HSC-Spieler will mit drei Hosen und selbstgebautem Schläger zur Minigolf-WM nach China

hzMinigolf-WM-Titel

Robin Hettrich gibt nicht nur als Linksaußen des HSC Haltern-Sythen eine gute Figur ab. Er ist auch noch leidenschaftlicher Minigolfer. Und dort konnte er bereits zahlreiche Titel sammeln.

Haltern

, 24.05.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Es ist ein kühler Sonntagvormittag. Auf der Minigolf-Anlage im Sportpark Wanne-Eickel herrscht beim zweiten Spieltag der Bundesliga Nord reges Treiben - und doch ist es extrem ruhig. Nur ein paar vereinzelte Jubelschreie sind immer wieder zu hören. Robin Hettrich steht am sechsten von achtzehn Löchern. Der ganz in schwarz gekleidete 26-Jährige positioniert sich breitbeinige links neben seinem Ball. Die Konzentration ist ihm förmlich anzusehen. Mehrere Atemzüge vergehen, ehe er zum Schlag ausholt.

Sein Ball schafft es in der L-förmigen Bahn jedoch nicht um die Ecke, bleibt an einem Hindernis hängen. Ein leises „Junge, Junge“ geht Robin Hettrich über die Lippen, ehe er sich auf den zweiten Schlag konzentriert. „Eigentlich ist jedes Loch assbar“, erzählt er später. Er berät sich kurz mit einem Teamkollegen über seinen nächsten Zug. Dann das gleiche Prozedere wie beim ersten Schlag, nur diesmal ist der Ball drin. Hettrich holt zu einer Jubelfaust aus - nicht die letzte an diesem Tag.

HSC-Spieler will mit drei Hosen und selbstgebautem Schläger zur Minigolf-WM nach China

Laut wird Robin Hettrich auf der Minigolf-Anlage nur kurz, wenn er einen Ball im Loch versenkt. © Pascal Albert

Es ist ein krasser Kontrast zu dem, was Zuschauer sonst von Robin Hettrich in Haltern sehen. Denn meist sehen sie ihn in der Dreifachhalle am Schulzentrum als Linksaußen des HSC Haltern-Sythen. Die beiden Sportarten könnten vermutlich unterschiedlicher kaum sein. Auf der einen Seite der körperlich anstrengende und zweikampfbetonte Handball, auf der anderen Seite das extrem ruhige Minigolf. Doch Gemeinsamkeiten gibt es aber auch.

Jugend-Weltmeister im Einzel sowie im Team

Denn genau wie Handball, so ist auch Minigolf „ein reiner Teamsport“. Einzelspieler haben bei den Deutschen Meisterschaften oft Probleme, erzählt er. Denn im Team kann und wird sich immer wieder über die einzelnen Bahnen ausgetauscht. Auch die Bälle werden unter einander immer wieder getauscht. Auch im Sportpark Wanne-Eickel ist mehrfach zu beobachten, wie sich die Spieler Bälle zuwerfen. An diesem Sonntag ist Robin Hettrich erst der fünfte Spieler seines Teams, kann dadurch also auf die Erfahrungen von vier Teamkollegen zurückgreifen und auch besser auf mögliche Wetterwechsel reagieren.

Doch so verschieden Robin Hettrichs sportliche Hobbys dennoch sind, sie ergänzen sich überraschend gut, erzählt er. Die Konzentration, die er beim Minigolf entwickelt hat, helfe ihm beim Handball. Andersherum braucht er beim Minigolf „ordentlich Kondition, um die Konzentration aufrechtzuerhalten“. Diese Ausdauer hole er sich durch das Handballspielen. Als Beispiel nennt er ein Turnier in Sotschi im Sommer 2010. Da habe es eine gute Kondition gebraucht, um bei 30 Grad bis zum Ende konzentriert zu bleiben. Doch der Aufwand hatte sich damals für ihn gelohnt. In Russland wurde er sowohl im Einzel als auch im Team Jugend-Weltmeister.

