Lars Hartmann - Tennistrainer mit Meistertitel

hzDas Sportporträt

Tennis ist für Lars Hartmann ein „Spiel im Kopf, bei dem du selbst der größte Gegner bist“. Der Tennislehrer des Halterner TC hat diesen Kampf eindrucksvoll gewonnen.

Haltern

, 16.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Lars Hartmanns Tenniskarriere begann mit etwa sieben Jahren beim TuS WE Lügde, einem kleinen Verein im Lippe-Kreis. Nach fünf Jahren wechselte er zum TC Bad Pyrmont, weil er dort bessere Trainingsmöglichkeiten bekam. Sein wohl entscheidender Karriereschritt folgte zwei Jahre später mit dem Wechsel zum TC BW Lemgo, wo er sich mit noch besseren Spielpartnern rund vier Jahre kontinuierlich weiter entwickelte. Mit viel Fleiß und Ehrgeiz spielte er sich im Verein unter seinem Trainer Jochen Schlieker immer weiter hoch und wurde 2012 in die erste Herrenmannschaft des Vereins aufgenommen. Damit hatte er auch sein erstes persönliches Ziel erreicht.

Der Trainer führte ein hartes Regime, aber ich habe viel von ihm gelernt“, erinnert sich Hartmann an die Zeit in Lemgo. Viermal die Woche fuhr ihn sein Opa zum Training. Hausaufgaben wurden im Auto gemacht.

2015 begann Hartmann dann sein Lehramtsstudium in Göttingen und wechselte zum räumlich näher gelegenen DTH Hameln. Mit dem Team stieg er bis in die Oberliga auf und entschied sich nach seinem Referendariat als Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte, beruflich auf den Tennissport zu setzen.

In der Rangliste abgerutscht

Durch die Arbeit als Trainer fehlte ihm allerdings die Zeit, um selbst aktiv Turniere zu spielen, und so rutschte er im DTB-Ranking zurück auf etwa Position 500. Das vertrug sich aber nicht mit seiner Vorstellung von einem guten Trainer und er begann wieder mit einem intensiven persönlichen Training, mit dem klaren Ziel in der Rangliste weiter nach oben zu kommen. Das gelang ihm auch ,und nach Gesamtsiegen bei den Ranglistenturnieren in Sundern und Leverkusen stand er bald wieder auf Platz 263 und bei den Herren 30 auf Platz 27.

Dies blieb nicht unbemerkt und so erhielt Hartmann einen Anruf vom Westfälischen Tennisverband (WTV), der ihn für das Verbandsteam nominieren wollte, das zu den Deutschen Meisterschaften gemeldet wurde. Für Hartmann war klar: „Da musst du mitmachen, so oft werden die sich nicht mehr melden.“

Endspielgegner war scheinbar übermächtig

Die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften der Jungsenioren sind nach dem langjährigen Ehrenpräsidenten des Deutschen Tennis Bundes Franz Helmis benannt. Auf der Anlage des RTHC Bayer Leverkusen traf das neuformierte westfälische Team im September 2018 im Halbfinale auf die Gastgeber vom Mittelrhein und setzte sich knapp mit 5:4 durch.

Vor dem Finale hatte Lars Hartmann ein etwas komisches Gefühl, weil die Herren bis dato noch nicht so viel zum Erfolg beigetragen hatten. Doch im Endspiel gegen das Team Niederrhein sollte sich das Blatt wenden. Nach einem Herren- und drei Damensiegen war ihm beim Stand von 4:1 klar: „Wenn ich jetzt gewinne, sind wir schon deutscher Meister.“ Hartmann musste allerdings gegen Jens Janssen, die Nummer acht der deutschen Herren 35-Rangliste, antreten und das war eine wahre Herkulesaufgabe. Janssen war zu Beginn fast übermächtig und Hartmann sagt: „Der hat mich glatt an die Wand gespielt.“ Doch zusammen mit Manon Kruse, die ihn von der Bank aus coachte, fand er einen taktischen Schlüssel, um Janssen zu knacken.

„Bring einfach jeden Ball irgendwie zurück und mach selbst keine Fehler mehr“, lautete fortan seine Strategie. Das zeigte schnell Wirkung und Hartmann erkannte: „So geht’s.“ Es kostete zwar viel Kraft, bei der Hitze jeden Ball zu erlaufen, aber seine Fitness und der unbedingte Wille zum Sieg waren sein Motor. „Plötzlich war ich in meinem Spiel und alles lief wie auf Autopilot.“

Verloren geglaubten Satz gedreht

Hartmann drehte den schon verloren geglaubten ersten Satz und gewann ihn 7:5. Im zweiten Durchgang hatte er dann beim Stand von 5:4 den ersten Matchball. Es wurde wieder ein langer Ballwechsel und Hartmann dachte: „Ich werde einfach nur einen einzigen Schlag mehr als er ins Feld bringen.“ Und so kam es. Hartmann riss die Arme hoch, ging ans Netz und nahm die Glückwünsche seiner hoch motivierten Mannschaft entgegen. „Im ersten Moment war ich total stolz, merkte aber sofort, wie wichtig es ist, wenn das gesamte Team dahintersteht und mitfeiert.“

Der Titelgewinn war Lars Hartmanns absolutes sportliches Highlight und am Ende auch die Bestätigung der eigenen Bemühungen, selbst wieder aktiv zu spielen. Für den 30-Jährigen ist Tennis „ein Spiel im Kopf, bei dem der größte Gegner du selbst bist“.

Für das neue Jahr hat er sich auch schon ein klares Ziel gesetzt: „Jetzt will ich auch deutscher Einzelmeister in meiner Klasse werden.“

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