Von der Bundesliga zum TuS Haltern: Noah Korczowski will „auch gar nicht mehr weg“

hzFußball: Regionalliga

Der gebürtige Marler erzählt im Interview von seinem ersten Bundesligaspiel, der WM-Teilnahme mit der deutschen U17-Nationalmannschaft und warum er zum TuS Haltern gewechselt ist.

Haltern

, 18.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Drei Kurzeinsätze hat Noah Korczowski 2012 in der Ersten Bundesliga für den 1. FC Nürnberg bestritten. Mit dem FC Schalke 04 wurde er einige Monate zuvor Deutscher A-Jugend-Meister. In der kommenden Saison schnürt der inzwischen 25-Jährige seine Fußballschuhe für den TuS Haltern. Im Interview erzählt der Innenverteidiger, wo er selbst seine Stärken sieht und wie zufrieden er mit seiner eigenen sportlichen Laufbahn ist.

Noah, Sie waren in der vergangenen Rückrunde Stammspieler bei RW Essen, dem Tabellenachten der Regionalliga West. Warum haben Sie sich nun für den Wechsel zum TuS Haltern entschieden?

Wir haben schon vor einem Jahr zusammengesessen und überlegt, ob man den Schritt geht. Der TuS ist ein Fußballverein, der sehr seriös geführt wird. Das ist leider nicht bei jedem Oberligisten so. Ich wohne schon seit einem halben Jahr in Haltern. Wenn du einen Regionalligisten vor der Tür hast, wärst du ja blöd, das nicht in Betracht zu ziehen. Ich möchte auch gar nicht mehr weg. Für mich war Haltern die beste Option im Sommer.

Halterns Sportlicher Leiter Sascha Kopschina sagte, dass Sie in der vergangenen Saison bereits einige Spiele des TuS gesehen hast. Was gefiel Ihnen am besten?

Ich war vor zwei Jahren schon ab und zu gucken. Und letzte Saison auch. Das ist ja direkt vor der Haustür. Als Außenstehender kann ich sagen, dass das eine gute Truppe ist. Die Stimmung ist gut, das merkt man auf dem Platz.

Sie haben bereits 154 Spiele in verschiedenen Regionalligen absolviert. Inwieweit können Sie der Mannschaft auch mit Erfahrung helfen?

Ich kenne die Regionalliga West ganz gut. Und generell kenne ich das Niveau in der Regionalliga gut. Gerade Spiele wie in Essen vor einigen tausend Zuschauern werden sicher neu für einige Spieler sein. Da kann ich dann sagen, dass sie es einfach genießen sollen. Das sind die Spiele, die am meisten Spaß machen.

Was sind Ihre Ziele für die kommende Spielzeit - sowohl persönlich als auch mit dem TuS Haltern?

Ich möchte so viele Spiele wie möglich machen. Als Spieler will man natürlich immer möglichst viele Minuten sammeln. Der Verein hat zuletzt immer einen Schritt nach vorne gemacht. Das wird in dieser Saison brutal schwer. Ich denke, diese Saison ist es als Aufsteiger eines der schwersten Jahre.

Können Sie sich vorstellen, auch in der Oberliga weiterhin in Haltern zu spielen?

Ich habe für zwei Jahre unterschrieben. Es ist egal, ob Oberliga oder Regionalliga. Wir waren ja auch schon im letzten Jahr in Gesprächen, als der TuS noch in der Oberliga gespielt hat.

In der vergangenen Saison haben Sie in 30 Regionalligaspielen nur vier Gelbe Karten gesehen. Für einen Verteidiger eine ziemlich gute Statistik. Wo sehen Sie selbst Ihre Stärken?

Ich glaube, ich habe ein gutes Zweikampfverhalten, versuche immer alles fair zu lösen. Ich bin ein ruhiger Spieler und versuche immer, einen kühlen Kopf zu bewahren. Zwei oder drei Tore mehr in der Saison würden mir aber noch ganz gut zu Gesicht stehen.

Sie waren 2012 Deutscher A-Jugend-Meister mit dem FC Schalke 04, debütiertest dann im November für den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg. Was war der bislang schönste Moment Ihrer Karriere?

Den einen schönsten Moment rauszusuchen, ist schwierig. Die drei Kurzeinsätze in der Bundesliga waren toll. Es ist so ein bisschen das, was man sich immer erträumt hat. Auch die A-Jugend-Meisterschaft war super. Und auch die U17-WM in Mexiko (2011, Anm. d. Red.) war eins der Highlights. Das war auch das erste Mal, dass man vor Zuschauern gespielt hat. In jedem Verein gibt es aber immer schöne Momente.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie zum ersten Mal in der Bundesliga eingewechselt wurdest?

Erst mal war ich ein bisschen überrascht. Es war schön, dass der Trainer einem Vertrauen schenkt. Natürlich ist man nervös, wenn man reinkommt. Aber das blende ich alles auf dem Platz aus. Es ist ja ein normales Fußballspiel, was halt im Fernsehen übertragen wird. Ein Spiel wie jedes andere.

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Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern aus der damaligen A-Jugendmannschaft?

Ab und zu schreibt man sich mal, aber mit den Jahren verblasst der regelmäßige Kontakt ein wenig.

Einige deiner damaligen Teamkollegen von Schalke spielen heute in der Bundesliga oder der englischen Premier League. Sie spielen bislang vornehmlich in der Regionalliga. Wie bewerten Sie ihre eigene sportliche Laufbahn?

Ich freue mich für jeden, der es schafft. Dass es nicht jeder schaffen kann, ist klar. Ich bin aber auch nicht böse drum. Vor zwei, drei Jahren habe ich mich ein wenig umorientiert und mit einem BWL-Studium angefangen. Irgendwann hat man im Kopf: Das wird doch nichts mehr. Und irgendwann gibt es auch andere Sachen als Fußball. Alles hat Vor- und Nachteile. In der Bundesliga verdient man zwar viel mehr Geld, aber dafür kann man auch nicht mal eben einkaufen gehen, ohne angesprochen zu werden. Ich bin zufrieden damit, wie es jetzt ist.

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