HSC-Spieler will mit drei Hosen und selbstgebautem Schläger zur Minigolf-WM nach China

Robin Hettrich (l.) feierte in dieser Saison mit dem HSC Haltern-Sythen den Aufstieg in die Oberliga. © Schulte-Lünzum

Nicht der einzige Titel für den Objektmanager für Gebäudetechnik. 2006 wurde er als Schüler erstmals Deutscher Meister im Team. Ein Jahr später folgte dann die erste Deutsche Meisterschaft im Einzel. 2009 trat er in der Jugend-Klasse erstmals bei einer Europameisterschaft an. Im Einzel reichte es zwar „nur“ für die Silbermedaille, doch im Team holte er direkt Gold. Es folgten weitere Platzierungen unter den ersten Drei bei nationalen und internationalen Turnieren. Im vergangenen Jahr wurde er Deutscher Vize-Meister im Einzel.

„Ich hatte anscheinend etwas Talent dafür“

Bei all den Erfolgen kann es schon mal schwer fallen, zu sagen, welcher der schönste war. Und auch Robin Hettrich muss ein wenig überlegen. „Alles beim ersten Mal ist das Geilste“, sagt er dann. „Der Moment, wenn für dich die Hymne gespielt wird“ ist für den 26-Jährigen immer besonders, verrät er. „Wenn es durch ist und du weißt es, ist das schon emotional.“ Und er selbst bezeichnet sich sowieso als einen Spieler, der viel über Emotionen komme. „Damit pushe ich mich.“

Doch bevor es zu Hettrichs beachtlicher Titelsammlung kam, fing er klein an. „Ich habe 2001 angefangen“, erzählt er. Und es begann ebenfalls im Sportpark Wanne-Eickel. „Mit meinen Eltern habe ich immer wieder mal gespielt, sogar recht viel gespielt“, erinnert er sich. „Ich hatte anscheinend etwas Talent dafür“, sagt er und lacht. Und an einem Wochenende konnte er dann auf einmal nicht spielen.

Denn auf der Anlage fand ein Bundesligaspieltag statt. Dadurch wuchs sein Interesse am Minigolf nur noch mehr und schon bald war er Mitglied eines Vereins. 2003 trat er dann auch bei seiner ersten Deutschen Meisterschaft an - doch die lief noch nicht ganz so gut. Das hatte allerdings auch mit seinem Alter zu tun. Damals war Robin Hettrich erst zehn Jahre alt, die ältesten in der Schüler-Klasse waren 15.

Nur 25 Schläge für 18 Löcher

Das ist bereits 16 Jahre her. Und nun stand er mal wieder auf der Minigolfanlage in Wanne-Eickel. Mit der ersten Mannschaft des MGC Dormagen-Brechten sammelte er wichtige Punkte in der Bundesliga Nord. Insgesamt gibt es in der obersten Minigolfliga fünf Teams, darunter auch die zweite Mannschaft von Dormagen-Brechten. Alle Mannschaften treten an jedem Spieltag gleichzeitig an. Pro Team gibt es sieben Spieler, wobei einer bereits im Vorfeld als Ersatzspieler bestimmt wird. Drei Spieler aus verschiedenen Mannschaften starten dann immer gemeinsam ihre Runde über die Anlage. Am Ende jeder Runde werden die gesamten Schläge pro Mannschaft zusammengezählt, dann gibt es bis zu acht Punkte für die Teams zu holen.

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Im Normalfall werden vier Runden gespielt, am zweiten Spieltag in Wanne-Eickel reichte die Zeit am Ende aber nur für drei. Nach einem dritten Platz am ersten Spieltag, konnte sich Robin Hettrich mit seinem Team im Sportpark den zweiten Platz sichern. In der ersten Runde holten sie die maximalen acht Punkte - Robin Hettrich brach mit nur 25 Schlägen sogar den Streckenrekord. Nach den vier Spieltagen qualifizieren sich die besten drei Teams für die Deutsche Meisterschaft, bei der dann auch die drei Besten aus der Bundesliga Süd antreten.

