Nils Eisen (r.) vom TuS Haltern am See beendet im Sommer seine Karriere. © Carsten Loos (Archiv)
Fußball: Oberliga

Nils Eisen beendet seine Karriere: „Da rutscht der Fußball in den Hintergrund“

Nils Eisen beendet nach zwei Aufstiegen mit dem TuS Haltern seine Karriere. Die Prioritäten des 33-Jährigen haben sich verändert - die Pandemie bekräftigte ihn in seiner Entscheidung.

Das Gesicht des TuS Haltern am See wird sich in der kommenden Spielzeit erneut verändern. Mehrere Stammspieler werden den Oberligisten verlassen, unter anderem auch Torjäger Stefan Oerterer. Nun ist mit Nils Eisen noch ein weiterer Abgang bekannt geworden. Der Spieler wechselt aber nicht zu einem neuen Verein, sondern möchte ganz aufhören – die Corona-Pandemie spielte dabei eine wichtige Rolle.

Eisen wechselte 2016 von der Spielvereinigung Erkenschwick zum TuS Haltern am See. Viereinhalb Jahre wird er letztendlich beim TuS gewesen sein, wenn er den Verein im Sommer verlässt. Ein halbes Jahr hatte er sich eine Auszeit genommen.

Nils Eisen stieg mehrmals mit dem TuS Haltern am See auf, im Sommer beendet er seine Karriere.
Nils Eisen stieg mehrmals mit dem TuS Haltern am See auf, im Sommer beendet er seine Karriere. © Jürgen Patzke © Jürgen Patzke

Nun nimmt er sich nicht erneut eine Auszeit, sondern hört ganz auf. „Die Zeit zuhause ist mir einfach noch mal wichtiger geworden“, sagt der 33-Jährige, der vor einiger Zeit Vater geworden war. Mittlerweile ist sein Kind 14 Monate alt.

Nils Eisen: „Da verschieben sich dann auch die Prioritäten“

Schon in den vergangen Jahren habe er darüber nachgedacht, wie es für ihn weiter gehen soll in Zukunft. Während der Schwangerschaft seiner Frau und nach der Geburt seines Kindes habe er sich noch mehr Gedanken darüber gemacht.

„Da verschieben sich dann auch die Prioritäten und der Fußball rutscht in den Hintergrund“, erklärt er. Fußball sei immer nur ein Hobby gewesen, der Job und die Familie hatten und haben immer Vorrang, so Nils Eisen.

Im Januar gab es erste Gespräche mit TuS-Trainer Timo Ostdorf und Tim Eibold, dem Leiter Seniorenfußball der Halterner, erzählt er. Da habe er schon um einige Wochen Bedenkzeit gebeten. Anfang Februar teilte er dann Timo Ostdorf mit, dass er sich zurückziehen möchte.

Timo Ostdorf findet Eisens Karriereende schade, aber nachvollziehbar

„Ich hätte ihm das natürlich gerne persönlich gesagt, aber das geht aktuell ja nicht“, sagt Eisen. Der Trainer findet es „natürlich schade, dass er uns nicht mehr zur Verfügung stehen wird“.

Doch Ostdorf hat vollstes Verständnis für die Entscheidung seines Routiniers. „Ich kann voll nachvollziehen, dass er nach den ganzen Jahren jetzt sagt, dass es reicht“, erklärt er.

Dennoch schmerzt der Abgang Eisens. „Das ist für uns ein Verlust, sowohl wegen seiner Persönlichkeit als auch wegen seiner sportlichen Qualitäten“, sagt der TuS-Trainer. „Er hat im Amateurbereich das erreicht, was man erreichen kann – viel mehr geht nicht.“

Nils Eisen genießt derzeit die freie Zeit mit seiner Familie

Er sei ihm auch persönlich sehr dankbar, „dass er mir in meiner ersten Saison als Trainer in der Oberliga nach seiner Pause helfend zur Seite gesprungen ist“. Eisen war im vergangenen Sommer nach einer etwa sechsmonatigen Pause zum TuS Haltern am See zurückgekehrt.

Hatte er in der Saison 2019/20 die ersten Monate noch in der Regionalliga auf dem Platz gestanden, zog er sich zu Beginn des vergangenen Jahres für einige Zeit zurück, um mehr Zeit für seine Familie und sein Kind zu haben. Damals, so erzählt der 33-Jährige, sei es ihm manchmal schwer gefallen, nicht zu spielen.

In den vergangenen Monaten und auch jetzt noch sei das aber anders. Denn diesmal ist es nicht nur Eisen, der pausieren muss, sondern alle Amateursportler. „Es fällt mir jetzt nicht schwer, dass ich nicht auf dem Platz stehe“, gesteht er. Vielmehr genießt er nun seine Freizeit mit Frau und Kind.

„Das wünscht man sich natürlich nicht als Abschied“

Sollte die Saison fortgesetzt werden, wäre er aber noch mal mit vollem Herzen dabei. Dass er mit dem TuS noch mal gegen andere Oberligisten um Punkte kämpfen wird, glaubt er allerdings nicht. Dennoch, sagt er auch, müssten sich Spieler und Trainerteam natürlich auf alle Eventualitäten vorbereiten.

Gerne würde sich Nils Eisen auf dem Platz verabschieden. Bei seinem letzten Einsatz gegen Finnentrop-Bamenohl, als der TuS durch einen späten Oerterer-Doppelpack einen Punkt holte, musste er noch in Halbzeit eins ausgewechselt werden. „Das wünscht man sich natürlich nicht als Abschied“, sagt er.

Mit größeren Verletzungen hatte er in seiner Karriere allerdings nicht zu kämpfen. „Davon bin ich Gott sei Dank verschont geblieben“, so Eisen. Körperlich, da ist sich der ehemalige Spieler der Spielvereinigung Erkenschwick und von Westfalia Herne sicher, „würde ich es mir noch zutrauen, weiterzuspielen“, erklärt er.

Letztendlich, betont er noch mal, sei der Zeitfaktor entscheidend gewesen für seine Entscheidung. Außerdem wolle er lieber aufhören, „wenn andere sagen, ‚du musst noch nicht aufhören‘ als andersherum“. Das trifft aktuell auf ihn zu. Und so endet das fußballerische Kapitel in Eisens Leben bald nicht weil er muss, sondern weil er es so möchte.

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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert

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