Höwedes hört auf: Der Profifußball verliert eine große Persönlichkeit

hzKommentar

Zwischenzeitlich war Benedikt Höwedes einer der besten Verteidiger Deutschlands. Schmerzhaft ist sein Karriereende für den Profifußball aber vor allem aus einem anderen Grund. Ein Kommentar.

Haltern

, 31.07.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es lag schon länger in der Luft, doch seit Freitagmittag, 31. Juli, ist klar: Benedikt Höwedes (32) verlässt die ganz große Bühne des Milliardengeschäfts Profifußball. Die Gründe für sein Karriereende sind nachvollziehbar und schlichtweg menschlich. Höwedes wird dem Fußball nicht aufgrund seiner sportlichen Fähigkeiten fehlen, sondern aufgrund seiner Persönlichkeit. Das Geschäft Profifußball muss von nun an auf einen seiner sympathischsten Akteure verzichten.

Sage und schreibe 455 Pflichtspiele hat Benedikt Höwedes seit der Saison 2003/2004, als er erstmals in der U19 des FC Schalke 04 eingesetzt wurde, bestritten (Quelle: Transfermarkt.de). Jahrelang gehörte er zum Stammpersonal des selbsternannten Kumpel- und Malocherklubs. Nach Manuel Neuers Wechsel zum FC Bayern München wurde er auch noch zum Kapitän ernannt. Spätestens da war der heute 32-Jährige das Gesicht des Gelsenkirchener Traditionsvereins.

Benedikt Höwedes ist immer auf dem Boden geblieben

Dass er nun seine Karriere beendet, weil er mehr Zeit für seine Familie haben möchte, ist nicht nur nachvollziehbar, sondern voll und ganz glaubwürdig. In einer Welt voller Neymars, Pogbas und Co. wirkte Höwedes oft wie ein Gegenstück zu all den Fußballprofis, die mehr Engagement in ihre Social-Media-Accounts als in ihr Training investieren.

Wenn Benedikt Höwedes nun also sagt, „Geld ist mir nicht wichtig“, nimmt man ihm diese Aussage zu 100 Prozent ab. Gleichzeitig betont er aber auch, wie sehr er selbst vom Fußballgeschäft profitiert hat. Im Interview mit dem „Spiegel“ erzählt er von einem Sportwagen mit matter Folie und Alufelgen, den er sich am Anfang seiner Karriere zugelegt hatte. „Nach einigen Tagen war mir das Ding so peinlich, dass ich es zurückgegeben habe.“

Auch das zeigt, wie bodenständig der Junge aus Haltern, der im Spätsommer 2014 auf dem Halterner Marktplatz als frischgebackener Fußball-Weltmeister gefeiert wurde, immer geblieben ist. Und dass er sein Karriereende nun in einem Interview verkündet, in dem er ehrlich und offen über das Profigeschäft und seine Laufbahn spricht, ist ein weiterer Beweis dafür, dass Höwedes anders als so viele andere Fußballprofis ist. Er ist menschlich geblieben und nie abgehoben.

In dem Interview sagt er, dass er in Zukunft „bei meinem Heimatverein TuS Haltern ein bisschen mitspielen“ möchte. Ob in einer der beiden Seniorenmannschaften oder - wie er vor einiger Zeit schon angekündigt hatte - bei den Alten Herren, lässt er darin offen.

In der Mannschaft des TuS Haltern ist sicher noch ein Platz frei

Mein Kollege Daniel Winkelkotte hatte Benedikt Höwedes bereits im Juni zum Karriereende geraten. Nicht weil er an seinen sportlichen Fähigkeiten zweifelte, sondern weil Höwedes sich anderen Projekten widmen und wieder mehr Zeit für die Familie haben solle. Der Vorschlag damals: Sollte die Sehnsucht nach dem Ball doch zu groß werden, könnte der gelernte Innenverteidiger wirklich einfach bei den Alten Herren des TuS einsteigen.

Ich gehe nun aber noch einen Schritt weiter und sage: Lieber Benedikt Höwedes, nach einem großen Umbruch und dem Ziel, wieder mehr junge Talente auszubilden, könnte der TuS Haltern am See bestimmt noch einen Weltmeister und DFB-Pokal-Sieger in seiner Oberliga-Truppe gebrauchen. Der Weg vom Trainingsplatz bis nach Hause und zu deiner Familie wäre dann auch nicht ganz so weit wie von Moskau aus...

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