Unser Volontär Kevin Michaelis ist spontan nach München gefahren, um noch Tickets für das EM-Spiel zwischen Deutschland und Portugal zu bekommen. © Privat
Fußball-Europameisterschaft

Polizei, Ordnungsamt und horrende Preise: Auf der Jagd nach EM-Tickets in München

Unser Volontär Kevin Michaelis ist nach München gefahren, um spontan EM-Tickets für das Spiel zwischen Deutschland und Portugal zu ergattern. Dabei geriet er ins Visier der Polizei.

Trotz der überaus erschreckenden Erfahrungen, die ich vor einigen Tagen auf eBay Kleinanzeigen machen musste – zuerst tappte ich beinahe in eine betrügerische Ticket-Verkaufs-Falle und deckte anschließend noch einen Identitätsdiebstahl auf – ließ es mich nicht los, das zweite Europameisterschaftsspiel zwischen Deutschland und Portugal live im Stadion sehen zu wollen. Es folgte ein zweitägiges Abenteuer.

Spontan hatte ich den Gedanken: „Warum nicht einfach direkt nach München fahren und dort mein Glück vor Ort versuchen!?“ Da ich in der Vergangenheit schon einige Spiele live in der Allianz Arena verfolgt hatte, wusste ich, dass es Menschen gibt, die kurz vor dem Spiel am Stadion immer noch das eine oder andere Ticket loswerden wollen.

Gesagt, getan. Begleitet wurde ich von einem guten Freund, der von meiner spontanen Ticket-Idee begeistert war. Mit dem Auto machten wir uns am Freitag, 18. Juni, in die über 600 Kilometer entfernte bayrische Landeshauptstadt auf den Weg. Bei glühender Hitze erreichten wir unser Ziel ohne Stau nach knapp sechs Stunden Fahrzeit.

Fünf Stunden vor dem Anpfiff geht die Ticket-Suche los

Die Menschen in München, bei dem guten Wetter, sprühten nur so vor Lebensfreude. So nutzten wir die Zeit nicht nur für die Ticketsuche, sondern auch für einen Abstecher an den Eisbach im Englischen Garten, zum Marienplatz und dem bekannten Hofbräuhaus.

Bevor die Jagd nach den Karten weiter ging, schauten wir uns auch noch das altehrwürdige Münchener Olympiastadion an – dort wurden über Jahrzehnten viele Fußballschlachten der deutschen Nationalmannschaft geschlagen.

Um die Wahrscheinlichkeit, ein Ticket zu ergattern, zu erhöhen, machten wir uns am Spieltag bereits fünf Stunden vor dem eigentlichen Anpfiff des Fußballklassikers auf den Weg zur Spielstätte.

Die U-Bahn war voll mit ehrenamtlichen Volunteers der UEFA. Mit einem sind wir dann ins Gespräch gekommen, der sogar für das Ticketing zuständig war – „perfekter Zufall“, dachte ich mir. Er erklärte uns, dass wir uns für einen Ticket-Kauf auf jeden Fall die offizielle Ticket-App der UEFA herunterladen müssen.

40 Grad und viel Konkurrenz

Außerdem sprach uns ein fremder Fahrgast in der U-Bahn an: „Ihr sucht noch Tickets? Mein Freund hat noch eine Karte übrig. 350 Euro möchte er dafür haben.“ Ich antwortete mit einem kurzen: „Ticket, sehr gerne. Für 350 Euro aber nicht, danke!“ Unser äußerstes Maximum lag bei 200 Euro. Also kamen wir leider nicht ins Geschäft.

Vor der Allianz Arena machte sich unser Volontär Kevin Michaelis auf, um noch spontan zwei EM-Tickets für das Spiel zwischen Portugal und Deutschland zu bekommen.
Vor der Allianz Arena machte sich unser Volontär Kevin Michaelis auf, um noch spontan zwei EM-Tickets für das Spiel zwischen Portugal und Deutschland zu bekommen. © Kevin Michaelis © Kevin Michaelis

Knapp 80 Prozent aller Tickets werden über die Ticket-App abgewickelt und nur 20 Prozent sind Papiertickets – damit möchte die UEFA den Schwarzmarkthandel eindämmen und am liebsten natürlich ganz unterbinden.

Für die Papiertickets haben wir von dem Volunteer die Info erhalten, auf welche Merkmale wir dort achten müssen – Hologramme, Wasserzeichen und so weiter. Dass wir noch an ein Ticket kommen, hielt er allerdings für eher unwahrscheinlich, wünschte uns aber viel Glück.

