Julian Göcke (l.) beendet im Sommer seine Karriere nach 24 Jahren beim TuS Haltern am See. © Jürgen Patzke (Archiv)
Fußball

Karriereende nach 24 Jahren beim TuS Haltern: Julian Göcke hört im Sommer auf

Gesundheitliche Gründe hatte die Entscheidung, mit Anfang 30 aufzuhören, nicht, verrät Julian Göcke vom TuS. Vielleicht wird er kommende Saison aber trotzdem noch ein letztes Mal spielen.

Es gibt Spieler, für die scheint der Begriff „Vereinstreue“ erfunden worden zu sein. Einer von ihnen beendet nun seine Karriere. 24 Jahre lang spielte Julian Göcke für den TuS Haltern am See. Zwischenzeitlich gab es auch mal Angebote von höherklassigeren Vereinen, doch wechseln wollte der 31-Jährige aus einem einfachen Grund nie.

„Im Sommer ist Schluss bei mir“, sagt Julian Göcke. Es sei ein etwas längeres Hin und Her gewesen, ehe er sich nun endgültig entschieden hatte, in wenigen Monaten seine Karriere zu beenden. Schon im vergangenen Jahr habe er sich immer wieder mal Gedanken darüber gemacht, die Entscheidung fiel aber erst jetzt, während des zweiten Lockdowns.

24 Jahre lang ging Julian Göcke für den TuS Haltern auf Torejagd.
24 Jahre lang ging Julian Göcke (r.) für den TuS Haltern auf Torejagd. Im Sommer ist Schluss. © Juergen Patzke © Juergen Patzke

„Jetzt, da man wegen Corona in einer längeren Pause drinsteckt, lernt man wieder andere Seiten des Lebens mehr zu schätzen“, erklärt Göcke. Vor allem die Freunde und Familie wieder mehr sehen zu können, sei ein Grund für seine Entscheidung gewesen.

„Und ich kann auch flexibler in meinem Alltag sein, weil ich nicht mehr die festen Termine habe.“ Freitagabende und Sonntage seien in der Vergangenheit immer geblockt gewesen – zum einen für das Abschlusstraining, zum anderen für das sonntägliche Ligaspiel.

„Es ist doch schön, nicht als halber Fußballinvalide aufzuhören“

Durch die Pandemie und die fußballfreie Zeit „erkennt man dann irgendwann, dass man in dieser Zeit auch viele andere schöne Sachen machen kann“. In der aktuellen Zeit habe er gemerkt, „dass ich es nicht so sehr vermisse, wie ich sollte“, sagt der Stürmer.

Wäre das anders gewesen, hätte er sich noch nicht für ein Karriereende entschieden. Körperlich fit wäre er auf jeden Fall noch, um seine Laufbahn fortzusetzen. „Ich hatte überhaupt keine ernsthaften Verletzungen“, so Julian Göcke über die vergangenen Jahre.

Dass er nun aus freien Stücken aufhören kann und nicht von seinem Körper dazu gezwungen wird, sei gut. „Es ist doch schön, nicht als halber Fußballinvalide aufzuhören“, sagt er.

Die meisten Tore musste Julian Göcke „nur noch über die Linie drücken“

Mit 31 Jahren sei er jetzt in einem Alter, in dem er aufhören könne. Zwar spielen viele noch länger Fußball, „aber mit 31 ist man ja schon einer der älteren im Herrenbereich“, sagt er lachend und fügt dann noch an: „Vor allem in unserer Mannschaft.“

Denn Göcke gehört schon zu den Routiniers im Team B des TuS Haltern am See. Auch im Team A, für das er in dieser Saison sein Oberliga-Debüt feiern konnte, gehört er neben Stefan Oerterer und Nils Eisen, der ebenfalls im Sommer aufhört, zu den Ältesten.

188 Ligatore hat er im Laufe seiner Karriere im Seniorenbereich für den TuS erzielt. Zuletzt konnte er sich deswegen noch über eine Kiste Bier freuen, die er bei einer Wette über die Anzahl seiner erzielten Tore gewinnen konnte.

Wegen seinem nahenden Karriereende habe er umso mehr wissen wollen, wie viele Treffer es am Ende denn wirklich waren, erzählt er. „Man will ja schon wissen, was man am Ende erreicht hat“, so Göcke.

An den meisten seiner Treffer, sagt der 31-Jährige, hätten seine Mitspieler einen großen Anteil gehabt. „Von den Toren habe ich wahrscheinlich 80 Prozent nur noch aus fünf Metern über die Linie drücken müssen“, erklärt er mit einem Lachen.

Seit der F-Jugend kickt der Halterner für den TuS. 12 Jahre spielte er für den Verein in der Jugend, danach folgte der Schritt zu den Senioren, für die er ebenfalls 12 Jahre lang auf dem Platz stand. „Ich habe nicht einmal woanders gespielt“, sagt er stolz.

Göcke brachte es nie übers Herz, den TuS Haltern zu verlassen

Zwischendurch habe es auch mal einige andere interessierte Vereine aus höheren Ligen gegeben, aber mit einem Wechsel beschäftigte er sich nie wirklich. „Ehrlich gesagt wollte ich immer einfach mit meinem Freunden spielen“, so Göcke. „Der Aspekt Freundschaft war mir immer wichtig.“

Im Laufe der Jahre seien aus vielen Mannschaftskollegen gute Freunde geworden, erzählt er weiter. „Deswegen habe ich es nie übers Herz gebracht, woanders hinzugehen.“

Zumindest ein letztes Mal würde er mit seinen Freunden und Teamkollegen gerne noch mal auf dem Platz stehen. „Es wäre mega cool, wenn ich mich auf dem Platz verabschieden könnte“, sagt er. Ohne ein letztes Spiel von der Bildfläche des Amateurfußballs zu verschwinden „wäre ein bisschen unbefriedigend“.

„Ganz ohne Fußball wird´s nicht gehen“

Dass er in dieser Saison noch mal auf dem Platz stehen kann, glaubt Julian Göcke allerdings nicht. „Und ich glaube auch, dass es richtig wäre, wenn die Saison abgebrochen werden würde“, sagt er.

Dennoch wünscht er sich einen Abschied auf dem Fußballplatz. „Vielleicht darf ich ja nächste Saison noch mal einen Mini-Abschieds-Einsatz absolvieren, für ein paar Minuten“, schlägt er vor. Sein Spielerpass wird auf jeden Fall beim TuS Haltern am See bleiben – damit er sich vielleicht zumindest in der kommenden Saison noch spielend verabschieden kann.

So ganz wird Julian Göcke dem Fußball und dem TuS in Zukunft aber wahrscheinlich nicht Lebewohl sagen. „Ich denke, ich werde irgendwann mal meinem Bruder unter den Arm nehmen und dann werden wir vielleicht mal zum Altherren-Training gehen“, sagt er. „Ganz ohne Fußball wird´s nicht gehen.“

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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert

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