Magnus Niemöller: „Die Spieler waren genauso enttäuscht wie ich als Trainer“

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Magnus Niemöller ist einer der erfolgreichsten Trainer im Kreis. Bis Ende Mai trainierte er den TuS Haltern. Im Interview spricht er über sein Aus beim TuS und die Zeit ohne Fußball.

von Olaf Nehls

Haltern

, 21.11.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Als der TuS Haltern am See im Mai völlig überraschend die Entlassung seines Erfolgstrainers Magnus Niemöller bekannt gab, wollte sich der Waltroper lange nicht dazu äußern. Mit etwas Abstand blickt er nun auf seine fast 30-jährige Trainerlaufbahn zurück und spricht im Interview auch über seine Zukunftspläne und das Aus beim TuS Haltern am See.

Insgesamt dreimal hat er als Trainer sportlich den Regionalliga-Aufstieg geschafft, einmal mit dem TuS, zweimal mit der Spvgg. Erkenschwick. Beide Klubs führte er als Coach auch in die Oberliga Westfalen. Mit der Erkenschwicker U19 hat Magnus Niemöller zudem zweimal in der Junioren-Bundesliga gespielt. Ohne Übertreibung gilt der heute 47-Jährige in den 2000er-Jahren zu den erfolgreichsten Trainern im Kreis Recklinghausen.

Magnus Niemöller, wie geht’s denn so ohne „König Fußball“?

Danke der Nachfrage. Es geht mir wirklich richtig gut. Vor einem Jahr habe ich mich in diesen Tagen noch um die Zusammenstellung der Halterner Mannschaft für die Rückrunde gekümmert. Das jetzt nicht tun zu müssen, fällt mir nicht schwer.
Stattdessen hab‘ ich endlich mal Zeit für Freunde und Familie. Ich kann den Abstand vom Fußball sehr gut genießen, auch wenn mir viele immer unterstellen wollen, dass es mir nicht gelingt. Ich kann meinen Akku wieder aufladen und Kräfte freisetzen für neue Ideen und Reize.

„Für sie hat es mir am meisten leidgetan, wie der Verein das intern und öffentlich kommuniziert und umgesetzt hat.“
Magnus Niemöller

So ganz freiwillig kam die Auszeit vom Fußball ja nicht. Wie denken sie heute darüber, dass der TuS Haltern sich von ihnen getrennt hat, trotz gültigen Vertrags bis 2022 und obwohl sie der erfolgreichste Trainer der Vereinsgeschichte sind?

Genauso wie damals. Es ist das Recht und die Pflicht eines Fußballvereins, strategische Konzepte neu zu denken und eine zukunftsträchtige Basis herzustellen.
Christoph Metzelder hat als Vereinsboss die Entscheidung getroffen, trotz Klassenerhalts freiwillig aus der Regionalliga abzusteigen und mit seinem Verein, einen neuen Weg einzuschlagen. Wenn dein Chef etwas anordnet, dann haben wir als Mitarbeiter damit umzugehen.

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Mal Hand aufs Herz: Wie enttäuscht waren Sie wirklich?

Im ersten Moment waren die Spieler verständlicherweise mindestens genauso enttäuscht wie ich als Trainer. Für sie hat es mir am meisten leidgetan, wie der Verein das intern und öffentlich kommuniziert und umgesetzt hat. Es kam bei uns schon ein wenig das Gefühl auf, dass wir uns für unseren jahrelangen Erfolg entschuldigen müssten und dafür den Preis bezahlen.
Die Spieler waren es schließlich, die mit dem Durchmarsch von der Westfalen- bis in die Regionalliga im Umfeld einen grandiosen Hype ausgelöst haben. Jeder einzelne Spieler, der daran mitgewirkt hat, verdient maximale Anerkennung.
Aber eine Zäsur, ob im sportlichen, beruflichen oder privaten Bereich, ist immer mit einem unterschiedlichen Meinungsbild verbunden. Heute kann ich die Gemengelage beim TuS Haltern besser einschätzen und kenne die Gründe für den Rückzug.

Haben Sie noch Kontakt zu ihren ehemaligen Spielern?

Selbstverständlich. Wir sind im regelmäßigen Austausch. Natürlich mit dem einen mehr, mit dem anderen eher weniger. Das ist ja auch ganz normal. Wir haben gemeinsam in den letzten zehn Jahren sehr viel erreicht. Diese Verbundenheit ist natürlich ausgeprägt.

Was ist das Erfolgsrezept des Trainers Magnus Niemöller?

Im Wort „Erfolg“ steht ja schon, dass etwas erfolgen wird. Ich habe meinen Spielern immer klar machen können, dass auch wir als Gruppe die Ursache für Erfolg sind. Ein Trainer muss eine starke Beziehung zum Team aufbauen.
Du musst ein Teamspieler, aber auch eine Führungsperson sein und den Erfolg vorleben. Dafür braucht es Geduld und immer Authentizität. Die Spieler enttarnen dich schnell, wenn du nur ein Schauspieler bist.

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Ist Erfolg planbar?

