Reiterin Britta Büser wagt sich auf neues Terrain und überzeugt sofort

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Die Dressur- und Springreiterin Britta Büser hat sich in einer neuen Disziplin ausprobiert - Schuld daran waren die Auswirkungen des Coronavirus. Dabei traf sie auch auf eine Olympiasiegerin.

Haltern

, 28.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Halterner Pferdesportlerin Britta Büser ist üblicherweise erfolgreich in Dressur und Springen auf den ländlichen Reitturnieren der Umgebung unterwegs. Nun hat sie sich aber an eine für sie vollkommen neue Disziplin herangewagt. Dabei war vor allem der direkte Vergleich mit einer Olympiasiegerin und deutschen Reitmeisterin ein ganz besonderes Erlebnis für sie.

Aufgrund des Corona-Lockdowns wurden seit dem Frühjahr alle Reitturniere abgesagt, und auch auf den heimischen Reiterhöfen war ein „normaler“ Reit- und Trainingsbetrieb nicht mehr möglich. So machte Büser aus der Not eine Tugend und sattelte ihr Pferd „Favorit“ zu einer täglichen Bewegungsrunde alleine im Wald.

„Er hat sofort gezündet und in den Off-Road-Modus geschaltet“

Dabei spulte sie ein eigenes Trainingsprogramm verschiedener Schritt- und Sprungfolgen ab, lies aber „Favorit“ durchaus auch gerne mal im gestreckten Galopp freien Lauf. Da dies immer mehr einem echten Geländeritt aus dem Vielseitigkeitsreitsport nahe kam, nutzte sie verschiedene Trainingsangebote wie zum Beispiel an der Westfälischen Reit- und Fahrschule in Münster. Dort konnte sie sich im Juni in einer A-Geländeprüfung in der stark besetzten Konkurrenz mit einem zweiten Platz behaupten.

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Nach guten Platzierungen bei weiteren „Trainingsstarts“ meldete sie sich auf Anraten ihrer Trainerin Vanessa Bölting aus Münster für die offiziell ausgeschriebene M-Geländeprüfung in Hamm–Rhynern am 14. Juli an. „Für mich war es entscheidend, dass meine Trainerin mir das zutraut“, sagt Britta Büser.

Ohne Zweifel, aber mit dem gebotenen Respekt für die Aufgabe, studierte Büser schon frühzeitig die Details der Ausschreibung, in der als Sollzeit für 500 Meter Wegstrecke mit nur einer Minute schon ein beeindruckendes Tempo gesetzt war. Doch auch der Blick in die Startliste versprach mit der Olympiasiegerin Ingrid Klimke ein ganz spezielles, reiterliches Highlight.

Doch der 14. Juli begann zunächst mit Schwierigkeiten. Durch einen Verkehrsstau bei der Anreise kam Büser erst später als geplant auf die Anlage und verpasste so die geplante Parcourbesichtigung mit ihrer Trainerin. Den Start der ersten Reiter um 15 Uhr schaute sich Büser noch an, begann danach mit der eigenen Vorbereitung und ritt nach einigen gelungenen Probesprüngen mit einem „guten Gefühl“ an die Startlinie. Von da an war sie direkt im Tunnel und spürte, dass auch „Favorit“ mit Spaß dabei war. „Er hat sofort gezündet und in den Off-Road-Modus geschaltet“, erzählt sie. So motiviert gelang dem Paar nach rund 30 Metern auch sofort der erste Sprung.

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Und dann blieb fast keine Zeit mehr zum Atem holen, denn es ging in wilder Jagd über den 2600 Meter langen Parcours mit insgesamt 22 Hindernissen. Dabei gleich dreimal in und über den Wassergraben, wobei auch ein im Wasser stehendes Element von oben herab angesprungen werden musste. Anschließende „Dreier-Kombinationen“ und Sprungaufgaben auf der „Wellenbahn“ forderten ihre volle Konzentration. Büser, die sich vor dem Start genau die „Minutenpunkte“ auf der Geländeskizze gemerkt hatte, verfolgte diese unterwegs auf der Uhr und stellte erleichtert fest, dass sie in der Zeit lag.

Lob für Britta Büsers „Favorit“ von Olympiasiegerin Ingrid Klimke

Beim Wechsel von der Grasauflage auf den schnellsten Teil, der vereinseigenen Galoppbahn, ritt sie die gut 500 Meter in voller Attacke und konnte sogar noch etwas Zeit gut machen. Am mächtigen Grabensprung mit eingesetzten Bambuselementen zögerte „Favorit“ später keinen Moment und bei den Stufensprüngen auf der Geländeterrasse musste sie ihr Pferd sogar etwas zurücknehmen. „Das war notwendig, sonst wäre das wohl schief gegangen“, erklärt sie. Danach nahm Büser die letzten Hindernisse sicher bis ins Ziel, wo für sie die Uhr bei 5:21 Minuten stehen blieb.

Britta Büser und ihr Pferd "Favorit" sind ein eingeschworenes Team.

Britta Büser und ihr Pferd "Favorit" sind ein eingeschworenes Team. © Horst Lehr

So war klar, dass sie die geforderte Sollzeit von 5:23 Minuten sogar noch um zwei Sekunden unterboten hatte. „Das war praktisch eine Punktlandung. Es hat gepasst.“ Der Meinung waren auch die Wettkampfrichter, die ihren Parforceritt mit der Stilnote 8,5 belohnten, und sie damit auf einen völlig überraschenden vierten Gesamtrang platzierten. „Ich habe Favorit gestreichelt und vor lauter Glück gar nicht mehr auf die Ausführungen der Richter gehört“, erinnert sich Britta Büser.

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Nach der Platzierung nahm sich die Siegerin Ingrid Klimke (Note 9,3) noch etwas Zeit für ein Gespräch, gab ein paar reiterliche Tipps und sagte zu Büser, sie habe „ein wirklich tolles Pferd“. Auf der späteren Heimfahrt gingen Büser immer wieder die Bilder des Tages durch den Kopf, denn etwas Vergleichbares hatte sie bisher noch nie erlebt. In diesem Hochgefühl plant sie nun Mitte August auch ihren ersten internationalen Start. „Davon hätte ich vor fünf Jahren nicht einmal zu träumen gewagt“, sagt sie.

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