Halterns Weltmeister Benedikt Höwedes gibt Einblicke in sein Privatleben

hzFußball: Metropole statt Seestadt

Der Halterner Benedikt Höwedes, Fußballweltmeister von 2014, spielt aktuell für Lokomotive Moskau in der russischen Premjer-Liga. Doch wie ist das Leben, so weit entfernt von der Heimat?

Haltern

, 09.12.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem ihn der damalige Trainer Domenico Tedesco als Kapitän abgesetzt hatte, wechselte der Innenverteidiger 2017 von Schalke 04 zunächst zu Juventus Turin. Seit Juli 2018 spielt er für Lokomotive Moskau, wo er einen Vertrag bis 2022 besitzt. Im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland hat der ehemalige Schalke-Kapitän jetzt über die Probleme des Alltags und sein Leben in der russischen Metropole gesprochen.

Mit der russichen Sprache habe er noch Probeleme, gesteht Höwedes. „Da habe ich auf jeden Fall Übersetzungsbedarf, noch mehr als während meiner Zeit bei Juventus Turin. Leider lernt man Russisch ja nicht wie Italienisch in Deutschland beim Abendessen, weil man zum Italiener geht.“

Zum täglichen Training lasse er sich von einem Fahrer hinbringen, „da man in Moskau zu jeder Tag- und Nachtzeit im Stau steht.“ Er fahre aber auch mit der Metro oder dem Bus. „Ich habe die Metro direkt vor der Haustür, sie funktioniert großartig. Ich staune immer wieder, wie schön sie ist. Die Stationen sind quasi Kunstmuseen. Statt vor dem Fernseher sitze ich lieber in der Metro, schaue mir die Stadt an“, schwärmt der gebürtige Halterner.

Totaler Familienmensch

Insgesamt habe er sich „gut eingelebt.“ Aber es sei schwierig, dass seine Familie nicht die ganze Zeit bei ihm sein kann. Höwedes: „Ich bin totaler Familienmensch – zu Hause ist für mich, wo meine Familie ist. Aber ich sehe es auch als ­Chance, Land und Leute kennenzulernen. Es gibt hier alles, was man möchte, Museen, Parks, historische Gebäude, ich probiere gerne neue Restaurants aus oder erkunde Künstlerviertel.“

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Als er ankam, habe er ein Yogazentrum besucht, dass man ihm empfohlen hatte. „Da lernte ich direkt Leute kennen, durch sie wieder neue Leute. Das hat mir sehr geholfen, in dieser Stadt anzukommen.“ Auch, weil seine Frau in den ersten Wochen noch schwanger war und die beiden entschieden hatten, dass der Sohn im bekannten Umfeld statt in einer fremden Stadt zur Welt kommen sollte.

Gesellschaftspolitische Themen, die ihn bewegen, wie Umweltschutz oder Klimawandel, seien in Russland oftmals noch nicht bei der breiten Bevölkerung angekommen, erzählt der Fußballstar. „Umweltschutz muss auch von der Politik vorgelebt werden, und das geschieht hier zu wenig bis gar nicht. So werden viele Probleme nicht richtig angepackt.“

Kein Berufspolitiker

In den Supermärkten bekomme man eine Orange in einer Plastiktüte, die dann in eine andere Plastiktüte verpackt werde. „In den ersten Tagen in Moskau bin ich mit 50 Plastiktüten heimgekommen“, berichtet Höwedes. „Dann habe ich mir wiederverwertbare Einkaufstüten besorgt. Jetzt sehen mich die Russen mit großen Augen an: He, warum willst du jetzt keine Plastiktüte?“

Russland sei bei einzelnen Themen leider noch nicht auf dem westeuropäischen Niveau. „Es ist merkwürdig, wenn man ein Musikvideo guckt, zwei Frauen sieht, die sich küssen, und das dann mit einem Balken zensiert wird. Ich bin froh, dass wir in Deutschland bei den Themen weiter sind und ich Bekannten hier vor Ort erklären kann, warum das bei uns anders ist. Aber ich kann nicht bestimmen, wie es hier zu laufen hat.“ Er sei ein politisch engagierter Fußballer, aber kein Berufspolitiker - vor allem kein russischer, so Höwedes.

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