In bestimmten Bereichen ja, in anderen nur bedingt. Es ist beispielsweise schwer, einen Aufstieg zu planen. Aber die Entwicklung von Spielern und das Schaffen der nötigen Strukturen sind sehr wohl planbar. Bei der Auswahl der Spieler und der Zusammenstellung der Gruppe hatte ich bisher immer ein sehr gutes Gespür. Das zahlt sich dann aus.

„Ich erlaube mir, nicht darauf zu antworten. Sonst müsste ich ja jedes Gerücht kommentieren. “
Magnus Niemöller

Sie waren 14 Jahre Trainer bei der Spvgg. Erkenschwick, sind im Seniorenbereich dort sogar bis heute der „Rekordtrainer“. Hatten sie zu Beginn auch ein wenig Angst vor der Aufgabe?

Angst wäre ein schlechter Ratgeber gewesen. Respekt hingegen schon, denn ich wusste, was es bedeutet, eine Seniorenmannschaft in so einem Verein zu führen. Und die Erwartungen, die wir vor jeder Saison hatten, habe ich ja mit vorgegeben. Aber ich kenne die Spieler wie kein anderer. Also war mir klar, worauf ich mich einlasse.
Die Spvgg. ist Tradition pur und wir haben in den 14 Jahren, in denen ich dort aktiv war, gemeinsam viel erreicht. Ich freue mich sehr, dass es beim Verein zurzeit wieder gut läuft und hoffe, dass die Corona-Pause den prima Lauf nicht negativ beeinträchtigt. Aber meine beiden Ex-Kapitäne David Sawatzki und Christoph Kasak und die anderen Verantwortlichen werden das schon regeln.

Und wie sehen Sie die Entwicklung beim TuS Haltern nach dem freiwilligen Rückzug aus der Regionalliga? War es der richtige Schritt für den Verein?

Jeder Verein ist letztendlich für sich selbst verantwortlich. Ich habe bis in den Mai hinein von unseren Spielern, von den Verantwortlichen, aber auch von den Zuschauern jedenfalls ein großes Interesse an der Regionalliga gespürt. Ich finde es super, dass das Team noch von Spielern geprägt wird, die seit einigen Jahr im Klub sind.
Nils Eisen, Stefan Oerterer und Tim Forsmann, die letzten drei verbliebenen Aufstiegshelden, haben eine herausragende Qualität und sind das Herz dieser Mannschaft. Dazu sind noch einige Spieler gekommen, die von außen betrachtet sehr gut hineinpassen und das Gebilde festigen können.

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Ein Blick zurück. Gibt es Dinge, die sie heute anders machen würden?

Ich habe die tolle Zeit am Sportzentrum Nord, am Stimberg und am Stausee in all den Jahren nicht so genossen, wie ich es eigentlich hätte tun sollen. Wenn ich eines bereue, dann ist es das. Jede einzelne Saison war für mich auch eine sensationelle Lebenserfahrung.

Angeblich standen Sie vor dieser Saison vor einem Wechsel zum Regionalligisten VfB Homberg. Auch RW Ahlen soll zuletzt angefragt haben. Was ist dran an den Gerüchten?

Ich erlaube mir, nicht darauf zu antworten. Sonst müsste ich ja jedes Gerücht kommentieren. Aber ich bin überzeugt, dass mir die Pause vom Coaching so gut tut, dass ich die Freude am Coaching wiederfinden werde.

Was wird sportlich die nächste Aufgabe für Magnus Niemöller sein?

Ich denke, dass man es spürt, wenn das ,Richtige‘ kommt. Ich bin daher nach allen Seiten offen.

Zur Person Magnus Niemöller

  • In der EII bei seinem Heimatverein Teutonia SuS Waltrop hat Magnus Niemöller 1992 als 18-Jähriger seine Trainerlaufbahn gestartet, schaffte dort später als U19-Trainer von 1997 bis 2000 den Durchmarsch von der Kreis- bis in die Westfalenliga.
  • 2002 wechselte er zur Spvgg. Erkenschwick, trainierte zunächst die U17 in der Landesliga, übernahm ein Jahr später aber schon die U19 in der Westfalenliga, für die er bis zur Saison 2011/2012 als Cheftrainer verantwortlich war.
  • Zweimal holte der Spvgg.-Nachwuchs unter Niemöllers Leitung die Meisterschaft in der A-Junioren-Westfalenliga (05/06 und 09/10) und stieg in die Junioren-Bundesliga West auf, was noch keiner Jugendmannschaft aus dem Kreis zuvor gelungen war oder danach gelungen ist.
  • Zur Saison 2011/2012 wechselte Niemöller als Trainer in den Seniorenbereich, übernahm die Spvgg. in der Westfalenliga und führte sie direkt als Vizemeister zum Aufstieg in die Oberliga Westfalen, wo sich der Traditionsverein sportlich zweimal (13/14 und 15/16) sogar für die Regionalliga qualifizieren konnte, auf einen Aufstieg aber verzichtete.
  • Von 2016 bis Juni 2020 trainierte der Waltroper die Senioren des TuS Haltern, führte die erste Mannschaft von der Westfalen- in die Regionalliga West, wo in der abgebrochenen Saison der Klassenerhalt geschafft wurde.
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