Romario Wiesweg, hier noch im Trikot des TuS Haltern am See, wurde zuletzt zum großen Helden bei RW Ahlen. Er spielte im Kampf um den Klassenerhalt, obwohl er verletzt war. © Blanka Thieme-Dietel

Klassenerhalt mit Bänderrissen: Wiesweg wird in der Regionalliga zum Helden

Trotz einer Verletzung hat Romario Wiesweg, Ex-Halterner und -Vredener, RW Ahlen im Kampf um den Klassenerhalt geholfen. Als das Ziel erreicht schien, musste er überraschend noch mal ran.

Für Romario Wiesweg (26), ehemaliger Spieler des TuS Haltern am See und der SpVgg Vreden, waren die vergangenen Tage ein wilder Ritt. Dank einer starken Serie hat er mit Ahlen den kaum noch für möglich gehaltenen Regionalliga-Klassenerhalt gemeistert. Trotz einer Verletzung stand er im entscheidenden Spiel auf dem Platz und verabschiedete sich danach in den Urlaub, nur um noch mal trotz seiner Verletzung zurückzukommen.

Anfang Mai setzte es für die Rot-Weißen eine deutliche 1:6-Niederlage gegen die U23 des FC Schalke 04. Der Klassenerhalt, er rückte in immer weitere Ferne für die Ahlener. Doch im Anschluss an die Klatsche gegen die Bundesliga-Reserve drehte das Team von Wiesweg noch mal auf, gewann alle verbleibenden vier Ligaspiele.

„Schmerzen hatte ich auch kaum, also wollte ich unbedingt spielen“

Da die Saison in den Spielklassen unter der Regionalliga annulliert wurde und dadurch keine Mannschaften aufsteigt, stand seit einiger Zeit fest: Aus der Regionalliga West geht nur der Letzte runter. Somit musste Ahlen also nur ein Team hinter sich lassen.

Romario Wiesweg spielt auch in der kommenden Saison mit RW Ahlen in der Regionalliga West.
Romario Wiesweg spielt auch in der kommenden Saison mit RW Ahlen in der Regionalliga West. © Sascha Keirat (Archiv) © Sascha Keirat (Archiv)

Am Ende wurden es sogar drei. Gegen den SV Straelen machten die Ahlener den Klassenerhalt perfekt. Einige Tage zuvor, beim 2:0-Sieg gegen den späteren Absteiger Bergisch Gladbach erlitt Romario Wiesweg jedoch einen Riss des vorderen Außenbandes am Sprunggelenk. Ein weiteres Band, da waren sich die Ärzte sicher, war mindestens angerissen.

„Da kam dann die Frage auf, was wir machen“, erzählt der 26-Jährige. „Eine Option wäre eine vierwöchige Pause gewesen“, sagt er. Mitten in der Saison, da ist er sich sicher, hätte er sich sofort für diese Variante entschieden. Doch im Kampf um den Klassenerhalt auf den letzten Metern war Option zwei deutlich verlockender: Es irgendwie noch mal versuchen.

„Ich hatte auch mit meinem Trainer gesprochen und der sagte, wenn es irgendwie gehen würde, wäre es natürlich super“, erinnert sich der Verteidiger. In der Folge war er zwar jeden Tag beim Training, stand aber nie auf dem Platz. „Wir hatten mit den Physios alles versucht, was möglich war, um die Schwellung wegzukriegen.“

Am Montagabend, dem 31. Mai, wurde dann beim Abschlusstraining entschieden, dass Wiesweg spielen wird. „Ich hatte gesagt, dass die Schwellung fast komplett weg ist, Schmerzen hatte ich auch kaum, also wollte ich unbedingt spielen.“

Nach dem Sieg der Ahlener war die Erleichterung bei Wiesweg groß

Für das Spiel am darauffolgenden Tag wurde der lädierte Fuß mit Tape fixiert – ziemlich viel Tape, um genau zu sein. „Der Fuß war total fixiert, manche Bewegungen habe ich zwar noch gespürt, aber es war nichts Wildes“, so der Ex-Halterner und -Vredener.

