Neue Plakate des TuS Haltern: „Geht es um die Stadt, spielen wir längst Champions League“

hzRaphael Brinkert

Seit wenigen Tagen hängen in Haltern und Umgebung Plakate des TuS Haltern. Im Interview erklärt Raphael Brinkert, Leiter Marketing, was sich der Verein von der neuen Kampagne verspricht.

Haltern

, 02.08.2019, 09:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sportlich hat der TuS Haltern am See die ersten drei Punkte in der Fußball-Regionalliga bereits eingefahren. Mit 1:0 gewann der Aufsteiger am ersten Spieltag in Lotte. Mit Blick auf das Marketing geht der Verein neue Wege: Seit wenigen Tagen hängen in Haltern und Umgebung Plakate des Vereins. Was es damit auf sich hat, welche Strategie dahinter steckt und welches Ziel vergangene Kampagnen des Vereins hatten, erklärt Raphael Brinkert, Leiter Marketing beim TuS und Gründer der Agentur BrinkertMetzelder, im Interview.

Seit wenigen Tagen hängen Plakate des TuS Haltern am See in Dülmen, nun auch in Haltern. Was hat es damit auf sich?

Raphael Brinkert: Die Plakate sind Auftakt unserer Jahreskommunikation unter dem Motto „Unser Star ist die Stadt.“ Mit den Motiven, die auch auf allen Dauerkarten und Online-Tagestickets zu sehen sind, möchten wir augenzwinkernd die Einzigartigkeit von Haltern am See in den Fokus rücken und uns vom sportlichen Erfolg unabhängig machen. Denn eines ist klar: Wenn es um die Attraktivität der Stadt geht, spielt Haltern am See nicht Ober- oder Regionalliga, sondern längst Champions League. Die Plakate, die unser Hauptsponsor Viactiv komplett finanziert, sind ab sofort im Umkreis von 20 Kilometern zu sehen.

Neue Plakate des TuS Haltern: „Geht es um die Stadt, spielen wir längst Champions League“

Raphael Brinkert spricht im Interview über die neue Kampagne. © Christopher Kremer

Welche Strategie steckt dahinter?

Großes gelingt nur im Team. Das gilt nicht nur für den sensationellem Aufstieg und Auftaktsieg, sondern auch für Vereins- und Stadtmarketing im Allgemeinen. Mit dem Motto wollen wir beides verknüpfen und ganz Haltern am See einladen mitzumachen und für die Seestadt zu werben. Aus diesem Grund ist neben dem Hauptsponsor auch „Haltern am See. Tut gut.“ auf allen Werbemitteln und auf der gesamten Trainings- und Funktionsbekleidung des Vereins anstelle des Vereinsnamens präsent. Eine wohl einmalige Aktion, die dadurch abgerundet wird, dass auf allen Trikots auch ab sofort nur noch der Name der Stadt, statt des Vereins zu sehen ist. Der TuS ist, auch durch die mediale Präsenz seiner Protagonisten, längst die öffentlichkeitsstärkste Visitenkarte der Stadt. Der Spieler nicht nur Botschafter des Vereins, sondern auch Repräsentanten der Stadt.

Wie viele Plakate gibt es?

Zum Auftakt hängen knapp 100 Plakate, hinzukommen zahlreiche Digital-Umsetzungen.

Welche Motive sind zu sehen?

Zum Start haben wir die Motive von „Haltern am See. Tut gut.“ und Fotograf Michael David zur Verfügung gestellt bekommen und diese in Bezug zum Sport gesetzt. So steht auf den Zeilen der kombinierten Stadt- und Vereinsmarketingkampagne beispielsweise „Eine Liga für sich seit 1289: Haltern am See.“ oder, die Einwohnerzahl aufgreifend: „38.000 Dauerkarten. Millionen Fans.“

Neue Plakate des TuS Haltern: „Geht es um die Stadt, spielen wir längst Champions League“

Alle Plakate zeigen Motive aus Haltern. © Kremer, Christopher

Was verspricht sich der TuS davon?