„Ich bin wahrscheinlich einer, der viel zu wenig spielt“

Doch wie bereitet sich der 26-Jährige überhaupt auf ein solches Bundesligaspiel vor? „Man muss trainieren, um Routine zu haben“, erklärt er. Daher sei die Vorbereitung auf die meisten Spiele auch schwierig. Denn „für den Spieltag bringt mit das Training nur auf dem jeweiligen Platz was“. Ist die Anlage, auf der die kommenden Runden ausgetragen werden, nicht mal eben so erreichbar, bringe es auch nichts, auf einer anderen zu üben. Doch wenn es möglich ist, trainiere er „drei Tage für einen Bundesliga-Spieltag“.

Insgesamt, so schätzt er, nimmt er im Jahr an etwa neun Turnieren teil. „Ich bin wahrscheinlich einer, der viel zu wenig spielt“, gesteht er. Internationale Turniere sind in seiner Rechnung allerdings noch nicht miteinberechnet. Diese seien ja auch nicht schon lange im Voraus planbar. Seit 2012 war Robin Hettrich nun schon nicht mehr mit den Herren international unterwegs. Das soll sich 2019 aber wieder ändern. „Ich möchte dieses Jahr nach China zur WM“, verrät er. Um sich dafür wieder ins Rampenlicht zu spielen, will er „jedes Turnier mitnehmen“ und sich in guter Form präsentieren.

Welche Sportart macht mehr Spaß?

Denn gerade die internationalen Reisen sind etwas Besonderes, erzählt er - und das war auch schon zu Beginn seiner Karriere so. „Alle fanden Minigolf in der Schule langweilig“, erinnert Hettrich sich. Doch während seine Mitschüler im Unterricht saßen, verbrachte er dann hin und wieder einige Tage im Ausland. „Internationale Reisen haben den Reiz auch ausgemacht“, sagt er.

HSC-Spieler will mit drei Hosen und selbstgebautem Schläger zur Minigolf-WM nach China

Mit 25 Schlägen bricht Robin Hettrich am zweiten Bundesligaspieltag den Bahnrekord in Wanne-Eickel. © Pascal Albert

Doch was macht dem 26-Jährigen mehr Spaß, Handball oder Minigolf? Robin Hettrich überlegt kurz und entscheidet sich dann für den Hallensport: „Ich glaube Handball.“ Aber Minigolf, betont er, könne er ja auch noch deutlich länger spielen als Handball. Tatsächlich gehört der Linksaußen des HSC an diesem Sonntag in Wanne-Eickel noch zu den jüngeren Spielern auf der Anlage.

Drei Hosen für die richtige Balltemperatur

Dafür kann Minigolf aber auch schnell der deutlich teurere Sport sein. „Die Bälle sind mittlerweile ziemlich teuer geworden“, erzählt Hettrich. Als er anfing, erinnert er sich, habe ein einzelner Ball bereits um die 13 Euro gekostet - nun sind es 18 Euro. Auf circa tausend Bälle schätzt er seine über die Jahre immer größer gewordene Sammlung. Doch damit ist er „weiß Gott nicht der Schlimmste“, sagt er. Fast jeder Ball ist unterschiedlich. Ein einzelnes Gramm mehr oder weniger könne schnell entscheidend sein.

Auch die Temperatur des Balles sei wichtig. An diesem Bundesligaspieltag trägt er drei Hosen. Seine einzelnen Bälle hat er auf verschiedene Hosentaschen verteilt. Dadurch kann er sie verschieden temperieren. „Die Bälle verhalten sich komplett anders“, erklärt er. Neben den Bällen ist auch der Schläger entscheidend. „Jeder baut sich den selber“, erzählt Hettrich. Dabei gehe es vor allem um die Dicke des Gummis.

„Es ist ein teurer Sport“, gibt er zu. Der Verein zahle zwar in der Regel das Hotel, doch auch dort gebe es immer ein Stück weit einen Eigenanteil. Hinzu kommen dann noch die Fahrtkosten - und natürlich die Ausrüstung.

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