Neue Strategie beim TuS: „Dann nehmen wir auch einen Abstieg in Kauf“

hzFußball: Regionalliga

Der TuS Haltern will mit einer neuen Strategie wieder mehr auf Halterner Talente setzen. Im Interview spricht Marketingchef Raphael Brinkert über die möglichen sportliche Konsequenzen.

Haltern

, 30.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Zukunft hat sich der TuS Haltern am See vorgenommen, wieder vermehrt auf Talente aus den eigenen Reihen zu setzen. Schon in der kommenden Saison sollen die Kader der Seniorenmannschaften zu 50 Prozent aus Spielern bestehen, die aus Haltern kommen, dort leben oder aus der TuS-Talentschmiede kommen. Marketingchef Raphael Brinkert erklärt im Interview, was sich der Verein von dem Strategiewechsel verspricht und was die möglichen sportlichen Konsequenzen sind.

Raphael Brinkert, was erhoffen Sie sich konkret von der Umsetzung der neuen Strategie?

Zunächst einmal nur ein offenes Ohr der Halterner Bürger, der sportinteressierten Bevölkerung und unserer Mitglieder. Das Bilbao-Konzept ist der wichtigste Baustein unserer Sport- und Gemeinwohl-Strategie für ambitionierten Amateur- und Bewegungssport, die wir gerade erarbeiten.

Für uns war schnell klar: Je früher wir Antworten auf die Veränderungen der Demographie und des Freizeitverhaltens entwickeln, umso stärker wird ganz Haltern am See und jeder Einzelne von uns davon profitieren.

Wie sehr sehen sie den sportlichen Erfolg durch die neue Strategie gefährdet?

Es geht uns nicht um eine Liga-, sondern um eine Heimatzugehörigkeit. Wenn die Konsequenz aus dem Strategiewechsel ist, dass wir in den kommenden Jahren bevorzugt in Steine statt Beine investieren, um bestmögliche Voraussetzungen für die Senioren- und Jugendteams des Vereins zu schaffen, dann nehmen wir dafür auch schweren Herzens einen sportlichen Abstieg in Kauf.

Es ist grotesk, wenn in der Saison des sportlich größten Erfolgs der Vereinsgeschichte die härtesten Gegner nicht Alemannia Aachen oder Rot-Weiß Essen waren, sondern mangels Überdachung der Regen auf dem Kunstrasenplatz oder die fehlende Flutlichtanlage auf dem Hauptplatz. Das wollen und werden wir schnellstmöglich anpacken und ändern.

Sie sprechen gerne von Haltern am See statt TuS, von Seestadt statt Stauseekampfbahn…

Der TuS war und ist die kommunikative Speerspitze des Amateurfussballs und des Sports in der Seestadt. Ich komme aus einer Zeit, in der waren Jugend-Spielgemeinschaften eine Ausnahme. Selbst jedes Dorf hatte genug Kinder, fast alle Altersklassen zu besetzen. Das ist heute leider nicht mehr der Fall, so dass es uns allen hilft, wenn wir die Vereinsbrille abnehmen und über nachhaltige Lösungen für ganz Haltern am See diskutieren. Das sind wir unseren Kindern schuldig.

Mit der Kampagne „Unser Star ist die Stadt“ und der Kooperation mit „Haltern am See tut gut“ sind wir erste kommunikative Schritt gegangen. Jetzt wollen wir mit Maßnahmen nachlegen und aktiv die Gespräche mit Stadt, Stadtsportverband und den Vereinen suchen und führen.

Wo und wie soll der Weg hinführen? Gibt es schon Gespräche mit den Spielern und dem Trainerstab?

Die Gespräche obliegen der sportlichen Leitung um Sascha Kopschina, der diese in diesen Tagen führt. Es ist klar, dass wir hier auch vor einer Zäsur stehen, aber und das bitte ich schon heute zu bedenken: Es geht nicht um eine Person, sondern um unsere Zukunft. Eine überdachte Zukunft mit Flutlicht und ganz viel Haltern am See beim TuS.

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