„Ich kann auf jeden Fall spielen, ich weiß nur nicht wie lange“, habe er seinem Team gesagt. Letztendlich hielt er rund 80 Minuten durch und sah nach seiner Auswechslung den 3:1-Treffer seines Teamkollegen Gianluca Marzullo, der die letzten Sorgen der Ahlener verschwinden ließ.

„Die Erleichterung war groß“, erzählt er. Die Mannschaft habe im Anschluss auch ein wenig gefeiert. Direkt danach verabschiedete sich Wiesweg aufgrund seiner Verletzung vorzeitig in den Urlaub, der jedoch schnell wieder endete.

Plötzlich bestand wieder die Chance, dass Ahlen doch noch absteigt

„Am nächsten Tag saß ich im Garten und las in der Zeitung vom Einspruch von Essen und Bergisch Gladbach und dachte, ‚das kann doch jetzt nicht wahr sein‘“, so der Ahlener.

Romario Wiesweg, hier noch im Trikot der SpVgg Vreden, wechselte im vergangenen Sommer vom TuS Haltern am See zu RW Ahlen.
Romario Wiesweg, hier noch im Trikot der SpVgg Vreden, wechselte im vergangenen Sommer vom TuS Haltern am See zu RW Ahlen. © Sascha Keirat (Archiv) © Sascha Keirat (Archiv)

Zum Hintergrund: RW Essen und der SV Bergisch Gladbach haben Einspruch gegen die Wertung der Spiele gegen Meister Borussia Dortmund II eingelegt, nachdem die Parten wegen einiger Corona-Fälle in der BVB-Mannschaft verlegt worden waren.

Noch immer ist nicht klar, ob dem Einspruch stattgegeben wird. Sollte das der Fall sein, würde Bergisch Gladbach drei Punkte am Grünen Tisch gewinnen. Um dann nicht vom Tabellenschlusslicht überholt zu werden, brauchten die Ahlener noch mindestens einen Punkt.

„Das war eine Achterbahnfahrt“, sagt Romario Wiesweg über seine Stimmung in diesen Tagen. „Wir wussten nicht, wie wahrscheinlich es ist, dass sie noch die drei Punkte kriegen.“ Schnell entschied er sich in Abstimmung mit seinem Trainerteam, auch die letzte Partie trotz seiner Verletzung zu bestreiten.

„Im Nachhinein ist es gutgegangen, aber ganz risikofrei war das nicht“

„Für mich war klar, dass ich mich da bereitstelle“, erklärt er, „ich wollte unbedingt helfen“. Gegen den VfB Homberg wurde es am Ende ein einigermaßen entspanntes Spiel. Zur Halbzeit führte Ahlen mit 1:0 und war dank einer Roten Karte einer mehr auf dem Platz.

Wenige Minuten nach dem 3:0 hatte sich Wiesweg dann auswechseln lassen. Erneut hielt er trotz des Bänderrisses über 80 Minuten lang durch. „Im Nachhinein ist es gutgegangen“, sagt er, „aber ganz risikofrei war das nicht“.

Folgeschäden hat er scheinbar aber keine zu befürchten. Seine Ärzte sind zufrieden mit seinem Fuß, der Heilung steht nun nichts mehr im Wege. „Mir wurde aber auch gesagt, dass ich es aus ärztlicher Sicht lieber nicht hätte machen sollen“, sagt der Held von RW Ahlen. Um seiner Mannschaft zu helfen, war er aber eben bereit, auch über seine Grenzen zu gehen.

Auch in der kommenden Saison wird Romario Wiesweg für RW Ahlen alles geben. Seinen Vertrag hatte der Verteidiger schon im März verlängert, erzählt er. Nun wird er aber erst mal ein paar Wochen nicht mehr spielen, Urlaub machen und sich auskurieren. Zum Trainingsstart Anfang Juli, vermutet er, wird er dann wieder dabei sein können.

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Pascal Albert

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