Zunächst einmal Aufmerksamkeit und Rückenwind für das Abenteuer Regionalliga. Es ist Werbung für die ganze Stadt und demzufolge auch ein Projekt der ganzen Stadt. Und so freuen wir uns über jede helfende Hand, die Lust hat, mitzumachen. Egal, ob sie aus Lippramsdorf, Hullern oder Haltern kommt.

Gibt es schon Rückmeldungen?

Erst in der vergangenen Woche hatten wir ein Gespräch mit dem Bürgermeister, der uns nicht nur ermutigt hat, diesen Schritt weiterzugehen, sondern der sich auch darüber gefreut hat, dass wir das Stadtlogo auf allen Werbemitteln verwenden und auf den Trikots nur noch Haltern am See steht.

Der TuS hat schon immer gerne medial polarisiert. In der Vergangenheit sind nicht alle Kampagnen immer positiv angekommen ….

Im Kampf um Aufmerksamkeit ist Provokation ein bewusstes Stilmittel um Geld für Medialeistung zu sparen. Mit der letzten Kampagne „Wahrer Fußball statt Ware Fußball“ haben wir die Turbokapitalisierung im Profifußball verurteilt und den Amateurfußball gefeiert. Jetzt feiern wir die Einzigartigkeit unserer Stadt. Klar, dass da jemand aus Marl, Dülmen oder Datteln gerne mal neidisch über das Ortseingangsschild blickt, wenn er nicht gerade im Seebad oder Silbersee badet.

Neue Plakate des TuS Haltern: „Geht es um die Stadt, spielen wir längst Champions League“

Seit wenigen Tagen hängen die Plakate in Haltern und Umgebung. © Kremer, Christopher

Wollte sich der TuS in der Vergangenheit von anderen Vereinen abgrenzen?

Der TuS ist nicht nur dank Metze, Benni (Christoph Metzelder, ehemaliger Nationalspieler und Benedikt Höwedes, Weltmeister, Anm. d. Red) & Co. Deutschlands bekannteste Talentschmiede im Amateurfußball, sondern auch der Verein in der Region mit der sportlich herausragendsten Entwicklung. Es ist das Bekenntnis zum Leistungssport, welches selbst in der Jugend Magnetismus, aber auch Enttäuschung auslöst, wie zum Beispiel, wenn ein Kind nicht mehr zwangsläufig im Kader steht. Diese Entwicklung ist Fluch und Segen zu gleich, sodass wir in den kommenden Jahren noch viel mehr auf Kooperation statt auf Wettbewerb gehen. Im Gegenteil: Christoph und die sportliche Leitung überlegen gerade, ob man nicht mit der erweiterten Regionalliga-Mannschaft auch mal auf den städtischen Anlagen in den Dörfern trainiert oder ein Trainingsspiel in Sythen, Bossendorf und Co. organisiert.

Hatten die vergangenen Kampagnen den gewünschten Effekt?

Da ging es uns in erster Linie um Aufmerksamkeit für das Projekt TuS Haltern am See. Der TuS hatte dadurch eine signifikant größere mediale Reichweite, als die Liga in der er gespielt hat. Das wollen wir auch jetzt erreichen.

Neue Plakate des TuS Haltern: „Geht es um die Stadt, spielen wir längst Champions League“

"Unser Star ist die Stadt", sagt Raphael Brinkert. © Kremer, Christopher

Wie schwierig wird es, die ganze Stadt mitzunehmen?

Das ist eine Aufgabe für die nächsten Jahre und keine für eine Saison. Die Herausforderung wird sein, wie wir uns sportlich und kommunikativ weiterentwickeln, wie wir Vereinsmitglieder und Fans, die Stadt und Partnervereine sowie tolle Initiativen wie „Haltern am See. Tut gut.“ einbeziehen.

Woher kommt die große mediale Aufmerksamkeit?

Erstens Christoph, zweitens Christoph und drittens durch das Engagement unzähliger leidenschaftliche Mitmacher. Was die tagtäglich für den Verein leisten, ist unglaublich. Der TuS ist eine Gesamtleistung der Bürger der Stadt Haltern am See. Und je mehr in Zukunft mitmachen, umso stärker profitieren Wirtschaft und Einwohner unserer Stadt.

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