Von der U-Bahn-Station Fröttmaning bis zum Stadion ist es etwa ein Zehn-Minuten-Fußmarsch. Irgendwo hier wollten wir nun also endlich erfolgreich sein. Die Suche gestaltete sich jedoch zunehmend schwieriger. Nicht nur, weil es in der prallen Sonne fast 40 Grad waren, vor allem aber, weil wir nicht die einzigen Ticket-Jäger waren. So tummelten sich in unsere Nähe mit zunehmender Dauer immer mehr Menschen, die wie wir ebenfalls ihr Glück suchten.

Im Blickfeld der Polizei, des Ordnungsamtes und der U-Bahn-Wache

Je näher das Spiel rückte desto mehr deutsche und portugiesische Fans strömten an uns vorbei Richtung Stadion. Mittlerweile hatten wir uns auch schon ein eigenes Papier mit der Aufschrift: „Suchen 2 Tickets“ erstellt, damit uns potenzielle Verkäufer auch erkennen.

Nach zweieinhalb Stunden auf der Suche schwanden unsere Hoffnungen mehr und mehr. Die Stimmung rund um das Stadion wurde hingegen immer besser. So ertönten aus vielen Menschengruppen beider Fanlager Gesänge. Auch die zig Volunteers animierten die Fans munter und sorgten für ein fröhliches Miteinander.

Wir verweilten derweil an der U-Bahn-Station, da dort die meisten Fans eintrafen. Was dann folgte, sollte unseren ganzen Plan aber zu Nichte machen: Einer der sympathischen Volunteers kam spontan auf uns zu und sagte, „Jungs, schaut mal dort rüber“ – eine größere Menschengruppe versammelte sich etwas abseits – und erzählte weiter: „Die haben euch im Blick. Das sind Leute vom Ordnungsamt, der U-Bahn-Wache und Zivilpolizei.“ Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet.

Grundsätzlich ist das Verkaufen und Kaufen von Tickets nicht illegal. Es sei denn die abgebende Person macht es aus gewerblichen Gründen. Mittlerweile hatten wir aber dennoch ein ungutes Gefühl bekommen, zudem waren die Preise, die uns genannt wurden, ohnehin zu hoch.

Trotz erfolgloser Ticket-Suche: Die spontane Reise war ein Erfolg

Ich schaute aus Interesse ein letztes Mal auf eBay Kleinanzeigen, ob sich dort eventuell noch ein seriöser Verkäufer verbirgt. Doch selbst wenn hinter der ein oder anderen Anzeige jemand Ehrliches steckte, die Preise lagen – egal welche Sitzplatzkategorie – bei mindestens 400 Euro pro Ticket. Viel zu teuer, Mission gescheitert.

So machten wir uns im Anschluss daran auf den Weg zurück in die Innenstadt. Unser Ziel: Ein schöner Biergarten im Englischen Garten mit mehreren Fernsehern, um das Spiel mit vielen begeisterten Fans zu verfolgen und das EM-Feeling aufzusaugen. Tatsächlich war der Biergarten restlos reserviert. Unsere einzige Chance, dass wir uns irgendwo an einen Tisch dazu setzten können. So klapperten wir Tisch für Tisch ab und fanden nach einiger Zeit auch einen guten Sitzplatz.

Am Ende ergatterte Kevin Michaelis zwar keine EM-Tickets für das Spiel zwischen Deutschland und Portugal, ein schöner Ausflug nach München war es für ihn aber dennoch.
Am Ende ergatterte Kevin Michaelis zwar keine EM-Tickets für das Spiel zwischen Deutschland und Portugal, ein schöner Ausflug nach München war es für ihn aber dennoch. © Privat © Privat

Die Stimmung im Biergarten war dem Spiel entsprechend euphorisch. Jubelgesänge, Klatschen und pure Begeisterung über die Leistung der deutschen Nationalmannschaft. Nach jedem Tor lagen sich die Menschen in den Armen. Gänsehaut am ganzen Körper.

Endlich wieder Fußball mit Fans gemeinsam an einem Ort – wie sehr hat das in den vergangenen Monaten doch gefehlt. Public-Viewing wie bei den vorangegangenen Turnieren der letzten Jahre. Und auch das Wir-Gefühl kehrte in nach dem elektrisierenden Auftrifft der DFB-Elf zurück.

Mein Fazit: Auch wenn es mit den EM-Tickets leider nicht funktioniert hat, die spontane Reise nach München war es auf jeden Fall wert. Dieses Feeling zu spüren, das Gemeinschaftsgefühl – so macht Fußballgucken wieder Spaß. Die Europameisterschaft 2024 im eigenen Land kann also kommen. Und ich bin mir sicher: Dann bekomme auch ich endlich mein so sehr gewünschtes Ticket.

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