benötigt werden, um beispielsweise die Schiedsrichter zu bezahlen. Der Verkauf von Getränken und Speisen im Vereinsheim sei noch wichtiger. Doch diese Einnahmen würde es dann natürlich auch nicht mehr geben.

Amateurfußball ohne Zuschauer? „Das ist doch dann langweilig“

Josef Teltrop sieht jedoch nicht nur ein finanzielles Problem. Vielmehr gehe es auch darum, dass der Amateurfußball nun mal vom Miteinander lebe. „Für die Spieler und Trainer ist es doch das Salz in der Suppe, vor Zuschauern zu spielen“, sagt er.

Wenn das ganze Drumherum fehlen würde, würde auch den Spielern auf dem Platz etwas wichtiges fehlen. „Wir würden uns wünschen, dass wieder vor Zuschauern gespielt werden kann“, sagt der LSV-Vorsitzende mit Blick auf die zukünftige Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

Ähnlich sieht es auch Albert Gerding, Vorsitzender von BW Lavesum. „Da halte ich persönlich nichts von“, sagt er über die Idee, die Amateurfußballer spielen zu lassen, aber keine Zuschauer zuzulassen. „Das ist doch dann langweilig“, so der Lavesumer.

Finanzielle Verluste, aber trotzdem machbar

Aber auch aus finanzieller Sicht sei das für die Blau-Weißen keine Option. „Das würde ich nicht sinnvoll finden“, sagt Gerding weiter. Anders könnte das beim ETuS Haltern aussehen. Ulrich Klebolte, dritter Vorsitzender und Fußball-Abteilungsleiter des Vereins, hält ein paar Spiele ohne Zuschauer für machbar.

Das liegt daran, dass bei vielen Spielen ohnehin nicht allzu viele Zuschauer da seien. „Die enormen Zuschauerzahlen haben wir eigentlich eher nur bei Derbys“, erklärt er.

Auch Norbert Schulte-Althoff, der Vorsitzende von Concordia Flaesheim, sieht Geisterspiele zwar nicht positiv, glaubt aber, dass ein paar zu stemmen wären. „In den Kreisligen bis zur Bezirksliga gleichen die Eintrittsgelder oft die Schiedsrichter-Kosten aus“, sagt er aber auch.

Wenn keine Zuschauer erlaubt sind, „wofür machen wir das dann?“

Und dann kämen natürlich noch Einnahmen durch Speisen und Getränke dazu. Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit „sind auf jeden Fall machbar, das würde dann aber zu Lasten der Kasse gehen“.

Ein Verlustgeschäft wären Geisterspiele auch für den TuS Haltern am See. „In der aktuellen Zeit würden wir mit Sicherheit finanzielle Verluste machen“, sagt der stellvertretende Vorsitzender Tobias Radas.

Die Zuschauerzahlen beim TuS schwanken teilweise, „es ist natürlich immer abhängig vom Gegner“. Doch eines ist klar: Normalerweise kommen zu den Oberliga-Spielen des Vereins die meisten Zuschauer in Haltern.

Daher würden Spiele ohne Zuschauer auch beim TuS Haltern am See keinen Sinn machen, so Radas weiter. „Und wofür machen wir das dann überhaupt?“ Eine Frage, die sich wahrscheinlich aktuell viele beim Blick auf einen möglichen Re-Start ohne Zuschauer stellen.

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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert
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